Zwei Feiern an einem Tag

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Die Zwillingsbrüder Stefan (links) und Christian Konitzer haben am 24. Dezember 1982 das Licht der Welt erblickt. Ihren Geburtstag feiern sie seit einigen Jahren zusammen mit Freunden bei einem Frühschoppen – und Weihnachten abends mit der Familie.

Werdohl - „Frohe Weihnachten“ statt „Happy Birthday“. Menschen, die an Weihnachten oder zum Jahreswechsel Geburtstag haben, leiden oft darunter. Doch das sind keine Einzelschicksale. In Werdohl leben derzeit 117 Menschen, die zwischen dem 24. und 26. Dezember Geburtstag haben. Christian und Stefan Konitzer sowie Alicia Gomez Muñoz wissen, was das bedeutet.

„Man gewöhnt sich daran“, beschreibt Alicia Gomez Muñoz ihren Geburtstag am 24. Dezember mit einem Augenzwinkern. Die gebürtige Werdohlerin mit spanischen Wurzeln wird heute 28 Jahre alt – am Heiligen Abend. „Positiv ist, dass die Familie immer da ist“, sagt sie. Dennoch: Vor allem in der Kindheit habe sie sich öfter mal eine richtige Geburtstagsfeier gewünscht. „Es war schon manchmal blöd, dass die Freunde immer feiern konnten und ich nicht.“ 

Alicia Gomez Muñoz’ Geburtstag war immer ein großes Familienfest – die Feier des Heiligabends stand dabei jedoch im Fokus. „Das hat sich einfach so ergeben und man lebt damit“, sagt sie trocken, aber zufrieden. Dieses Jahr habe sie sich ohnehin vorgenommen, ihren Geburtstag einfach mal mit Freunden nachzufeiern. Das habe sie in all den Jahren nämlich nie getan. 

Alicia Gomez Muñoz wird heute 28 Jahre alt. Mit der Tatsache, dass ihr Geburtstag immer im Schatten des Weihnachtsfestes steht, hat sie sich abgefunden.

Alicia Gomez Muñoz lebt derzeit in Lüdenscheid: „Ich bin wegen der Arbeit hergezogen, möchte aber wieder zurück nach Werdohl – zur Familie“, sagt die Köchin, die im Johanniter-Stift Oeneking arbeitet. 
 
Weihnachtlich angehaucht ist ihre Geschichte nicht nur wegen des Geburtstages am Heiligabend: „Meine Eltern heißen Juan-José – zu deutsch Josef – und Maria“, erzählt sie und muss ein wenig schmunzeln. „In der Schule gab es damals viele Reaktionen. Eigentlich habe ich mir über das ganze Jahr was anhören dürfen – so war ich oft Gesprächsthema Nummer eins.“ Oftmals hätten ihre Mitschüler sie Jesus genannt – Alicia sah das aber stets gelassen: „Das ist okay, immerhin ist es ja auch ein spanischer Name.“

Ein doppelter Geburtstag ist in der Familie Konitzer zu feiern – in diesem Jahr zum 34. mal. Denn die Zwillingsbrüder Christian und Stefan haben am 24. Dezember 1982 in Werdohl das Licht der Welt erblickt. Ihren Geburtstag haben beide praktisch ihr ganzes Leben lang nur tagsüber gefeiert. „Abends ging unser Geburtstag oft unter, weil dann alle in Weihnachtsstimmung waren“, erinnert sich Christian Konitzer an seine Kindergeburtstage. Auch deshalb war eine Geburtstagsparty mit Freunden nie drin. 

Dazu kam es erst, als die Brüder endlich volljährig waren, aber die Schwerpunkte mit der Geburtstagsfeier am Vormittag und der weihnachtlichen Familienfeier am Abend sind geblieben. „Mittlerweile gibt es meistens einen Frühschoppen in einer Kneipe“, haben sich die Konitzer-Zwillinge mit der Situation arrangiert. So soll das auch in diesem Jahr wieder ablaufen: Morgens wird mit Freunden auf den Geburtstag angestoßen, abends steht das Kaninchenessen mit den Familien auf dem Programm. 

An einen Geburtstag können sich Stefan und Christian Konitzer übrigens noch besonders gut erinnern. 2012 wurde kräftig in den Geburtstag hineingefeiert. Und weil beide Brüder 30 Jahre alt wurden, aber noch unverheiratet waren, hätten sie nach altem Brauch eigentlich die Rathaustreppe fegen müssen, bis sie von einem Mädchen durch einen Kuss erlöst werden. „Aber dazu hatte nach der rauschenden Party keiner von unseren Freunden mehr Lust“, lachen die Zwillingsbrüder, wenn sie an diese Begebenheit zurückdenken.

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