Ende April ist „Hochzeit“ bei Stauff

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Zusammen nehmen die beiden neuen Rundtaktmaschinen – die bereits produzierende ist im Hintergrund links zu sehen – in der Stauff-Halle den Platz eines Einfamilienhauses mit kleinem Garten ein.

Werdohl - Für gut 6 Millionen Euro hat die Firma Walter Stauffenberg (Stauff), nach eigenen Angaben einer der führenden Entwickler und Hersteller fluidtechnischer Komponenten, in den vergangenen drei Monaten zwei Maschinen gekauft. Wieviel Aufwand hinter einer solchen Investition steckt, haben Geschäftsführer Carsten Krenz und Fertigungsleiter Nils Böttcher jetzt bei einem exklusiven Besuch erläutert.

Die erste der beiden Maschinen ist bereits kurz vor Weihnachten angeliefert worden und liefert mittlerweile kontinuierlich Rohrverschraubungen für Hydraulikleitungen, die zweite Maschine ist kurz vor Ostern am Ehrenfeld eingetroffen. Beide sind Rundtaktmaschinen und kommen aus Italien.

Was ist eine Rundtaktmaschine?

Rundtaktmaschinen sind Werkzeugmaschinen, in denen das zu bearbeitende Werkstück in einem liegenden oder stehenden Rundschalttisch eingespannt wird. Der Tisch transportiert das Werkstück dann von einer Bearbeitungsstation zur nächsten, was die Rüstzeiten in der Produktion deutlich verkürzt. Rundtaktmaschinen werden in der Industrie vor allem zur Bearbeitung von Werkstücken oder Teilefamilien in hohen Stückzahlen eingesetzt.

Wozu setzt Stauff die Maschinen ein?

Am Stauff-Stammsitz in Versevörde sollen mit den Maschinen aus Stangenmaterial oder geschmiedeten Rohlingen Rohrverschraubungen produziert werden, die am Markt derzeit stark nachgefragt werden. Der Hydraulikleitungs-Spezialist Stauff will den Ausstoß von ursprünglich 10 Millionen Teilen pro Jahr auf 15 Millionen Teile erhöhen.

Wie effizient sind die Rundtakter?

Die schon im vergangenen Jahr angelieferte und mit drei Robotern zur Be- und Entladung ausgestattete Rundtaktmaschine würde theoretisch 35 konventionelle Zerspanungsmaschinen ersetzen, die zweite, die gerade aufgebaut wird, arbeitet mit zwei Robotern doppelt so schnell wie herkömmliche Sechsspindel-Automaten. Die bereits laufende Rundtaktmaschine braucht beispielsweise bei der Produktion von T-Verschraubungen je nach der Größe des Produktes nur zwischen 4,9 und 15 Sekunden vom Gussrohling bis zum fertig gebohrten und gefrästen Produkt.

Warum kommen die Maschinen aus Italien?

„In der Region Mailand/Verona sind fünf bis sechs Spezialisten für diese Maschinengattung ansässig. Die sind schon seit Jahrzehnten am Markt“, begründet Stauff-Geschäftsführer Carsten Krenz, warum die Wahl auf einen italienischen Hersteller gefallen ist. „Wir gehen davon aus, dass solche Maschinen 20 bis 25 Jahre in Betrieb sein werden. Deshalb haben wir einen Lieferanten gesucht, auf dessen Problembehebungskompetenz wir auch in vielen Jahren noch setzen können“, erklärte Krenz. Stauff hat die Maschinen bereits vor mehr als einem Jahr bestellt.

Warum dauert die Lieferung der Maschinen so lange?

Rundtaktmaschinen kommen nicht „von der Stange“, sondern sind Sonderanfertigungen, die auf die individuellen Anforderungen in einem Unternehmen zugeschnitten werden. Das muss man sich vorstellen, wie die Konfiguration eines neuen Autos – nur viel umfangreicher. Die Stauff-Maschinen bestehen zudem aus zwei Komponenten: der automatisierten Zu- und Abfuhr der Teile und der eigentlichen Zerspanung. Da müssen viele Schnittstellen reibungslos miteinander kommunizieren. „Die große Herausforderung war das Anpassen der Informationstechnologie. Das war für uns und für den Hersteller neu“, erklärte Fertigungsleiter Nils Böttcher, der die Neuanschaffung von Anfang an begleitet hat.

Wann stand fest, dass alles funktioniert?

Bevor die beiden Maschinen von Norditalien ins Sauerland transportiert worden sind, mussten sie im Herstellerwerk zunächst einen Härtetest bestehen. Dazu wurden im Rahmen der Vor-Abnahme eine Woche lang drei verschiedene Testteile produziert. Der anschließende Abbau und die Verpackung der Maschinen dauerte jeweils fünf bis sechs Wochen, dann konnten sich die Technik-Giganten auf den Weg nach Werdohl machen. Die eigentliche Rundtaktmaschine – 46 beziehungsweise 36 Tonnen schwer – wurde auf einen Schwertransporter verfrachtet, die jeweils zehn Tonnen schweren Peripherieteile kamen nach und nach auf fünf Sattelschleppern in Werdohl an.

Wie lange dauert der Aufbau?

Die zweite Rundtaktmaschine ist Ende März eingetroffen, seitdem läuft der Aufbau durch Fachkräfte des italienischen Herstellers. Das nimmt zunächst etwa zwei Wochen in Anspruch, dann können die Stauff-Mitarbeiter bereits an der Maschine geschult werden. „Die ‘Hochzeit’ zwischen der Maschine und der automatisierten Zu- und Abfuhr erwarten wir für die letzte April-Woche“, sagte Fertigungsleiter Böttcher. Die Produktion könne wahrscheinlich Mitte Mai beginnen. „Dann gibt es wahrscheinlich noch irgendwelche Kinderkrankheiten. Das sind dann die Wochen, die nicht so viel Spaß machen“, erwartet der Ingenieur durchaus noch mehr oder weniger kleine Anlaufschwierigkeiten.

Wer kann die Maschinen bedienen?

Zur Arbeit an den beiden neuen Rundtaktmaschinen hat Stauff eigens fünf neue Fachkräfte eingestellt. „Die zu finden, war gar nicht so einfach“, sagte Geschäftsführer Krenz. Die Bewerberzahl sei zwar fast dreistellig gewesen, aber für diesen Job sei längst nicht jeder geeignet. Krenz: „Letztlich haben wir aber fünf Mitarbeiter gewinnen können, denen wir diese Arbeit zutrauen.“

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