Drohen fatale Folgen?

Ausstieg aus Rosmart 2.0: GWS warnt vor Schnellschuss

Die dritte Ausbaustufe von Rosmart 2.0 würde wegfallen, wenn Werdohl aus dem Projekt aussteigt.
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Die dritte Ausbaustufe von Rosmart 2.0 würde wegfallen, wenn Werdohl aus dem Projekt aussteigt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag, 22. Februar, den Ausstieg der Stadt Werdohl aus dem interkommunalen Projekt Rosmart 2.0 beschließen. Dem Gremium liegt ein entsprechender Antrag der WBG-Fraktion vor.

Es ist davon auszugehen, dass sich die SPD, die mit derselben Forderung Ende 2019 im damaligen Rat noch gescheitert war, dem Vorstoß der Werdohler Bürgergemeinschaft anschließen wird. Auch die FDP ist gegen die Ausweitung des Märkischen Gewerbeparks, das hat deren Fraktionschef Friedhelm Hermes vor der Kommunalwahl im September noch einmal betont.

Wohl auch, weil sie sich einer großen Mehrheit gegen Rosmart 2.0 gegenübersieht, ist mittlerweile auch die CDU auf den Contra-Kurs eingeschwenkt. Die CDU sieht aber auch, dass nach dem Abriss der alten Siedlung des Kraftwerks in Elverlingsen dort Platz für ein neues Gewerbegebiet ausschließlich auf Werdohler Stadtgebiet zur Verfügung stehen könnte.

Werdohls Wirtschaftsförderer gibt sich entspannt

Doch wie sehen es Experten außerhalb der politischen Gremien? Die Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS), als einer der Gesellschafter der Entwicklungsgesellschaft in der Entwicklung und Vermarktung der Gewerbeflächen auf Rosmart engagiert, warnt die Politik vor einem Schnellschuss. Werdohls Wirtschaftsförderer Andreas Haubrichs sieht der Entscheidung des Rates dagegen wesentlich gelassener entgegen.

Werdohl besitze noch städtische Flächenreserven im Gewerbegebiet Wintersohl und sei außerdem an der ersten Ausbaustufe des Märkischen Gewerbeparks Rosmart beteiligt, sagt Haubrichs. „Damit kann vielen Unternehmen für eine Übergangszeit ein Angebot gemacht werden“, sieht er für den Fall eines Werdohler Rosmart-Ausstiegs keinen akuten Mangel an Gewerbeflächen an Lenne und Verse. Kurzfristig befürchtet er deswegen auch keine Auswirkungen auf die Entwicklung der Werdohler Wirtschaft.

Gebiet in Elverlingsen würde nicht der Stadt gehören

Mittel- und langfristig setzt auch Haubrichs darauf, dass sich in Elverlingsen etwas tun könnte. Er habe die Hoffnung, dass der Energieversorger Enervie, dem das Gelände gehört, dort „schnell etwas Neues möglich machen möchte“. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass ein mögliches Gewerbegebiet Elverlingsen nicht der Stadt Werdohl gehört. „Die Stadt könnte daher einen nicht so großen Einfluss auf die Gestaltung des Gewerbegebiets ausüben“, sagt Haubrichs.

Dass ein Gewerbegebiet Elverlingsen in Anbetracht der Entfernung zur Autobahn gegenüber Rosmart 2.0 im Nachteil wäre, wie es Kritiker anmerken, sieht Haubrichs etwas anders. „Dies hängt von Betrieben ab, die sich in einem Gewerbegebiet Elverlingsen ansiedeln möchten.“ Wer viel LKW-Lieferverkehr über die Autobahn habe, für den sei die kürzere Distanz zwischen Rosmart und A 45 natürlich ein Vorteil. Wer jedoch mit anderen Unternehmen in Werdohl, Plettenberg, Altena oder Neuenrade zusammenarbeite, habe durch die Lage an der B 236 sogar Vorteile.

Auf Rosmart keine Flächen für Industrie mehr

Jochen Schröder, Geschäftsführer der GWS, und sein Gewerbeflächenmanager Marcel Krings betrachten die Entwicklungen in Werdohl naturgemäß aus einem etwas anderen Blickwinkel. Das Angebot an Gewerbeflächen im Märkischen Kreis sei nicht unendlich, betonen sie. Auf Rosmart beispielsweise gebe es nach der Gerhardi-Ansiedlung derzeit überhaupt keine Fläche für Industrie mehr, sagt Schröder und verteidigt damit die Pläne zur Erweiterung des interkommunalen Gewerbeparks der Stadt Altena, Lüdenscheid und Werdohl.

Das ganz frisch aufgelegte Gewerbeflächen-Monitoring der GWS weist für den Märkischen Kreis derzeit noch rund 33 Hektar sofort verfügbare, kommunale freie Flächen aus. Werdohl hat daran einen Anteil von 1,8 Hektar, in Lüdenscheid liegen 0,5 und in Altena 0,3 Hektar. Für Rosmart sind separat 10,9 Hektar ausgewiesen.

Kreisweit 73,7 Hektar in den nächsten fünf Jahren

In den nächsten fünf Jahren können nach Erkenntnissen der GWS kreisweit 73,7 Hektar zur Verfügung stehen, wovon 12,7 Hektar auf Rosmart liegen. Lüdenscheid könnte bis Ende 2025 2,8 Hektar anbieten, in Werdohl und Altena kämen keine weiteren Flächen dazu.

Andernorts gebe es dagegen Möglichkeiten für die Ansiedlung oder Erweiterung von Unternehmen, gibt der GWS-Geschäftsführer zu bedenken und nennt das entstehende große Gewerbegebiet Hämmer II in Menden, das die Wirtschaftsförderung der Stadt im Nordkreis selbstbewusst als „modernstes Gewerbegebiet in Südwestfalen“ und „in bester Lage zwischen Metropole Ruhr und Sauerland“ bewirbt, als Beispiel. Die Stadt im Nordkreis springt nicht zuletzt dadurch von derzeit 0,38 Hektar freien Flächen auf 23,8 Hektar in fünf Jahren. Auch in Nachbarkreisen gebe es für Unternehmen Möglichkeiten, ergänzt Krings, der für die GWS die Gewerbeflächen in der Wirtschaftsregion im Blick behält.

Fläche in Elverlingsen überhaupt verfügbar?

Zwar haben auch Schröder und Krings mitbekommen, dass sich in Werdohl auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks etwas tun könnte. Sie halten es aber für verfrüht, bereits jetzt auf dieses Pferd zu setzen. Das könne fatale Folgen für die Entwicklung der Werdohler Wirtschaft haben, warnen sie. Der Rat müsse sich die Frage stellen, ob die Fläche in Elverlingsen überhaupt verfügbar und ob sie als Gewerbegebiet nutzbar sei, mahnt Schröder. Deshalb stellt er auch die Frage, „ob es klug ist, sich bereits jetzt von dem Projekt Rosmart 2.0 zu verabschieden“.

Auch Marcel Krings ist der Auffassung, dass Werdohl mit einem sofortigen Ausstieg aus Rosmart 2.0 ein hohes Risiko eingehe. „Außer Elverlingsen sehen wir für Werdohl keine Alternativen“, sagt er. Dass ein Werdohler Rückzug das ganze Projekt Rosmart 2.0 ins Wanken bringen könnte, befürchtet Krings dagegen nicht. Er glaubt, dass Lüdenscheid und Altena die Erweiterung auch ohne die Flächen auf Werdohler Stadtgebiet vorantreiben könnten. Dennoch würde er es für „ein schönes Signal“ halten, wenn sich Werdohl noch eine Tür zur Rückkehr in das interkommunale Projekt offen halten würde.

Die Sitzung des Rates findet am Montag, 22. Februar, ab 17 Uhr im Festsaal Riesei statt. Das Thema Rosmart 2.0 ist Punkt 4 der Tagesordnung. Die Sitzung ist öffentlich. Besucher müssen einen Mund-Nase-Schutz tragen.

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