Bau neuer Gerätehäuser

Bürgermeister kritisiert Vorgängerin: Feuerwehr hat Jahre verloren

Anfang September 2020 demonstrierten die Ehrenamtler der Werdohler Feuerwehr auf dem Parkplatz direkt vor dem Rathaus für den raschen Bau neuer Feuerwehrgerätehäuser. Die damalige Bürgermeisterin Silvia Voßloh und Kämmerin sowie Allgemeine Vertreterin Vanessa Kunze-Haarmann stellten sich dem Drängen der Löschzugführer.
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Anfang September 2020 demonstrierten die Ehrenamtler der Werdohler Feuerwehr auf dem Parkplatz direkt vor dem Rathaus für den raschen Bau neuer Feuerwehrgerätehäuser. Die damalige Bürgermeisterin Silvia Voßloh und Kämmerin sowie Allgemeine Vertreterin Vanessa Kunze-Haarmann stellten sich dem Drängen der Löschzugführer.

Nach einem erstaunlichen Richtungswechsel bei der Verwaltung wird am Montag erstmals der neu gegründete Feuerwehrauschuss zusammenkommen.

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) vertritt im Gegensatz zu seiner Amtsvorgängerin Silvia Voßloh (damals CDU) die Auffassung, dass man nicht erst über Jahre die langwierige Brandschutzbedarfsplanung hätte abwarten müssen, um die notwendigen neuen Feuerwehrhäuser am Grasacker und auf der Königsburg zu planen und zu bauen. Seiner Ansicht nach sind Jahre verloren worden, in denen die ehrenamtliche Werdohler Feuerwehr tatkräftiger hätte unterstützt werden können.

Der Ausschuss für Feuerwehrangelegenheiten und öffentliche Sicherheit und Ordnung wird „Föso“ abgekürzt und steht unter der Leitung des WBG-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Hänel. Am Montag hören die Mitglieder des Ausschusses einen Vortrag von Stefan Hoppe aus Dortmund, der für die mit einer Prüfung beauftragte DU-Diederichs Projektmanagement-Gesellschaft spricht. DU Diederich ist vom Rat mandatiert worden, die Grundlagen für eine Ausschreibung zum Bau eines Feuerwehrgerätehauses auf dem städtischen Grundstück am Grasacker zu erarbeiten.

Vortrag zum Stand der Dinge

Von dem Vortrag zum Stand der Dinge am Montag erhoffen sich Verwaltung und Politik einen wesentlichen Fortschritt bei der Aufgabe, ein den Richtlinien und Anforderungen entsprechendes Gebäude zu bauen oder bauen zu lassen.

Späinghaus will seiner Vorgängerin im Amt keine Schuld zuweisen und ihr nicht unterstellen, sie habe den Bau der Häuser absichtlich verzögert oder bewusst blockiert. Der Bürgermeister formuliert es diplomatisch: „Offensichtlich aber hat die Leitung der Verwaltung die Brisanz bei der Feuerwehr so gar nicht wahrgenommen.“

Verzögerungen waren nicht hausgemacht

Allen Fraktionen – Späinghaus gehörte bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister der SPD-Fraktion an – habe die frühere Verwaltung stets erklärt, dass man erst eine genehmigte Brandschutzbedarfsplanung haben müsse, um mit der Planung neuer Häuser beginnen zu können. Bekanntlich hat die Erstellung des Brandschutzbedarfsplans Jahre gedauert, die Verzögerungen dabei waren nicht hausgemacht, sondern lagen in immer wieder geänderten Anforderungen der Landes- und Bezirksregierung.

Tatsache ist, dass der vormalige Brandschutzbedarfsplan Gültigkeit hatte. Späinghaus kritisiert Silvia Voßloh indirekt: „Wäre ich 2016/2017 in der Verantwortung gewesen, mich um den Bau neuer Feuerwehrgerätehäuser zu kümmern, hätte ich den damals gültigen Brandschutzbedarfsplan als Planungsmodell genommen.“ Man hätte einfach „zwei oder drei Garagen mehr“ einplanen können, um den steigenden Ansprüchen gerecht zu werden. „Dann wären wir heute jedenfalls sehr viel weiter“, folgert Späinghaus.

Verwaltungsmeinung ist jetzt eine andere

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel habe stets die damalige Verwaltungsmeinung verbreitet, man müsse erst die Genehmigung des neuen Plans abwarten. Sie habe damit die Auffassung der früheren Verwaltungsspitze mit Bürgermeisterin Voßloh und weiteren Verantwortungsträgern im Rathaus wiedergegeben. Unter Späinghaus sei die Verwaltungsmeinung, die jetzt die Abteilungsleitungen zu vertreten haben, eine andere. Späinghaus: „Ich könnte mir vorstellen, dass Frau Mentzel damals fachlich eine andere Meinung hatte als die Verwaltungsmeinung, die durch die Bürgermeisterin vorgegeben war.“ Mentzel habe dies so gegenüber dem Rat und der Öffentlichkeit auf Weisung der Bürgermeisterin vermitteln müssen, glaubt Späinghaus zu wissen.

Auch zu einem weiteren wesentlichen Aspekt dieser Feuerwehr-Erzählung bringt Späinghaus eine ganz andere Sichtweise ein. Alle vier Ratsfraktionen seien sich immer einig gewesen, dass es jeweils ein eigenes Gerätehaus für die Stadtmitte am Grasacker und für den Löschzug Brüninghaus auf der Königsburg geben müsse. Die Verwaltung unter Voßloh und früheren Fachbereichsleitern habe allerdings Pläne stets nur für ein gemeinsames Haus für beide Züge in der Stadtmitte verfolgt. Späinghaus spricht heute von einer „künstlichen“ Situation. Erst auf Drängen der Feuerwehr, hier kommt Feuerwehrchef Kai Tebrün ins Spiel, sei die Idee eines gemeinsamen Hauses öffentlich zähneknirschend aufgegeben worden. Was stimmt, lässt sich heute nicht nachvollziehen. 2017 hieß es jedenfalls während einer Ratssitzung, dass die Feuerwehrführung die Zusammenlegung beider Züge nach einer Überprüfung vorgeschlagen habe.

Löschzug-Mitglieder drohten mit Verweigerung

Später seien dann „kameradschaftliche Gründe“ in der Öffentlichkeit in den Vordergrund geschoben worden, um zwei verschiedene Häuser zu planen. Mitglieder des Löschzugs Brüninghaus hatten mit Verweigerung gedroht und auf unpraktikable Ausrückezeiten verwiesen. Innerhalb der Verwaltung war tatsächlich ein böser Streit zwischen dem Feuerwehrchef und den damals verantwortlichen Leitungen ausgebrochen. Tebrün wurde die Schuld für die erneute Verzögerung zugewiesen. Späinghaus vermittelt heute hingegen, dass seiner Meinung die damaligen Fachbereichsleiter und die Bürgermeisterin nicht die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

Chronologie der Verzögerung

Im Februar 2017: Der Löschzug Stadtmitte und die Löschgruppe Brüninghaus sollen zusammengelegt und in der Nähe von B 236 und B 229 untergebracht werden. Eine erste grobe Planung in Form einer Zeichnung samt Kostenschätzung weist Kosten von 3,67 Millionen Euro aus. Dem Vorschlag der Feuerwehr-Führung, den einsatzstärksten Löschzug Stadtmitte mit der Löschgruppe Brüninghaus zusammenzulegen, sollen umfangreiche Prüfungen der nötigen Hilfsfristen und des Einsatzgebietes zugrunde gelegen haben. Das neue Haus soll spätestens 2019 stehen.

Im Dezember 2019: Der Rat verabschiedet den Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre, der Plan ist damit zwei Jahre und drei Monate überfällig. Im Kern bedeutet diese Planung eine erneute Ausnahme von der Pflicht, eine Berufsfeuerwehr samt Wache in Werdohl zu betreiben. Die Planung besagt jetzt, drei Feuerwehrgerätehäuser am Grasacker, auf der Königsburg und in Kleinhammer zu planen und zu bauen.

November 2020: Der Rat beschließt endgültig, ein neues Haus am Grasacker zu bauen. Die Verwaltung soll prüfen, ob das durch einen Investor geschehen kann. Das Feuerwehrhaus soll mittlerweile fünf Millionen Euro kosten. Die Verwaltung arbeitet derweil schon am nächsten Brandschutzbedarfsplan.

Späinghaus sieht sich damals wie heute auf einer Linie mit allen Fraktionen und der Leitung der Feuerwehr: „Von Anfang an war uns allen klar, dass es zwei Häuser geben muss, um den Brandschutz auf der Königsburg sicherstellen zu können.“

Internen Arbeitskreis installiert

Als erste Amtshandlung noch im vergangenen Jahr hatte Späinghaus einen internen Expertenkreis für den Bau von Feuerwehrgerätehäusern installiert. Sein Eindruck, was bis dahin in der Werdohler Verwaltung in dieser Sache geleistet worden sei: „Nichts.“

Die erste Sitzung des Ausschusses für Feuerwehrangelegenheiten und öffentliche Sicherheit und Ordnung, Föso, ist öffentlich. Sie beginnt am Montag, 19. April, um 17 Uhr im Festsaal Riesei. Besucher müssen sich an die Hygienevorschriften halten.

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