Bonpflicht auch für Döner und Fritten

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Elisabeth Michaeledou vom Akropolis-Grill in Pungelscheid hat keine elektrische Kasse. Für sie gilt eine Übergangsfrist bis September.

Werdohl – Seit Jahresbeginn gilt die Bonpflicht. Auch Mini-Betriebe müssen bei jedem kleinen Verkauf einen Bon ausdrucken. Das gilt prinzipiell auch für Imbissbuden, doch offensichtlich gibt es Ausnahmen.

Elisabeth Michaeledou vom Akropolis-Grill in Pungelscheid ist irritiert. Noch im November habe sie ihren Steuerberater gefragt, der ihr versicherte, die Bonpflicht gelte „noch nicht“ für sie. Aufgrund von Kundennachfragen und Radio-Berichten habe sie sich aber bereits vorgenommen, den Experten nach dessen Urlaub in der kommenden Woche noch einmal zu kontaktieren.

Da sie aber keine Kasse in ihrem Lokal hat, erkundigte sie sich vorsichtshalber nach den Kosten. Eine solche Anschaffung werde sie mindestens 500 Euro kosten. „Die Politiker wollen halt den Kassenverkauf ankurbeln“, sagt einer ihrer Kunden. Eine andere Kundin winkt ab und befindet: „Das ging doch früher auch alles ohne.“

Michaeledou bleibt hingegen gelassen: „Ich finde das zwar nicht schön, aber wenn es sein muss, dann muss es eben sein“, sagt sie. Ihr Mann setzt ein breites Grinsen auf, zuckt mit den Schultern und sagt schließlich: „Die Politiker wissen halt besser als wir, was sein muss.“

Ähnlich sieht das wohl auch Osman Esmer vom Döner-Restaurant Lezzet Sofrasi an der Neustadtstraße. Mit süffisanten Bemerkungen hält er sich zurück, aber sein Gesichtsausdruck verbirgt nicht, dass er wenig begeistert ist von der Bonpflicht.

Als er vor sieben Monaten seinen Laden eröffnete, hatte er bereits eine elektronische Kasse angeschafft. Und tatsächlich hätten auch vor dem Jahreswechsel vereinzelt Kunden um einen Kassenbeleg gebeten. „Und jetzt warte ich erst einmal ab“, verrät der junge Mann, dass er nach wie vor nicht automatisch einen Bon ausdrucken würde. Deshalb sei ihm auch noch nicht ganz klar, welche Kosten auf ihn zukämen.

„Wenn es jetzt aber vorgeschrieben ist, kann man halt nichts dagegen tun“, zeigt er sich gesetzestreu. Allerdings geht er davon aus, dass er häufiger den Mülleimer wird leeren müssen. „Die meisten Kunden sagen dann doch bestimmt: ‘Behalt Deinen Kram.’“

Auch Martina Hirschberger hat sich mit ihrem Steuerberater ausgetauscht. Dieser habe ihr versichert, für alteingesessene Imbissbuden gelte ein Bestandsschutz. Und die Pommesbude Wurst Wagner existiert an der Sandstraße bereits seit 1972. Die Bedienung der Werdohler Traditionsadresse erklärt: „Der Berater hat mir gesagt, der Schutz gilt dauerhaft. Erst ein Nachfolger muss eine Kasse haben.“

Über diese verfügt Hirschberger nämlich nicht. Kunden, die dies wünschten, bekämen selbstverständlich eine Quittung, doch das seien „allenfalls mal vier oder fünf im Laufe eines Monats“, überlegt sie. „Die meisten Kunden aber halten diese Bonpflicht für kompletten Schwachsinn.“ Dann lächelt die Wurst-Bräterin und stichelt: „Da wünschen sich alle mehr Umweltschutz und wir werden gezwungen, mehr Müll zu produzieren.“ Kassenzettel sind aus beschichtetem Papier und dürfen nicht ins Altpapier.

Auch die meisten Kunden von Angelika und Daniel Kiewski lehnen es ab, einen Bon zu ihrem Essen zu bekommen. Seit dem 19. September betreibt das Ehepaar die Pizzeria Calandra in Eveking. „80 Prozent“ schätzen die beiden den Anteil der Privatkunden, die auf den Kassenbeleg verzichten. „Lediglich Firmenkunden verlangen den Bon. Die anderen sagen, das sie das sowieso nicht von der Steuer absetzen können, und so sammelt sich bei uns der Müll an.“ Neben der Kasse steht eigens ein Tisch-Abfalleimer parat: „Die Kunden knüllen den Beleg zusammen und werfen ihn hier herein“, beobachtet Daniel Kiewski.

Die Kiewskis haben sich eine Online-Kasse angeschafft. Über das Tablet rechnen sie ihre Pizzen ab und drucken Kassenzettel aus. Das dafür notwendige Programm mieten sie für monatlich rund 28 Euro. Das sei nicht nur moderner, sondern auch günstiger als die Anschaffung einer herkömmlichen Kasse.

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Mit der Bonpflicht will das Bundesfinanzministerium Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern. Sie ist ein Teil der neuen Kassensicherungsordnung, die seit dem 1. Januar 2020 gilt. Hierbei sollen die Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. Da sich die Umsetzung als schwierig erwiesen hat, gewährt das Finanzministerium eine Frist bis Ende September. Besonders Umweltverbände kritisieren das Gesetz aufgrund des erhöhten Papierverbrauchs.

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