Werdohler helfen Claudius Spelsberg

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Mit Alfred Konrad (Gitarre), Karl Neuhaus, dem achtjährigen Jannis Schupp (vorn) und Björn Wilke (alle drei Akkordeon) hat der Shanty-Chor jetzt vier Instrumentalisten in seinen Reihen.

Werdohl - Er war 21 Jahre jung, als das Unglück im Sommer 2014 während des Schützenfestes in Volkringhausen geschah. Seither ist Claudius Spelsberg querschnittgelähmt und damit auf den Rollstuhl angewiesen.

Aber nicht nur das: Sein gesamtes persönliches Umfeld musste und muss auf die neue Situation eingestellt werden – und das kostet Geld, viel Geld. Die Familie allein kann das nicht stemmen. Die Werdohlerin Sieglinde Mycer als Orts- und Kreisvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) begann deshalb gemeinsam mit einem engagierten Helferteam damit, eine Benefizveranstaltung zu organisieren und parallel dazu praktisch auf der Straße, in Geschäften, Firmen und bei Banken Geld zu sammeln.

Für den Verband, der sich im Interesse der Klienten in Rentenfragen einsetzt, im Schwerbehindertenrecht Hilfestellung leistet und Hartz- IV-Empfänger betreut, war es genau der richtige Ansatzpunkt, um möglichst wirksame Hilfe auf den Weg zu bringen. Der Shanty-Chor Werdohl und der Magier Hugo Trawny aus Altena hatten noch im alten Jahr die Anregung des SoVD aufgenommen und gaben Sieglinde Mycer die Zusage für den Auftritt während einer Benefizveranstaltung, die am vergangenen Freitag auch unter Teilnahme der Werdohler Bürgermeisterin Silvia Voßloh im großen Pfarrsaal St. Michael stattfand.

Zugegeben: Mit etwas mehr Resonanz hatte Sieglinde Mycer schon gerechnet, doch dass da einige Stühle leer blieben, war wohl der unsicheren Wetterlage geschuldet. 95 Gäste waren gekommen. Die Einnahmen hieraus und das Geld aus den gesammelten Spenden dürften dafür sorgen, dass im Laufe dieser Woche ein namhafter Betrag übergeben wird.

Und diejenigen, die das Geschehen auf der kleinen Bühne des Pfarrsaals verfolgt haben, dürften auch auf ihre Kosten gekommen sein. Immerhin hat der Shanty-Chor Werdohl unter der musikalischen Leitung von Karl Neuhaus einen sehr guten Ruf, der über die Stadtgrenzen hinausreicht.

Nachdem Sänger und Instrumentalisten mit einer Runde Schnaps auf Kosten des Hauses ihre Stimmbänder geölt hatten, gaben Werner Uhlemann mit dem obligatorischen Pfeifton und Dieter Eckardt an der Schiffsglocke den symbolischen Startschuss für einen in zwei Vorstellungsblöcke aufgeteilten Ausflug in seemanngeprägte Ohrwürmer – auch wenn Heinos „Karamba Karacho ein Whisky“ eher vom Schwung der Schunkler als von den Wellen getragen war. Der Ausflug durch „schäumende Wogen“ und natürlich „Rum fallera“ führte die 33 Kehlen auf der Bühne auch dorthin, wo der Seemann sich zu Hause fühlt – in einen der vielen Häfen. „Mine Heimat“ war zudem ein Lied, das einen örtlichen Bezug erhalten hatte, denn die letzte, von Gerd Sonneborn verfasste und angefügte Strophe war ein Bekenntnis zu Werdohl – eben auch „mine Heimat“, aber für alle.

Hugo Trawny – Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland – begeisterte sein Publikum anschließend mit Witz, Phantasie und Rätsel aufgebender Zauberei. Ob nun der ewig wiederkehrende Trick mit den roten oder gelben Tüchern, die plötzlich eine andere Farbe haben, die Geschichte mit dem Seil, das Knoten hat und dann auch wieder doch nicht oder die wundersame Geldvermehrung: Die Menschen im Saal bohrten ihre Blick in die Hände des Zauberers, ohne aber den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Sauerlands Antwort auf David Copperfield war geschickt genug, seine Tricks in die Sphären übersinnlicher Kräfte und geheimnisvoller Magie einzubetten. Und selbst wenn man glaubte, des Rätsels Lösung gefunden zu haben – am Ende stand der Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes mit leeren Händen da.

Von Rainer Kanbach

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