Die Werdohler Drogenszene ist überschaubar

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Marlen Emmerich und Daniel Kämmer sind in der Drogenberatungsstelle Werdohl an der Goethestraße die Ansprechpartner für Drogenkonsumenten oder deren Angehörige.

Werdohl - „Nein, Drogentote kommen bei uns kaum noch vor“, sagt Stefan Tertel, Geschäftsführer der Anonymen Drogenberatung (Drobs) im Märkischen Kreis. Werdohl ist eben keine Großstadt.

Zu tun hat er mit seinem Team trotzdem genug. 

Allein in Werdohl hat die Drobs im vergangenen Jahr 35 Beratungskontakte mit Drogenkonsumenten gehabt. Die Zeit, dass sich Junkies auf Bahnhofstoiletten oder an anderen öffentlich zugänglichen Stellen den goldenen Schuss gesetzt haben, ist nach Tertels Worten weitgehend vorbei. „Das war oft eine Folge des intravenösen Drogenskonsums“, erklärt er. 

Der spiele aber heute nicht mehr eine so große Rolle. „Das hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend geändert“, weiß der Drobs-Geschäftsführer. Auch die Substitutionspraxis, also die Versorgung insbesondere von Heroin- und Opiatkonsumenten mit legalen Ersatzstoffen mit dem Ziel, den Abhängigen einen Einstieg in ein drogenfreies Leben zu ermöglichen, habe dazu beigetragen, ergänzt Daniel Kämmer, der als Sozialarbeiter seit 2013 bei der Drobs in Werdohl tätig ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Drogenberater nun weniger Arbeit haben. 

Sie beraten Rauschgiftkonsumenten, mit denen sie in Kontakt kommen, verhelfen ihnen zu einem Platz in einer stationären Entgiftung, bieten psychologische Betreuungsmaßnahmen an. Das Aufgabenspektum der Drogenberater hat sich dabei in den vergangenen Jahren genauso verändert wie das Konsumverhalten ihrer Klienten. Während Opiate vor allem von Altkonsumenten jenseits der 30 Jahre genommen würden, seien bei der jüngeren Generation der Drogenkonsumenten Cannabis, also Marihuana oder Haschisch, oder synthetische Drogen die Favoriten, berichtet Kämmer. 

Problem, an Konsumenten von synthetischen Drogen heranzukommen

„Vor allem an die synthetischen Substanzen ist ja auch leicht heranzukommen“, weiß der 32-Jährige, dass diese Designerdrogen wie Ecstasy oder Speed, preiswert im Labor hergestellt werden können und deshalb in großen Mengen zu reativ kleinen Preisen auf den Markt gebracht werden. Für die Drobs sei es ein Problem, an diese jungen Drogenkonsumenten heranzukommen, sagt Stefan Tertel. „Weil sie synthetische Drogen nehmen, sehen sie sich nicht als Junkies und deshalb gehen sie auch nicht zur Drogenberatung.“ 

Die Drobs versuche deshalb, sie durch andere Angebote zu erreichen, beispielsweise durch das Projekt „JoKer“ („Jugend ohne Konsum erleben“). Diese Jugendsprechstunde, die seit gut einem Jahr bewusst aus den Räumen der Drobs ausgegliedert worden ist, richtet sich an junge Menschen bis 21 Jahre, die illegale Drogen konsumieren oder konsumiert haben. Sie findet immer dienstags von 16 bis 19 Uhr im Iserlohner Kinder- und Jugendzentrum am Karnacksweg statt. Darüber hinaus bietet die Drobs immer wieder Präventionsveranstaltungen an. 

Das Angebot reicht hier von dem Programm „Papilio“, in dem Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten entsprechend geschult werden, über „Klasse 2000“, ein Programm zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung in der Grundschule, bis zu „FreD-Kursen“, die sich an erstauffällige Drogenkonsumente im Alter von 16 bis 21 Jahren wenden. Und wie steht es um die Drogenszene in Werdohl? Unterm Strich, sagt Stefan Tertel und gibt damit die Erfahrung der Drogenberater wieder, entspreche das Bild in Werdohl der Situation im gesamten Land. „Die offene Szene ist allerdings überschaubar“, erklärt der Drobs-Geschäftsführer. 

Brennpunkte auch in Werdohl

Werdohler Drogenkonsumenten führen lieber in die größeren Städte wie Iserlohn, Hagen oder Dortmund. Dennoch gibt es nach Worten von Daniel Kämmer so etwas wie Brennpunkte, an denen auch in Werdohl öffentlich Drogen konsumiert würden. Die Lennepromenade gehöre dazu und der Ludwig-Grimm-Park. Am Pungelscheider Berg, wo eine Zeit lang auch Spritzen in der Nähe des Awo-Kindergartens gefunden worden sind, sei die Situation dagegen derzeit „relativ entspannt“, meint der Sozialarbeiter. 

Dass Drogenkonsumenten in Werdohl durch Rauschgift zu Tode kommen, sei äußerst selten, sagen die Drogenberater. Meistens befänden sie sich dann in größeren Städten, manchmal auch in Krankenhäusern außerhalb, weshalb sie dann in Werdohl in keiner Drobs-Statistik auftauchen. Immer wieder einmal geraten Drogenkonsumenten auch mit dem Gesetz in Konflikt. Darüber gibt die polizeiliche Kriminalitätsstatistik Auskunft. 

Daraus geht hervor, dass die Anzahl der Rauschgiftdelikte in Werdohl relativ konstant und die Aufklärungsquote ziemlich hoch ist. Durchschnittlich 43 Fälle pro Jahr listet die Statistik seit 2010 auf. Die Straftaten reichen vom Drogenhandel über illegalen Drogenbesitz bis zum Diebstahl oder Einbruch mit dem Ziel, an Geld für die Drogenbeschaffung zu kommen. Neun von zehn Fällen kann die Polizei aufklären.

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