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Werdohler mit Herz, Asti und Pizza für Italien

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Von: Michael Koll

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Anthony Cortese ist nach Großvater Antonio benannt.
Anthony Cortese ist nach Großvater Antonio benannt. © Michael Koll

„Wenn Gott will“, sagt Ludovico Greco, „werden wir am Sonntag gewinnen.“ Der gläubige Katholik ist begeisterter Fußball-Fan und drückt beim EM-Endspiel seinen Italienern die Daumen. „Ich tippe 3 zu 1 für die Squadra Azzurra“, zeigt er sich optimistisch. Der 59-Jährige hält seinen fünf Monate alten Enkel Matteo Ludovico auf dem Arm. Beide tragen ein Trikot ihrer Nationalmannschaft.

Werdohl - Ebenso gekleidet ist Anthony Cortese. Der Werdohler mit italienischem Papa und deutscher Mutter glaubt, dass es am Sonntag „ein knappes Spiel“ wird. Doch letztlich überwiegt seine südländische Seele und er tippt „auf ein 2 zu 1 für Italien“. Seine deutsche Frau Sabine – eigentlich Fußball-Abstinenzlerin – wird ihm beim Finale doch Gesellschaft vor dem Fernseher leisten.

Antonio Fratepietro, Inhaber der Werdohler Eisdiele, ist noch skeptisch aufgrund der Corona-Lage. „Ich werde am Sonntag wahrscheinlich in ein Restaurant gehen und dort das Spiel anschauen. Wenn sie keinen Fernseher haben, sehe ich es halt auf meinem Handy an. Hauptsache, es sind nicht allzu viele Menschen dort.“

Sein Gefühl, wenn er ans Finale denkt, ist von Skepsis geprägt. „Naja, wir müssen uns überraschen lassen“, sagt er. „Ich wage nicht zu tippen, es ist alles möglich.“ Aber dann platzt es doch aus ihm heraus: „Ach was, Italien gewinnt bestimmt!“

So wie Grecos Enkel mit zweitem Vornamen ebenso Ludovico heißt, hat auch Cortese den Vornamen von seinem Opa geerbt „Das ist Tradition bei uns“, erklärt der 42-Jährige. „Mein Großvater hieß zwar Antonio, doch meine Eltern wollten es etwas moderner klingen lassen. Da haben sie sich vom amerikanischen Schauspieler Anthony Quinn inspirieren lassen.“ Sein anderer Großvater hieß übrigens Ewald.

Ludovico Greco mit Enkelsohn Matteo Ludovico.
Ludovico Greco mit Enkelsohn Matteo Ludovico. © Michael Koll

„Ich bin in Werdohl geboren und nie von hier weg gekommen. Zwar habe ich meine Verwandschaft in Italien schon oft besucht und kann mich auch mit ihnen verständigen, aber meine Sprachkenntnisse reichen nur für Gespräche innerhalb der Familie.“

Wenn es um Fußball gehe, schlage sein Herz durchaus auch für die deutsche Mannschaft, deren Trikot er dann vor dem Fernseher auch trage – es sei allerdings, sie spielten gegen die Squadra Azzura. „Am Ende schlägt mein Fußballherz eben doch einen Tick mehr für Italien“, sagt der Mann mit beiden Staatsangehörigkeiten.

Selbst habe er auch mal Fußball gespielt, „aber mit 14 hatte ich dann schon Verletzungen am Knie und an den Adduktoren“, begründet er, warum er sich dem Tischtennis zugewandt hat. Gespielt hat er in Pungelscheid – dem Stadtteil, aus dem auch seine Mutter stammte.

Am Sonntag aber steht auch für ihn alles im Zeichen des Fußballs. Sein Vater, der mit zwölf Jahren nach Deutschland kam und zunächst in Altena landete, wird aber nicht mit ihm gemeinsam schauen. „Doch wir haben eine Familiengruppe bei WhatsApp, wo auch die Verwandten in der Heimat mit drin sind.“ Die werde sicher auch während des Spiels heiß laufen.

„Ingesamt wurde diese Europameisterschaft ja nicht so heiß gefeiert“, hat Cortese beobachtet. „Das fehlt mir ein wenig. Wenn man in die Stadt schaute, gab es ja kaum Fahnen an den Autos und in den Fenstern“, bedauert er. „Aber wenn man jetzt die Fans in den Stadien sieht, ist das ja auch befremdlich.“

In Hinblick auf das Finale überlegt der Friseur, der am 1. August sein 25-jähriges Berufsjubiläum feiern kann: „Italien hatte mit Belgien und Spanien ja den schwereren Weg durch das Turnier. England hatte ja allenfalls Deutschland als harten Gegner. Aber die Engländer haben ja den Heimvorteil, der nicht zu unterschätzen ist.“

Beim italienischen Team gelte für ihn in diesem Jahr der Spruch von der Mannschaft, die gemeinsam den Star bilde. „Einzig der Kapitän Giorgio Chiellini beeindruckt mich, der nächsten Monat schon 37 Jahre alt wird und immer noch das Team zusammenhält.“

In Folge dessen hätten „alle ihre Leistung abgerufen“. Er lobt: „Bereits bei der Nationalhymne vor dem Spiel sieht man die Euphorie in ihren Gesichtern.“ Dann schwenkt er thematisch zu den Engländern: „Da müssen wir auf Harry Kane und Raheem Sterling aufpassen. Diese beiden Stürmer können uns gefährlich werden.“

Das sieht auch Ludovico Greco so: „Harry Kane schießt ja sogar nicht nur die Tore. Der verteilt auch die Bälle, gibt auch mal ab. Und der Sterling ist wirklich richtig gut.“ Der Werdohler nickt anerkennend, um aber gleich hinterher zu schieben: „Insgesamt haben mich die Engländer aber enttäuscht bei dem Turnier. Die waren gar nicht mal so gut.“

Haar-Spezialist Cortese ist sich da aber noch nicht so sicher: „Es wäre ja schon – nach den beiden Finalniederlagen 2000 gegen Frankreich und 2012 gegen Spanien“, träumt er ein wenig vom Pokalgewinn. „Im dritten Anlauf muss es doch mal klappen“, spricht er sich selbst Mut zu. „Wie auch immer, der Asti wird Sonntag kalt gestellt sein. Und meine Frau und ich werden das Klischee erfüllen und Pizza beim Spiel essen“, unterstreicht er seine italienische Herkunft.

Kraftwerkstechniker Greco wird das Spiel mit seinem Enkel anschauen. Er berichtet: „Gegen Belgien hat der Kleine sich richtig erschrocken, als ich ich über das 1:0 gejubelt habe.“ Die Chancen für Italien am Sonntag sieht er bei Fifty-fifty. „Es hat im Turnier ja einige unberechtigte Elfmeter gegeben und auch Abseitstore. Eigentlich hat das italienische Team mehr Qualität als das englische“, leitet Greco seine Analyse ein. „Es stehen die beiden richtigen Mannschaften im Finale, aber am Ende gewinnt ja nicht immer der Bessere.“

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