Karnevalshit aus der Werdohler Narren-Diaspora

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Helmut Muhl (rechts) und Kai Deutschländer bei der Produktion des Stückes für die Mendener Karnevals-Gesellschaft im Studio.

Werdohl - „Ich habe ja sonst keine Manschetten, vor vielen Menschen aufzutreten“, sagt Thomas Hagemann, aber am Donnerstag vor rund 1500 Zuschauern bei der Weiberfastnachts-Sause im Zelt vor dem Mendener Rathaus „war ich schon echt aufgeregt“. Seinen Karnevals-Hit „Nur aus Menden“ musste er auch prompt – nach etlichen „Zugabe“-Rufen – ein zweites Mal singen. Beteiligt an der Entstehung des Schlagers, der gerade um die ganze Welt geht, war auch Helmut Muhl aus der Karnevals-Diaspora Werdohl.

Thomas Hagemann ist Mitglied der Mendener Karnevals-Gesellschaft Kornblumenblau (MKG). Er schrieb den Song im vorigen Jahr. „Das Grundgerüst stand in einem Tag, aber das Feilen am Text war ein Prozess mit meinen Senatoren.“ Die Senatoren sind eine Musikgruppe der MKG, die Hagemann leitet und deren Vorsänger er ist.

Der Werdohler Muhl blickt zurück: „Mit dem Text und der Gitarrenmelodie kam Thomas Hagemann Anfang Dezember zu mir und Kai Deutschländer. Ich habe das Lied dann arrangiert. Und Kai hat es in seinem Studio in Balve mit mir eingespielt.“ Muhl gesteht: „Ich bin ja kein Karnevals-Freak. Aber am Tulpensonntag muss ich mir das mal vom Festzug-Wagen aus ansehen, wie der Song ankommt.“ Er wird also wohl am Karnevalssonntag nach Menden fahren, um dort ab 14 Uhr zu sehen, wie seine Arbeit dem Lied verhilft, „ein Gassenhauer zu werden“.

„Nur aus Menden“ singt Hagemann derzeit bei etlichen Karnevals-Veranstaltungen in der Karnevals-Hochburg an der Hönne. „Dadurch, dass das Ding so eingeschlagen ist, ist die Nachfrage nach den MKG-Senatoren sehr gestiegen“, freut sich der Sänger. „Momentan haben wir bis zu drei Auftritte am Tag.“ Dazu gehörte am Freitagabend auch die Herrensitzung im Zelt auf dem Neuen Rathausplatz. „Das Gefühl, vor so vielen Leuten im Zelt aufzutreten“, gesteht Hagemann, „ist schon irre. Das macht aber auch total Spaß.“

"Das wird ein Klopper!"

Muhl, der sich selbst als „künstlerischen Kopf“ hinter dem Karnevals-Schlager bezeichnet, hat am Computer die Drums, das Keyboard, die E-Gitarre und den Bass eingespielt. Bereits Mitte Dezember war das Lied fertig produziert. „Als ich den Text das erste Mal hörte, musste ich gleich an den Zwist zwischen Köln und Düsseldorf denken. Ich wusste sofort: Das wird ein Klopper.“

Der Song pflegt die – laut Hagemann – „freundschaftliche Feindschaft mit Hemer“, die die Mendener empfinden. Im Text kommen etliche Ortschaften in und um Menden vor, nur nicht das Dorf Lürbke. „Die haben sich dann bei mir beschwert, aber mir fiel einfach kein Reim auf Lürbke ein. Jetzt nehmen die Lürbker als Gartenzwerge verkleidet an unserem Tulpensonntagszug teil, weil sie den Zwergenaufstand machen. Lürbke hat ja nur rund 200 Einwohner.“

Hagemann freut sich sehr über den Erfolg seines Titels, der per WhatsApp und über das Internet schon rund um die Welt gegangen sei. „Jeder Mendener hat den Titel an Verwandte verschickt. Und ich bekomme jetzt Glückwunsch-Mails aus Australien, Laos und Mallorca“, sagte er. Der Texter, Komponist und Sänger wundert sich über gar nichts mehr. Auch Arrangeur Muhl bekommt die Wirkung des Stückes mit: „Ich werde an 1000 Ecken immer wieder darauf angesprochen.“

Song wird schon gecovert

Und nicht nur das: Aus anderen Orten kamen etliche Anfragen, ob die Jecken und Narren dort Grundidee und Melodie von „Nur aus Menden“ nutzen dürften. Hagemann freut sich: „Der Song wird mit anderen Texten jetzt schon hier und dort gecovert“, sagte er. Doch vor allen Dingen in Menden ist er in Jedermanns Ohr. Der Leiter der Senatoren berichtet: „Der wird sogar von den Mädchen und Jungen in den Kindergärten gesungen. Wenn wir im Zelt auftreten, sind wir alle immer noch überrascht: Jeder kennt den Text und singt mit.“

Kurz vor der Hochsaison der fünften Jahreszeit haben die MKG-Mitglieder mit Unterstützung einer Mendener Medien-Agentur in den vergangenen Wochen an drei Drehtagen zum Bekenntnis „Mein Schatz kommt nur aus Menden“ auch ein Video gedreht. Bis Freitagmittag wurde dies auf der Internetplattform Youtube bereits knapp 25 000 Mal aufgerufen. „Der Dreh war sehr lustig“, erinnert sich Hagemann. Von der knapp zwölfminütigen CD (auf der auch die Lieder „Mend’ner Mädels“ und „Teufelsturm“ von 2013 zu hören sind) seien bereits fast 1000 Stück verkauft – Tendenz steigend. Die Einnahmen des für 4 Euro angebotenen Silberlings gehen an die Hilfsorganisation Mendener in Not. Auch bei Amazon ist die CD zu bekommen, auch als Download.

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