Gewerbegebiet Kettling: Viele Probleme durch B236-Sperrung

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Natalie Baas von der Star-Tankstelle am Kettling hat nicht viel zu tun: Wegen der Straßensperrung Richtung Plettenberg kommen nur sehr wenige Kunden, Tankstelle und Shop schließen deshalb zwei Stunden früher als sonst.

Werdohl - Im Gewerbegebiet Kettling und entlang der Bundesstraße herrscht eine Stimmung wie beim autofreien Sonntag – nur das keine Menschen und keine Fahrräder auf der Straße zu sehen sind. Tankstelle und McDonalds leiden am meisten, die Autohändler haben einige logistische Probleme.

Natalie Baas hat sich ein Sitzkissen auf ein paar leere Getränkekisten gelegt und wartet im Schatten auf Kunden. Während die Mitarbeiterin der Star-Tankstelle sonst Kaffee, Brötchen und Benzin verkauft, herrscht die große Stille. Die Sperrung der Bundesstraße in Richtung Plettenberg sorgt für einen fast autofreien Kettling. Die Händler im Gewerbegebiet spüren das in unterschiedlichen Auswirkungen. 

Am schwersten betroffen sind das McDonalds-Restaurant und die Star-Tankstelle. Das Schnellrestaurant beklagt 40 Prozent Umsatzrückgang. „Wir haben bestimmt genauso viele Verluste“, schätzt Star-Mitarbeiterin Baas. Die Tankstelle macht jetzt schon um 20 Uhr dicht: „Es kommen längst nicht mehr so viele Kunden.“ 

Tankstelle lebt vom Durchgangsverkehr

Der Shop mit Snacks, Kaffee und Getränken leide genauso wie Spritverkauf und Waschstraße. Viele Kunden wüssten angesichts des Sperrschilds bei VDM nicht, dass die Zufahrt ins Gewerbegebiet frei sei. Die Tankstelle lebe sonst vom Durchgangsverkehr zwischen Werdohl und Plettenberg. Dankbar sei sie den Stammkunden, die im Gewerbegebiet arbeiten und morgens bei ihr anhielten. Ab fünf Uhr ist geöffnet, manche Betriebe fangen kurz danach an. Baas ist besorgt: „Wenn die Sperrung aufgehoben wird, fangen sie mit dem Kreisel zur Neuenrader Straße an. Wenn da auch komplett gesperrt wird, gibt es die Katastrophe.“ 

Weniger von der Sperrung als von der Jahreszeit betroffen ist die Spielhalle. Die Stammgäste kämen ohnehin mit dem Auto, aber Monatsende und Sommerferien sei immer eine schlechte Zeit fürs Geldspielgeschäft. 

Erhöhter logistischer Aufwand

Einen erhöhten logistischen Aufwand betreibt BMW-Serviceleiter Mike Baumgärtel. Den Kunden wird ein Hol- und Bringservice geboten, der erfordert jetzt Umwege und ein Mehr an Zeit und Geld. „Das ist ein enormer Kraftakt“, sagt er. Kunden, die nur etwas nachsehen lassen wollten, würden ihren Besuch verschieben. Für Kundschaft und Mitarbeiter aus Plettenberg sei der Aufwand erheblich größer geworden. 

Marisa Garcia Crespo ist Serviceassistentin bei Renault Wahl und wohnt in Plettenberg: „Sonst brauche ich zehn Minuten zur Arbeit, jetzt oft mehr als eine halbe Stunde.“ Bei Garantiearbeiten werde das Auto beim Kunden geholt, das erfordere mehr zeitlichen Aufwand. Ihr Kollege Marco Pohl ist skeptisch, schließlich gibt es in Plettenberg einen Mitbewerber: „Wir wissen nicht, wer an wen die Kunden verliert.“ 

Plettenberger Kunden bleiben weg

Große Einbußen hat Botho Nipkow von J+B Leuchten, wegen Umbaus gibt er gerade Rabatte. Die Plettenberger Kunden blieben einfach weg. Nipkow: „Die Straße ist für mich die beste Werbung, aber da fährt ja gerade niemand.“ Laufkundschaft bliebe deshalb komplett aus. 

Verkaufsleiter Sebastian Kray von Skoda Schauerte steht an der quasi autofreien B 236, an der das Autohaus Fahrzeuge präsentiert.

Kawasaki-Zweiradhändler Michael Lenze hat mit der Sperrung ein besonderes Problem: „Ich kann keine Probefahrten bei Tempo 100 machen.“ Die Kunden würden allerdings den Weg zu ihm finden: „Als Motorradfahrer hat man gern ein Ziel, wo man hinfahren kann.“ Das erhofft er sich auch für das Fest am 14. September. Die Motorradsaison sei ohnehin größtenteils gelaufen. 

Spediteur will keinen Umweg fahren

Skoda-Verkaufsleiter Sebastian Kray von Firma Schauerte hat wieder andere Sorgen: Der logistische Austausch zwischen den Häusern in Werdohl und Plettenberg sei durch die Sperrung viel aufwendiger geworden. „Neulich hatten wir hier vom Spediteur zwölf neue Volkswagen stehen, die nach Plettenberg mussten. Der Autotransporter wollte aber keinen Umweg mehr über den Berg fahren.“ Jeder einzelne Wagen musste per Lkw nach Plettenberg gebracht werden. Umsatzeinbußen kann Kray nicht beziffern, er spricht wohl aber von einem erhöhten Aufwand für Kunden und Mitarbeiter. 

Die Präsentation neuer Modelle und Gebrauchtwagen direkt an der Straße sei wichtig, dort komme allerdings kaum jemand mehr vorbei. „Spontanes Anhalten und sich ein Fahrzeug anschauen“ gehöre zum Marketing. Gerade am Ende des Kettlings sei der Autoverkehr am Tage auf „vielleicht fünf Prozent“ geschrumpft. Vorher habe man vom Firmengelände vor lauter Verkehr kaum auf die Bundesstraße abbiegen können, heute könne man dort gefahrlos herumlaufen.

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