Werdohler Fahrettin Alptekin als Gast bei umstrittener Ditib-Konferenz

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Am zweiten Treffen europäischer Muslime in der vergangenen Woche in Köln-Ehrenfeld nahmen nach Angaben des Watchblogs Islamism Map auch vermeintliche Vertreter der Muslimbruderschaft aus Deutschland, Irland und den Niederlanden teil. Auf dem Foto sind Hussein Halawa aus Irland (links) und Khaled Hanafy aus Deutschland (dritter von rechts) zu sehen. In der Mitte sitzt Ditib-Präsident Ali Erbas. Ein Ditib-Sprecher räumte erst auf Nachfrage ein, dass Halawa und Hanafy dabei waren

Werdohl -  Fahrettin Alptekin aus Werdohl war als einer von 100 Delegierten aus 17 Ländern zum dreitägigen Treffen europäischer Muslime der Ditib in Köln eingeladen.

Gegenüber unserer Zeitung erklärte er, dass er lediglich als Gast die Präsentation der Abschluss-Deklaration von Diyanet-Präsident Ali Erbas am vergangenen Freitag besucht habe. 

Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf den „Kölner Stadtanzeiger“ über Verbindungen der vom türkischen Staat gesteuerten Ditib mit der als verfassungsfeindlich geltenden arabischen Muslimbruderschaft. An der Konferenz in Köln nahmen Islamisten von Organisationen teil, die der Muslimbruderschaft nahestehen. Der Watchblog „Islamism Map.de“ zählte bei Twitter folgende Teilnehmer auf: Khaled Hanafy und Ibrahim El-Zayat aus Deutschland, Hussein Halawa aus Irland und Jacob van der Blom aus den Niederlanden. Erst auf Nachfrage bestätigte ein Ditib-Sprecher die Teilnahme von zwei der genannten Teilnehmer. 

Von alledem nichts gewusst?

Fahrettin Alptekin erklärt, von alledem nichts gewusst zu haben und distanziert sich von jeglichem Radikalismus. Der Werdohler mit türkischem Pass ist seit mehreren Jahren Vorsitzender des Werdohler Ditib-Moscheevereins und als einer von mehreren Regionalvorsitzenden für den Bezirk Essen für rund 80 Moscheevereine im Ruhrgebiet verantwortlich. 

Das Foto seines Teilnehmerschildes bei der Konferenz, das er auf Facebook postete und das mehr als 100 Mal geliked wurde, hat er wieder gelöscht. 

Fahrettin Alptekin, Vorsitzender des Werdohler Ditib-Moscheevereins.

Nachfolgend veröffentlichen wir ein Interview mit Fahrettin Alptekin: 

Herr Alptekin, Sie waren am 4. Januar Teilnehmer der II. Konferenz europäischer Muslime in Köln in der Ditib-Moschee in Ehrenfeld. Warum sind Sie als einer von 100 europäischen Muslimen aus 17 Ländern dazu eingeladen worden, welche Funktionen haben Sie bei der Ditib? 

Fahrettin Alptekin: Ich bin Regional-Vorsitzender der Ditib in der Ditib-Essen und in dieser Funktion sowohl zur Konferenz als auch zur Ditib-Mitgliederversammlung am 4. Januar eingeladen gewesen. Ich habe an der Konferenz selber nicht teilgenommen, war am 4. Januar jedoch wegen der Mitgliederversammlung, bei der ich auch Delegierter bin, in meiner Funktion als Vorsitzender anwesend. Bei dieser Gelegenheit habe ich mir allerdings gerne die Abschluss-Deklaration der Konferenz angehört. 

Wie kann man sich als Nicht-Muslim eine solche Konferenz vorstellen? Haben Sie Vorträge gehört oder an Arbeitsgruppen teilgenommen? Wenn ja, welche Arbeitsgruppen waren es?

Alptekin: Wie bereits oben dargestellt, habe ich an der eigentlichen Konferenz nicht teilgenommen. Daher kann ich diese Frage auch nicht beantworten. 

Medienberichten zu Folge haben an der Konferenz auch zwei Führer der vom Verfassungsschutz beobachteten radikalen Muslimbruderschaft teilgenommen, Khaled Hanafy und Hussein Halawa. War Ihnen die Teilnahme dieser beiden Männer im Vorfeld bekannt? Haben Sie die beiden auf der Konferenz gesehen? Wie haben Sie die beiden erlebt? 

Alptekin: Da ich an der Konferenz nicht teilgenommen habe, habe ich auch keinen persönlichen Kontakt zu den benannten Personen gehabt. Daher steht es mir nicht zu, bezüglich meiner Wahrnehmung über sie etwas zu sagen. Ich kenne die besagten Personen auch sonst nicht und mir ist ebenfalls auch nicht bekannt, ob und weshalb sie vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Gleichwohl haben wir als Vertreter von Muslimen in Deutschland immer wieder Kontakt zu vielen anderen Vertretern auch von Verbänden, deren Mitglieder zum Teil beobachtet werden können. Hierbei muss man auch immer unterscheiden, dass keine Extremisten unter diesen Personen sind, worauf wir immer bedacht sind. Bezüglich der genannten Personen kann ich hierzu leider keine näheren Angaben machen. Ich habe den Teil auch nur aus der Presse gelesen. Am nächsten Tag hat es mich auch verärgert, wenn die Personen wirklich so wie geschildert sind! 

Ende November 2018 ist der gesamte Ditib-Landesvorstand für Niedersachsen und Bremen zurückgetreten. Der ehemalige Vorsitzende Yilmaz Kiliç sagte, das Vertrauen zum Ditib-Bundesverband sei nachhaltig gestört. Wie stehen Sie zu Ihrer Kölner Verbands-Spitze vor dem Hintergrund der Konferenz in Köln?

Alptekin: Sie können zu diesem Thema vielleicht lieber mit Herrn Kiliç sprechen, ich kann leider nicht für ihn sprechen. Ich bin Funktionär und gewählter Regional-Vorsitzender der Ditib und führe diese Aufgabe auch gerne aus. Das bedeutet nicht, dass ich mit allen Entscheidungen und Aktionen des Bundesverbandes oder auch der ein oder anderen Moscheegemeinde zu 100 Prozent übereinstimme. Ich sage meine Meinung und bringe mich aktiv ein, auch wenn dies Kritik bedeutet. Ich kann allerdings nicht erwarten, dass auch alle meiner Meinung folgen. Bezüglich der Konferenz kann ich jedoch nicht mehr dazu sagen, weil ich die Hintergründe dazu nicht näher kenne. Meines Erachtens erhöhen die Meinungsunterschiede in jeder Institution den Reichtum der Institution und sorgen für Selbstverbesserung.

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