Werdohler päppeln Rauchschwalbe auf

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Mehr als 100 Fliegen hat Günter Westendorf in seinem Garten gefangen, um diese Rauchschwalbe zu füttern und aufzupäppeln. Die Mühe hat sich offenbar gelohnt: Der Werdohler und seine Frau Waltraud konnten zusehen, wie der Vogel wieder zu Kräften kam.

Werdohl - Unaufhörlich stromert Günter Westendorf durch den Garten hinter seinem Haus an der Feldstraße. Mit der Fliegenklatsche in der Hand geht er auf die Jagd nach Insekten – Futter für seine Rauchschwalbe.

Das Tier sitzt in einem alten Weidenkorb, der auf einem Staudenhalter steht, und zwitschert vergnügt vor sich hin. Tags zuvor war das noch ganz anders. Da fand Westendorf den Vogel auf dem Bürgersteig vor dem Haus. Der gefiederte kleine Kerl war sofort zutraulich, ließ sich in die Hand nehmen und in den Garten bringen.

Mehrfach war er dann scheinbar verschwunden, hatte sich aber offenbar immer nur versteckt. „Ich habe ihn nie fliegen sehen, immer nur laufen oder hoppeln“, bestätigt Westendorfs Gattin Waltraud, dass der Gast des Ehepaars nie weit weg gewesen sein kann. Ihr Mann berichtet weiter: „Heute früh war er dann ganz apathisch und abgemagert. Seither füttere ich ihn.“ Aus dem Internet weiß er, was eine Rauchschwalbe gerne mag – nämlich Fliegen, „bloß keine Maden oder Würmer“.

Am Tag vorher war der Vogel noch misstrauisch: „Ich hatte versucht, ihn zu füttern, aber das ging nicht“, sagt Günter Westendorf. „Ich kam nicht dran.“ Das hat sich komplett geändert. Der frisch gebackene Vogel-Vater beugt sich zu seinem Schützling runter, füttert ihn mit einer gerade gefangenen Fliege. Das Tier hat wieder einen gesunden Appetit. Dann streichelt er der Rauchschwalbe den Bauch. Die lässt sich das augenscheinlich gerne gefallen, schaut zu ihrem Fütterer hinauf. Schließlich streichelt Westendorf sogar den Rücken des Tieres.

Weit mehr als 100 Fliegen habe er seit morgens gefangen, sagt er. „Aber jetzt ist erstmal Schluss. Die nächste Mahlzeit bekommst Du in zwei Stunden“, sagt er zu dem Vogel. Die Schwalbe streckt das Köpfchen aus, reagiert ganz aufmerksam auf die Ansprache. Minuten später hält er ihm aber doch wieder frisches Futter entgegen. „Vor lauter Fliegen-Fangen bin ich heute Mittag gar nicht dazu gekommen, selbst etwas zu essen. Ich hatte keine Zeit.“ Eine lebende Fliege setzt sich auf seine Hand. Der Vogel versucht, danach zu picken, aber er ist noch zu langsam.

Die Mühe der Westendorfs hat sich offensichtlich gelohnt: „Man konnte richtig sehen, wie der kleine Kerl wieder zu Kräften kam.“ Der Vogel breitet nun seine Flügel aus. Es ist keine Verletzung zu erkennen. Der Appetit ist auch ungebrochen. Alles scheint in Ordnung. Die Schwalbe putzt sich jetzt selbst das Gefieder. Westendorf stellt klar: „Sie kann bei uns bleiben, so lange sie will.“

Seine Frau verrät: „Für die Nacht habe ich schon einen Wäschekorb bereit gestellt, davor machen wir ein Gitter, damit die Schwalbe geschützt ist vor Angriffen anderer Tiere.“ Das Kümmern um bedürftige Tiere hat Tradition in ihrer Familie. Die gebürtige Bayerin ist Jägerstochter. Ob Katze, Ente oder Grünfink, fast alles wurde von ihrer Hand bereits groß gezogen. Ihr Mann, gebürtig aus Kleinhammer, hat im Garten überall Hundefutter ausgelegt, um Fliegen anzulocken.

Er und seine Frau haben viel telefoniert in den vergangenen Stunden: „Der Tierarzt wollte nicht helfen, da es ein wildes Tier ist“, erklärt er. „Der Tierschutzverein meinte, das sei sowieso aussichtslos“, ergänzt sie. Unterdessen haben die Telefonate der Westendorfs gefruchtet: Sie haben in Lüdenscheid eine Expertin für die Aufzucht von Vögeln gefunden und ihr die Rauchschwalbe gebracht. - Von Michael Koll

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