Andreas Trebbin auf Zeitreise

Ausbildung im Römermuseum: Wie ein Werdohler zum echten Legionär wird

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Stramm stehen: Das Stehen als Legionär will gelernt sein.

Werdohl – Alles ist echt: Stiefel, Tunika, Umgebung: Andreas Trebbin aus Werdohl wird Legionär. Und hat als Römer einen großen Auftritt.

„Das erste, was ein Legionär lernen musste, war das Marschieren.“ So steht es in vielen Geschichtsbüchern geschrieben. Folglich hat auch Rekrut Andreas Trebbin schon geübt, sich geordnet in der geschlossenen Gruppe zu bewegen. 

Allerdings: Blasenbedeckte oder gar blutende Füße nach einem 30-Kilometer-Marsch in den ledernen Caligae, den Marschstiefeln des römischen Militärs, bleiben dem Werdohler wohl erspart. Im Gegenteil: Die Ausbildung zum Soldaten im LWL-Römermuseum in Haltern am See macht dem 53-Jährigen sichtlich Spaß. 

Vor sechs Jahren landete der Werdohler zufällig während einer Motorradtour im Römermuseum an der Grenze zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. „Zu diesem Zeitpunkt fanden dort gerade die Römertage statt. Ich war total beeindruckt“, erinnert sich der 53-Jährige, der schon immer großes Interesse an dieser Epoche hatte.

Unter mehr als 70 Bewerbern ausgewählt

Seither hat Trebbin das Museum nicht mehr aus den Augen verloren. „Und als ich im vergangenen Jahr den Aufruf im Radio hörte, war mir sofort klar, dass ich dabei sein möchte“, stellt er fest. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Museums wurden unter dem Motto „Römer für Aliso“ Männer gesucht, die sich im ehemalige Römerlager zum Legionär ausbilden lassen wollen.

Andreas Trebbin bewarb sich im Internet – und hatte Glück. Er wurde mit 22 anderen Männern und zwei Frauen, die als Römerinnen auftreten sollen, unter mehr als 70 Bewerbern ausgewählt. „Anfang Dezember haben wir uns zum ersten Mal am Wochenende getroffen“, erzählt der Werdohler. 

Selbstgemacht: Die Legionäre und Römerinnen wie Andreas Trebbin (Mitte) machen ihre Ausrüstung selbst.

Jeweils samstags und sonntags – inzwischen bereits zum vierten Mal – bereiten sich die 18- bis 62-jährigen Legionärsanwärter in Haltern auf ihre Zeitreise vor. „Wir stellen unsere Ausrüstung selbst her“, erzählt Andreas Trebbin. So habe er bereits seine Untertunika aus Leinen genäht – natürlich unter fachmännischer Anleitung, damit alles so authentisch wie möglich wird. 

Damit das gelinge, stellt das Museum nicht nur die Fachleute, sondern auch sämtliche Materialien zur Verfügung. Auch den Wollstoff für die Obertunika. „Die ist nicht knallrot wie in den typischen Römerfilmen“, stellt der Rekrut fest. Welche Farbe sein Umhang haben wird, möchte er noch nicht preisgeben. „Es gab dunkelrote, grau-grüne und sogar weiße Tuniken. Und manche waren total geflickt, denn die Legionäre mussten ihre Ausrüstung selbst bezahlen“, weiß Trebbin. 

„Das Schöne ist, dass wir auch viel über die Geschichte lernen, um uns möglichst korrekt verhalten zu können.“ Ist die Obertunika fertig geschneidert, müssen die künftigen Legionäre für ihre Caligae sorgen. „Das Leder für die Marschstiefel haben wir schon ausgeschnitten, aber das Zusammennähen wird noch ein Abenteuer“, sagt der Werdohler und freut sich auf diese Herausforderung. 

Ende März erfolgt die Aufnahme in die Legion

Die Ausbildung im Kreis der Gleichgesinnten sei eine ganz besondere Erfahrung. „Wir verstehen uns sehr gut und ich freue mich jedes Mal auf das nächste Treffen.“ Allerdings: Trödeln dürfen die Rekruten nicht, und auch Heimarbeit steht auf dem Programm. Denn bis zum 31. März muss zumindest ein Teil der Ausrüstung – darunter auch die Schutzwaffe, das Scutum – fertig gestellt sein. 

„An diesem Tag werden wir offiziell in die Legion aufgenommen“, erzählt Trebbin. Dann Sonntag soll vor dem Museum in Haltern ein Römer-Zeltlager errichtet werden. „Wir erhalten dann auch unsere römischen Namen.“ Zuschauer sind bei dem besonderen Ereignis von 10 und 18 Uhr in Haltern willkommen sin

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