Diskussion mit den Bürgermeisterkandidaten

+

Werdohl - Mehr als ein „wow“ fiel Moderator Matthias Alfringhaus erstmal nicht ein, als er den Blick durch den Saal des Vier Jahreszeiten schweifen ließ. Denn das Interesse an der Diskussion zwischen den Bürgermeisterkandidaten Silvia Voßloh (CDU) und Matthias Wershoven (SPD) war am Montagabend so groß, dass einige Zuhörer nur noch Stehplätze ergatterten.

Von Constanze Raidt

Gute zwei Stunden lang hörten die Gäste den beiden Kandidaten zu und wurden auch selbst einige Fragen los. Nicht nur Politisches wollte Alfringhaus – bis vor knapp eineinhalb Jahren Redakteur in der Werdohler Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau – von den Kandidaten wissen. Auch persönliche Fragen standen auf seiner Liste.

„Haben Sie mit dem Wahlergebnis gerechnet?“, fragte er CDU-Kandidatin Silvia Voßloh. „Damit, dass es eine Stichwahl zwischen mir und Matthias Wershoven gibt, habe ich gerechnet“, antwortete Voßloh. Dass sie 760 Stimmen mehr bekommen würde als ihr Konkurrent habe sie aber nicht erwartet. Ob er denn enttäuscht sei, weil er knapp zwölf Prozent hinter Silvia Voßloh liege, wandte sich Alfringhaus an Matthias Wershoven. Er sei Sportler, antwortete der SPD-Kandidat. „Ich habe beim Badminton auch immer den ersten Satz gebraucht, um warm zu werden.“ Den Vorsprung könne er sicher noch aufholen.

In Sachen Stadtfinanzen waren sich die beiden Kandidaten weitgehend einig. Einstimmig habe sich der Rat für den Beitritt zum Stärkungspakt entschieden, sagte Matthias Wershoven. Alle Parteien hätten gemeinsam das Sparpaket beschlossen, erinnerte Silvia Voßloh. Auch dass Werdohl nicht in jeden Fördertopf greifen solle und große Lockerungen des Sparpaketes nicht möglich sein würden, blieb unstrittig.

Er sei ja gut mit der Landes- und Bundes-SPD vernetzt, wandte sich ein Zuhörer an Matthias Wershoven. Schon einmal habe er sich auf diesen Ebenen für Werdohl eingesetzt. „Würden Sie das wieder tun? Und wären Sie im Zweifelsfall eher für Werdohl oder die SPD?“ Natürlich sei er SPD-Fan, sagte Wershoven. Aber er finde nicht alles gut, was die SPD tue. „Können Sie ein Beispiel nennen?“, hakte Matthias Alfringhaus ein. Naja, man müsse sich eben zum Beispiel über Geld auseinandersetzen, sagte Wershoven. „Natürlich würde ich wieder nach Düsseldorf fahren.“

Diskussion der Bürgermeister-Kandidaten

Und warum sie das nicht auch gemacht habe – wo sie doch Bürgermeisterin werden wollte, fragte ein anderer Zuhörer Silvia Voßloh. „Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nicht mit diesem Gedanken gespielt“, stellte die Kandidatin klar. Außerdem gebe es ja eine rot-grüne Landesregierung. Da habe die CDU lieber unterstützt, dass Matthias Wershoven und Cornelius Böttcher sich in Düsseldorf für Werdohl stark machten.

Lieblingsfarbe, Papst und Fußball-WM

„Genug vom Geld – was ist Ihre Lieblingsfarbe?“, leitete der Moderator zu einer privateren Fragerunde über. Die Zuhörer erfuhren, dass Wershoven - rot - lieber ans Meer und Voßloh - schwarz - lieber in die Berge fährt, dass sich beide Margot Käßmann näher fühlen als dem Papst und dass beide glauben, die deutsche Mannschaft werde es bis ins WM-Endspiel schaffen. Ähnlich einvernehmlich ging es weiter. Auf Nachfrage einiger Bürger bekundeten beide Kandidaten, sich für den Erhalt des Viadukts in Ütterlingsen stark machen zu wollen. Der sei „stadtbildprägend“ (Wershoven) und „das Tor zur Stadt“ (Voßloh).

Erst als die Sprache auf den Jugendraum in Pungelscheid kam, grenzten sich die Bewerber um das Bürgermeisteramt voneinander ab. Sie sei mit dem Umzug in das ehemalige Schlecker-Gebäude nicht einverstanden gewesen, weil die Stadt dafür nicht genug Geld habe, sagte Silvia Voßloh. „Ich hätte einen übergangslosen Umzug lieber gehabt“, widersprach Wershoven. Ende der Woche werde der Raum schließen. „Dann ist erstmal Leerlauf.“

Weitgehende Einigkeit herrschte dann wieder in den Schlussstatements der Kandidaten. Den Haushaltsausgleich, „Lebensqualität für alle“ und einen „zukunftsweisenden Weg für die Stadt“ will Voßloh den Werdohlern bieten. Wershoven möchte „für alle in Werdohl da sein“. Er habe „klare Vorstellungen davon, wie die Stadt sich entwickeln soll“ und wolle eine attraktive Stadt für alle Generationen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare