Oft hängt es an den Eigentümern

Bestandsaufnahme: Diese Ladenlokale in der Werdohler Innenstadt sind verwaist

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Andreas Haubrichs ist Wirtschaftsförderer der Stadt und um die Wiederbelegung leer stehende Geschäftsträume bemüht.

Werdohl - Eins vorneweg: In anderen Städten gibt es mehr Leerstände. Aber auch in Werdohl stehen viele Geschäfte leer. Zu viele, wenn es nach Andreas Haubrichs geht. Der Wirtschaftsförderer der Stadt gibt aber auch zu, dass ihm in mancher Beziehung die Hände gebunden sind. Trotzdem sucht er nach Lösungen.

Die Wiederbelegung von leer stehenden Geschäftsräumen in der Werdohler Innenstadt ist schon seit Jahren ein Thema. „Eine Stadt lebt ja auch“, sagt Andreas Haubrichs, Wirtschaftsförderer im Rathaus, und meint damit, dass Geschäfte kommen und gehen, florieren und schließen. Für ihn steht deshalb fest, dass sich die Leerstandssituation immer wieder verändern wird.

Auch in den vergangenen vier Jahren hat sich die Lage verändert, aus Haubrichs’ Sicht sogar positiv. „2015 hatten wir 13 Leerstände an den Haupteinkaufsstraßen, derzeit sind es elf“, bilanziert er.`

Die Leerstände in der Werdohler Innenstadt

Die Gründe dafür, dass sich für Ladenlokale keine neuen Mieter finden, seien vielfältig, erklärt Haubrichs. In manchen Fällen fehle ein ebenerdiger Zugang. „Da müsste der Eigentümer investieren, um Rollstuhlfahrern oder gehbehinderten Personen einen problemlosen Zugang zu ermöglichen“, sagt Haubrichs. Andere Geschäfte seien einfach zu klein und damit nicht besonders attraktiv. Der Einzelhandel benötigte große Flächen. Und liege ein Ladenlokal in einer Nebenstraße, sei die Vermarktung auch schwieriger.

"Viele Ideen in der Schublade"

Fast alles hängt nach Auffassung des Wirtschaftsförderers an der Bereitschaft der Eigentümer, in ihre Immobilien zu investieren, um sie attraktiver zu machen. „Die Eigentümer sind der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Haubrichs. Ihm seien da oft die Hände gebunden, obwohl er gerne bereit sei, zu helfen, beispielsweise durch die Vermittlung von Fördermitteln. „Ich hätte viele Ideen in der Schublade, weil ich auch viel schaue, was andere Städte so alles machen“, versichert Haubrichs.

Neue Impulse und Fördermittel

Hoffnung setzt er auch in das Stadtentwicklungskonzept, das in diesem Jahr kommen soll: „Das kann für neue Impulse sorgen und den Weg zu Fördermitteln frei machen.“ Auch von anderen Programmen und Initiativen könne Werdohls Einzelhandel profitieren, glaubt Haubrichs. Nur werde das nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.

Als Beispiel nennt er das Projekt „Einzelhandelslabor Südwestfalen“, das den stationären Einzelhandel fit machen sollte für die Digitalisierung. Dadurch seien viele kostenlose Weiterbildungsangebote für Einzelhändler geschaffen worden, bringt Haubrichs in Erinnerung. Er benennt aber auch die Schattenseite: „Den Einzelhändlern fehlt die Zeit, die Angebote zu nutzen.“

Verbesserte Rahmenbedingungen

Werdohl werde sich auch am Projekt „City Lab Südwestfalen“ beteiligen, kündigte Haubrichs an. Damit sollen ab Sommer 2019 Ideen zur Steigerung der Attraktivität und die Aufenthaltsqualität für Einwohner, Besucher, Touristen und zuzugswillige Fachkräfte in den Innenstädten Südwestfalens entwickelt werden.

Solche Förderpogramme und Projekte können nach Haubrichs’ Ansicht aber immer nur dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel zu verbessern. „Daran müssen aber alle Akteure arbeiten, die irgendwie mit der Innenstadt zu tun haben“, gibt Haubrichs zu bedenken. Die Einzelhändler selbst seien ebenso gefordert wie Immobilienbesitzer, die Politik und nicht zuletzt die Werdohler selbst durch ihr Kaufverhalten.

Parkgebühren wieder abschaffen?

In Werdohl sei in den vergangenen Jahren viel an den Rahmenbedingungen gearbeitet worden, ist Haubrichs sicher. Die Maßnahmen im Rahmen des Stadtumbaus West gehörten dazu: Die Umgestaltung des Bahnhofs mit seinem Umfeld, die Neugestaltung des Brüninghaus-Platzes und der Bau des Westparks sind nur einige Beispiele.

Eher kontraproduktiv war in diesem Zusammenhang sicherlich die Einführung von Parkgebühren, die aber mit jährlich 280.000 Euro zur Sanierung des Haushalts beitragen. Haubrichs sieht die finanziellen Zwänge, sagt aber auch: „Ich persönlich habe die Hoffnung, dass man die Parkgebühren irgendwann wieder abschafft.“

In diesem Zusammenhang weist Haubrichs darauf hin, dass sich Autofahrer die Parkgebühren in vielen Geschäften erstatten lassen können. „Bisher macht davon aber kaum jemand Gebrauch“, weiß er.

Jobs im Einzelhandel nicht attraktiv

Abgesehen von den örtlichen Rahmenbedingungen spielen für Haubrichs aber auch noch andere Faktoren eine Rolle bei der Frage, ob der Einzelhandel in Werdohl durch Eröffnung neuer Geschäfte in alten Lokalen belebt werden kann. Aus seiner Sicht fehlen vielfach einfach potenzielle Nachfolger, weil der stationäre Einzelhandel nicht besonders attraktiv ist. „Ein solcher Job ist sehr zeitintensiv, das ist für Existenzgründer abschreckend“, erklärt Haubrichs unter Verweis auf lange Öffnungszeiten auch am Wochenende und die erforderlichen Büroarbeiten nach Ladenschluss.

Existenzgründer fragen selten an

Für den Wirtschaftsförderer spielt in diesem Zusammenhang auch der Fachkräftemangel in der Wirtschaft eine Rolle: „Dadurch muss doch niemand mehr das Risiko einer Existenzgründung eingehen.“ Für Andreas Haubrichs, der sich nach eigenen Angaben nur selten mit Anfragen von Existenzgründern beschäftigen muss, steht deshalb fest, dass sich die Leerstandssituation in Werdohl weiter verändern, aber nicht einfacher darstellen wird.

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