Werdohler rückt TV-Stars ins richtige Licht

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Dennis Muhl setzt TV-Stars ins richtige Licht.

Werdohl - Dennis Muhl ist mit Joko und Klaas unterwegs, trinkt mit Mark Forster ein Bier und setzt Heidi Klum ins rechte Licht: Der Werdohler (35) hat es mit einem besonderen Job  zum Fernsehen geschafft.

Dennis Muhl hat einen Job, den viele gar nicht kennen. Kein Wunder. „Als ich die Ausbildung im Parktheater in Iserlohn begonnen habe, gab es den Beruf erst im zweiten Jahr“, sagt der 35-Jährige aus Werdohl und lacht. Seine Berufsbezeichnung: Fachkraft für Veranstaltungstechnik. 

Durch Fleiß und vor allem Glück – „Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ – landete Muhl mit dieser Ausbildung beim Fernsehen. Denn im Bereich der Veranstaltungstechnik hat er sich spezialisiert. Der Werdohler arbeitet als Lichtdesigner und Videooperator. 

Heißt: Der Designer plant Beleuchtungs- und Videokonzepte für TV-Sendungen. Und er sitzt während der Aufzeichnungen oder Live-Shows an den Reglern und setzt Protagonisten und Bühnen ins richtige Licht. Und er garantiert einen reibungslosen Ablauf. 

Traumjob mit Wermutstropfen

Muhl ist ein sehr gefragter Fachmann. „Im Fernseh-Bereich bin ich einer von nur drei oder vier Kollegen, die das  Videooperating können.“ Folglich kommt gerade einmal ein Prozent seiner Aufträge aus der Industrie, ansonsten ist Muhl für TV-Formate in ganz Deutschland unterwegs. „Für mich ist das ein Traumjob, aber Freundschaften zu pflegen ist ganz schwierig.“ 

Denn der Mittdreißiger ist beinahe ständig auf Achse. Für „Voice of Germany“ in Berlin, mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in München, bei den „Ninja Warriors“ in Karlsruhe, bei „Dancing on Ice“ in Köln, für die Trampolin-Show „Big Bounce“ in den Niederlanden. Mit Stefan Raab hat er früher lange für „TV Total“ gearbeitet. 

Für die Castingshow „X-Faktor“ war er 2013 sogar im Libanon. „Da war es dann aber mal kein Traumjob“, räumt Muhl ein. „Beirut ist einfach ein Krisengebiet. Nachts habe ich vom Hotelzimmer aus Schüsse gehört. Und kurz nach unserer Abreise hat es dort richtig geknallt“, erinnert sich der gebürtige Lüdenscheider, der in Werdohl aufwuchs und nun mit seiner Frau und zwei Kindern (drei und sieben Jahre) in Pungelscheid lebt. „Wir sind die Innenarchitekten dieser Shows“, sagt Muhl über seinen Job. „Ich bin verantwortlich für die Emotionen auf dem Bildschirm.“ 

Bei Germany's Next Topmodel von Anfang an dabei

Diese bringt er für fast alle Shows und beinahe sämtliche Sender auf den Bildschirm. „Die Beschäftigten sind immer wieder dieselben. Das ist eine ganz kleine Familie“, stellt er fest – und genießt es, ein Teil dieser Familie zu sein. „Vor einigen Jahren hat er bei einer Galaveranstaltung in der Westfalenhalle für das richtige Licht gesorgt und lernte dort jemanden aus der Branche kennen. So bekam Muhl den Fuß in die Tür. Als „Germany’s Next Topmodel“ vor 13 Jahren erstmals gesucht wurde, war Dennis Muhl dabei. 

Seit der vierten Staffeln von „Deutschland sucht den Superstar“ sorgt der Werdohler dafür, dass die Kandidaten in den Liveshows im rechten Licht stehen. Und dank „The Voice of Germany“ steht er abends auch schonmal mit Mark Forster an der Hotelbar. Freundschaften entstünden dabei jedoch nicht, sagt der 35-Jährige. „Ich mache nie ein Foto mit den Stars, Moderatoren oder Künstlern. Weder für mich noch für andere habe ich jemals bei der Arbeit jemanden um ein Autogramm gebeten.“ Und doch bleibe er Fan. „Manchmal schaue ich mir Shows, die ich gemacht habe, hinterher nochmal im Fernsehen an – auch wenn ich schon weiß, was passiert.“ 

Kuchenspenderin statt Zicke

Die Erfahrungen, die er bei seiner Arbeit macht, sind sehr unterschiedlich. Da gebe es Komiker, die sich privat als Unsympath entpuppen. Und es gebe Moderatorinnen, die mit Kuchen bei den Dreharbeiten auftauchen – und die Muhl vorher „eigentlich für eine unerträgliche Zicke“ hielt. All diese Leute sind seine Kollegen. „Man hat bei der Arbeit ständig wichtige Leute um sich herum, die alle immer irgendwas von mir wollen. Und in meinem Alltag muss alles schnell gehen.“ 

Diesen Stress halten nicht alle aus. Er habe schon häufiger beobachtet, wie jemand „heulend das Fernsehstudio verlassen hat“. In diesem Arbeitsumfeld „wird halt häufig auch mal gebrüllt“, sagt der Werdohler. Glanz und Glamour erlebt Muhl nur in geringem Maße. 

60 Prozent seiner Arbeit findet am Schreibtisch und Telefon statt: planen, programmieren, mit den Bühnenbauern alles abstimmen. Die restlichen 40 Prozent ist er im TV-Studio. Dennis Muhl ist beschäftigt bei "mdc licht.gestalten." mit Geschäftsführer Manuel da Costa in Mettmann. 

Viele Berufskollegen sind Singles

Bis zur zehnten Klasse besuchte er die Albert-Einstein-Gesamtschule. Danach kam die Ausbildung am Parktheater, viel hat er sich auch selbst angeeignet. „Ich bilde mich auch heute noch ständig weiter“, sagt er und ist sich darüber im Klaren, „wie dankbar ich meiner Frau dafür sein kann, dass sie mir Rückhalt gibt“. Viele seiner Arbeitskollegen seien Singles, nicht unbedingt freiwillig. 

Wenn er zur Arbeit geht, weiß Muhl nie, wann er Feierabend hat. Jedem, der mit Licht und Video arbeiten will, rät er „zu einer klassischen Ausbildung“ – und zu Bescheidenheit: „Nicht jeder landet beim Fernsehen. Da kommt man schwer rein. Man sollte nicht gleich Großes erwarten.“ 

Dschungel ist auch Dschungel

Zurückhaltend ist Muhl auch in anderer Hinsicht. Vor die Kamera zieht es ihn nicht. Einen Eindruck von der Arbeit im Rampenlicht hat er aber natürlich bekommen – und ist überzeugt: „Ich glaube, bei den Shows ist alles echt.“ Er habe nicht den Eindruck, dass bei Casting-Formaten schon vorher feststeht, wer gewinnt. Muhl fügt grinsend hinzu: „Der Dschungel ist übrigens tatsächlich in Australien und nicht in einem Berliner Studio, wie manche behaupten

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