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Werdohler demonstrieren gegen Förderstopp für Sprach-Kitas

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Von: Carla Witt

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Demonstrieren wie die Großen: Mit Trillerpfeifen sorgten diese Kinder dafür, dass alle Fußgänger auf ihr Anliegen aufmerksam wurden. Die Erzieherinnen und Erzieher hatten ihnen zuvor genau erklärt, warum sie sich auf dem Brüninghaus-Platz versammeln.
Demonstrieren wie die Großen: Mit Trillerpfeifen sorgten diese Kinder dafür, dass alle Fußgänger auf ihr Anliegen aufmerksam wurden. Die Erzieherinnen und Erzieher hatten ihnen zuvor genau erklärt, warum sie sich auf dem Brüninghaus-Platz versammeln. © Carla Witt

Auf dem Brüninghaus-Platz in Werdohl haben am Mittwochmorgen viele Erzieherinnen und Erzieher, aber auch Kinder und Eltern für den Erhalt der sogenannten Sprach-Kitas demonstriert, in denen die alltagsintegrierte sprachliche Bildung ein fester Bestandteil in der Kindertagesbetreuung ist. Um die Finanzierung der Sprach-Kitas ist ein Streit zwischen Bund und Ländern entbrannt. Auch in Werdohl sind Einrichtungen von der Streichung der Fördermittel bedroht.

Werdohl ‒ „Wisst Ihr eigentlich, wie großartig Ihr seid? Und dass ich mächtig stolz auf Euch bin?“ Bürgermeister Andreas Spräinghaus war sichtlich begeistert: Mehr als 250 Mädchen und Jungen aus fünf Werdohler Kindertagesstätten, Erzieherinnen und Erzieher sowie einige Eltern hatten sich am Mittwochmorgen auf dem Brüninghaus-Platz versammelt. Gemeinsam demonstrieren sie lautstark für den Erhalt der Sprach-Kitas.

Nachdem bekannt geworden war, dass das Bundesprogramm enden soll, war die Teilnahme am bundesweiten Aktionstag für die Werdohler Sprach-Kitas beschlossene Sache. Der Bürgermeister schlug Anfang dieses Monats spontan eine „Demo auf dem Brüninghaus-Platz“ vor. Birgit Nörthemann, Leiterin der Sprach-Kita Wunderkiste, Sabine Schöbel, die als Fachkraft für die Umsetzung des Programms an der Schulstraße verantwortlich ist, und Jugendamtsleiter Michael Thomas-Lienkämper waren begeistert. Nörthemann trommelte für die Aktion – und konnte neben den beiden anderen städtischen Kitas Wunderkiste und Budenzauber auch die Leiterinnen der evangelischen Einrichtungen Sternschnuppe und Arche Noah mit ins Boot holen.

Die Kinder, die Plakate in die Höhe hielten, wussten ganz genau, worum es ging. Sie machten mit den Erwachsenen lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam: „Sprachkita, Sprachkita ...“, schallte es über den Platz, dann waren wieder Trillerpfeifen und Rasseln zu hören.

„Streichung wäre eine Katastrophe“

Als der Bürgermeister ans Mikrofon trat, wurde es ruhig. Nach seinem Lob für die jungen Demonstranten, erklärte er, warum die Sprach-Kitas so wichtig seien: „Eine Streichung des Programms ist eine Katastrophe für die alltagsintegrierte sprachliche Bildung. Inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien sind elementar und die Gefahr ist groß, dass am Ende das große Ziel verloren geht, alle Kinder in die Sprache zu bringen, um ihnen bessere Lernchancen zu ermöglichen.“

Für viele Kinder sei die Kita ein Ort für Begegnungen, ein Ort zum Lernen und ein Ort zum Spielen. „Für viele Kinder ist ,ihre‘ Kindertagesstätte auch ein zweites Zuhause“, unterstrich Späinghaus. Das Programm müsse auch aus diesem Grund unbedingt fortgesetzt werden. Das betont auch die heimische Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk. Die SPD-Politikerin hatte schriftlich mitgeteilt, aufgrund der Sitzungswoche des Bundestags in Berlin bleiben zu müssen, bedankte sich aber bei allen Teilnehmern des Aktionstages.

Es geht nicht nur um Sprache

Sichtlich bewegt war Sprach-Kita Fachkraft Sabine Schöbel, als sie ans Mikrofon trat: „Es rührt mich total an, dass Ihr alle hier seid und mit für unser Programm kämpft.“ Sie sei mit ihrem Spruch „...weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ sicher dem einen oder anderen „manchmal ganz schön auf den Keks gegangen“, stellte sie fest. „Aber ich weiß, dass es sich bisher auf jeden Fall gelohnt hat.“ Auch gehe es längst nicht „nur um Sprache“. „Auch die Familienstärkung und die Inklusion sind wichtige Pfeiler unseres Programms.“

Eva Rahm, Sprach-Kita-Fachberaterin der Stadt Lüdenscheid, schloss sich ihren Worten an. Sie forderte kleinen und große Demonstranten auf: „Macht es noch einmal richtig laut!“

Während in Werdohl und anderen Städten gegen die Streichung der Fördermittel demonstriert wurde, hat Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) einen neuen Vorschlag der Länder scharf kritisiert. Das Verhalten der Länder bei der Suche nach einer Übergangslösung für die Sprachkitas sei enttäuschend.

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