Bürgermeisterkandidat Erwin Günther setzt aufs Ehrenamt

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„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit junge Leute in Werdohl Arbeit haben“, findet der parteilose Bürgermeisterkandidat Erwin Günther.

Werdohl - „Ich möchte Bürgermeister werden, weil ich an Werdohl hänge“, sagt Erwin Günther. Die Entwicklung der Stadt sehe er sehr kritisch: „Wir sind im Stärkungspakt und müssen die Schulden herunterfahren.“ Wahlgeschenke verspricht er deshalb nicht.

Von Constanze Raidt

„Ich hätte die Nachtabschaltung jetzt nicht rückgängig gemacht“, stellt der parteilose Bürgermeisterkandidat klar, der sich schon im Jahr 2009 um das höchste Amt der Stadt beworben hatte. Seit 1973 ist Günther bei der Werdohler Stadtverwaltung angestellt. „Ich habe in nahezu allen Aufgabengebieten gestaltend mitgearbeitet“, wirbt der 63-Jährige mit seiner Erfahrung. Im Bau-, Sport-, Kultur- und Jugendamt sei er beschäftigt gewesen, aktuell arbeitet er für das Sachgebiet Soziales.

Doch nicht nur dienstlich, auch ehrenamtlich habe er viel für die Stadt getan und mit vielen Werdohlern zusammengearbeitet. Der gebürtige Thüringer kam im Jahr 1960 in den Märkischen Kreis. Mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern lebte er zunächst in Neuenrade, 1972 zog er nach Werdohl um. „Meine Stärke ist es, Menschen zum Mitmachen zu motivieren“, ist der Vater zweier erwachsener Söhne und Großvater zweier Enkelkinder überzeugt. „Das ist genau das, was Werdohl jetzt braucht.“ Schließlich habe die Stadt kein Geld mehr und sei darauf angewiesen, dass die Bürger sich ehrenamtlich engagierten. So wie er selbst: „Ich habe den Lauftreff Rieseiblitze gegründet“, nennt Günther ein Beispiel. Auch große Veranstaltungen wie den City-Lauf 2003 habe er organisiert.

Die Werdohler Stadtverwaltung zu leiten, traue er sich zu, „weil ich sie seit 40 Jahren kenne.“ Außerdem sei er nicht nur gewohnt, im Team zu arbeiten. Wenn es darauf ankomme, könne er Regeln auch konsequent durchsetzen. Ganz oben auf Erwin Günthers Prioritätenliste steht der Schuldenabbau. Was, wenn er fünf Millionen Euro bekäme und sie für Werdohl ausgeben könnte? „Ich würde sie nicht raushauen, nur um was rauszuhauen“, formuliert der Bürgermeisterkandidat etwas flapsig seine Position. Natürlich würde er „überlegen, ob man irgendwo damit helfen kann“, sagt Günther zögernd.

Haushalt ausgleichen und Schulden abbauen

„Aber wir müssen immer bedenken, dass wir Schulden haben.“ Nicht nur den Ausgleich des städtischen Haushalts bis 2018 habe Werdohl vor der Brust, „sondern auch den Schuldenabbau.“ Selbst wenn 2018 der Haushaltsausgleich gelinge und die Stadt wieder einen größeren finanziellen Spielraum habe, würde Erwin Günther deshalb nicht mehr Geld ausgeben.

Und aus diesem Grund kritisiert der parteilose Kandidat auch, dass die Nachtabschaltung bereits teilweise rückgängig gemacht wurde. Zwar hätten sich aus dem Jahresabschluss 2013 finanzielle Verbesserungen ergeben. „Aber das sind keine Mehreinnahmen“, sagt Günther. „Das sind Schulden, die die Stadt doch nicht gemacht hat.“ Zwar könne er es durchaus verstehen, dass die Menschen sich unwohl fühlen, wenn die Laternen nicht leuchten. „Aber ein subjektives Empfinden reicht nicht als Grund aus“, findet der Bürgermeisterkandidat. „Für eine Neubewertung brauchen wir Fakten.“ Sollte die Statistik mehr Unfälle oder Einbrüche aufweisen, würde er die Straßenbeleuchtung sofort wieder durchgängig einschalten. Andernfalls sei er damit nur einverstanden, wenn es gute Ideen zur Finanzierung gebe.

Auch an anderer Stelle würde Erwin Günther als Bürgermeister vorsichtig mit dem Geld der Stadt umgehen. „Neubauten sind schön, aber der Altbestand muss ebenfalls gepflegt werden“, sagt er mit Blick auf die Stadtumbau-Projekte. „Der Bahnhof ist schön geworden, aber jetzt muss man auch dafür sorgen, dass er in Ordnung bleibt.“ Die Neugestaltung des Brüninghaus-Platzes habe die Politik bereits in Angriff genommen, sie müsse natürlich auch zuende gebracht werden. Auf die Frage, ob er grundsätzlich alle möglichen Fördermittel in Anspruch nehmen würde, antwortet der Kandidat mit einem klaren Nein. „Das Problem ist: Bund und Land geben zwar Geld für ein Projekt, aber die Stadt zahlt einen Eigenanteil und trägt die Folgekosten“, erläutert er. „Das ist eigentlich nicht in Ordnung“, sagt Erwin Günther und spitzt seine Position zu: „Bund und Land locken mit Geldern für Projekte, deren Folgekosten die Stadt eventuell gar nicht tragen kann.“ Deshalb wolle der neue Brüninghaus-Platz gut geplant sein: „Wir brauchen stabiles Material, das nicht so anfällig ist.“

Kernaufgabe Wirtschaftsförderung

Obwohl der 63-Jährige kein konkretes Wahlprogramm formuliert hat – Pläne hat er genug. „Ich möchte nicht erleben, dass es in Werdohl mehr arbeitslose Jugendliche gibt“, nennt Günther ein wichtiges Ziel seiner Kandidatur. „Das ist das Schlimmste, was einer Stadt passieren kann.“ Für junge Leute lohne es sich durchaus, in Werdohl zu wohnen. „Aber wir müssen uns auch etwas einfallen lassen, damit sie hier eine Arbeit haben“, findet der zweifache Vater, der seit 1972 mit seiner Frau Kornelia verheiratet ist.

Aufgabe der Politik sei es deshalb, sich mit den heimischen Unternehmen zu vernetzen. „Wir müssen eine richtige Beziehungsarbeit mit den Betrieben führen“, sagt Günther. Die Stadtverwaltung müsse den Unternehmern auch entgegenkommen und zum Beispiel Hilfestellung geben, wenn eine Firma anbauen möchte. Man könne sich nicht nur an sie wenden, wenn man einen Sponsor für ein Projekt suche. „Für mich steht fest: Wirtschaftsförderung muss eine Kernaufgabe der Stadt sein“, fasst der Kandidat zusammen.

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