Teure Sanierung

Werdohler Bahnhof im „Schwarzbuch“

Dieses Gerüst musste länger am Bahnhof stehen als gedacht. Warum das Verschwendung sein soll, sagt der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch nicht.

WERDOHL - Die Sanierungskosten des Werdohler Bahnhofs sind wieder ins Visier des Bundes der Steuerzahler (BdSt) gerückt. Das 41. Schwarzbuch „Die öffentliche Verschwendung“ listet insgesamt 107 Fälle – davon 17 in Nordrhein-Westfalen – von vermeintlicher Steuergeldverschwendung, drohender Verschwendung und auch erfolgreich verhinderter Verschwendung auf.

Der Stadt Werdohl wird in dem Buch vorgeworfen, dass die Sanierungskosten für das Bahnhofsgebäude von zwei auf drei Millionen Euro gestiegen sind. Schuldige oder fehlerhaftes Verhalten werden in dem Bericht aber nicht beannt. Warum es sich dabei um eine tatsächliche oder drohende Steuerverschwendung handeln soll, beschreibt der Bund der Steuerzahler nicht.

Der inhaltlichen Darstellung im „Schwarzbuch“ widerspricht auch Fachbereichsleiter Michael Grabs nicht. Sattsam Bekanntes und in dieser Zeitung ausführlich Berichtetes wird in dem Buch „Die öffentliche Verschwendung“ wiederholt.

Zum Beispiel, dass man in Werdohl ursprünglich mit knapp zwei Millionen Euro Kosten rechnete, um den alten Bahnhof in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Der BdSt führt an: „Grundlage der ersten Kostenschätzung war ein Gutachten von 2007, in dem wesentliche Kostenaspekte nicht berücksichtigt wurden, zum Beispiel Denkmalschutzauflagen, Barrierefreiheit, Brandmeldeeinrichtungen und der Restaurierungs- und Modernisierungsaufwand für Nebengebäude und Außenanlagen.“ Dem stimmt Grabs soweit zu: „Eine belastbare Zahl waren die zwei Millionen damals aber nicht“, erklärt Grabs. Diese Kosteneinschätzung sei lediglich die Grundlage gewesen, den Bahnhof von der Bahn abzukaufen. Erst nachdem der Kauf durch eine Spende der Vossloh AG möglich wurde, habe die Stadt eigene Planungen beauftragt.

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Der BdST schreibt weiter: „So wurden die Baukosten Anfang 2011 auf rund 2,4 Millionen Euro neu geschätzt. Während der Bauarbeiten stellte sich dann noch heraus, dass die Bausubstanz schlechter war als vom Gutachter vermutet. Auch das Fassaden- und Schutzgerüst auf der Gebäudeseite zur den Gleisen erforderte nach den Vorgaben der Deutschen Bahn einen zusätzlichen Kostenaufwand. Der Baukostenindex legte 2012 ebenfalls wieder zu. Aktuell rechnet man deshalb mit knapp drei Millionen Euro Gesamtkosten.“

„Stimmt alles“, sagt Grabs, wirft dem Bund der Steuerzahler aber vor, nur die halbe Wahrheit zu sagen. Die Stadt habe auf der Einnahmenseite zwei Hauptmieter im Bahnhof – die Woge und die Gastronomie. Und auch der Verkauf des früheren Gebäudes von Museum und Kulturforum zähle zur Habenseite.

„Die Belastung für den Werdohler Haushalt wird sehr gering ausfallen“, sagt Grabs vorbehaltlich einer Schlussrechnung. Aufwand und Einnahmen würden sich fast die Waage halten. Vor allem aber: Verschwendet worden sei gar nichts.

Von Volker Heyn

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