Werdohler Anekdoten lebendig erzählt

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Die Veranstaltung „Werdohler Gespräche“ mit Rainer Kanbach und Gerhard Sonneborn in der Stadtbücherei war bestens besucht. ▪

WERDOHL ▪ Viel gelacht wurde bei der jüngsten Auflage der „Werdohler Gespräche“ in der Stadtbücherei am Mittwochabend. So etwa, als sich Gerhard Sonneborn an den ehemaligen Werdohler Polizisten Karl Knoche erinnerte: „Der regelte an der Kreuzung B 236/Freiheitstraße so lange den Verkehr, bis nichts mehr ging. Und dann ging er nach Hause.“

Oft nickten die Besucher auch nur zustimmend mit dem Kopf, weil sie das Geschilderte miterlebt hatten. Beispielsweise hatten viele im Saal die Diskussion um einen Rathausplatz noch in lebhafter Erinnerung. Rainer Kanbach schilderte, dass ein Investor der Stadt ein repräsentatives Rathaus spendieren wollte. Es sollte dort errichtet werden, wo heute das WK steht. „Im Gegenzug wollte er nebenan ein 20-stöckiges Wohnhaus bauen. Gottlob ist es nicht dazu gekommen.“ Die erforderliche Bürgschaft konnte seinerzeit wohl nicht vorgelegt werden.

Die Stadtbücherei war zum Bersten gefüllt, als die beiden Lokalredakteure im (Un-)Ruhestand, Kanbach und Sonneborn, mit Moderator Heinz Rohe auf 75 Jahre Stadtgeschichte zurückblickten. „Werdohl hat sich doch ganz prächtig entwickelt“, meinte Kanbach. Und als Rohe ihn schließlich fragte, was der Journalist denn an Werdohl schätze, antwortete dieser nur mit einem knappen Wort: „Alles“. Auch Sonneborn bezeichnet sich als Lokalpatriot: „Für mich ist Werdohl der Nabel der Welt.“ Doch unkritisch gehen beide Werdohler Urgesteine mit ihrer Stadt nicht um. Kanbach bemängelt offen, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung spürbar gesunken sei.

Beide Hauptpersonen des Abends sind keine gebürtigen Werdohler, kamen jedoch als Kinder ins Sauerland. Sonneborn wuchs in Ütterlingsen auf, Kanbach auf dem Krähenacker.

Beide haben sie über die Konkurrenz zur Nachbargemeinde Neuenrade geschrieben. Kanbach: „Mitte der 60er Jahre wollte Werdohl Neuenrade eingemeinden.“ Durch die Gebietsreformen 1969 und 1975 verdoppelte Neuenrade jedoch die Einwohnerzahl. „Die SPD dort kämpfte zwar erbittert gegen die regierende CDU, doch zu den Eingemeindungen von Affeln, Küntrop, Altenaffeln und Blintrop stimmten sie zu, 'damit wir vor Werdohl Ruhe haben'.“

Sonneborn als auch Kanbach erinnern sich gerne an den ehemaligen Bürgermeister August Solmecke. „Das war eine Vaterfigur“, schwärmte Kanbach. Sonneborn unterstrich: „Der genoss hohes Ansehen in der gesamten Bevölkerung.“ Überhaupt sei Politik damals noch etwas ganz anderes gewesen. Kanbach erinnerte sich: „Damals war noch Geld da. Es ging noch um große Projekte. Da war eine Ratssitzung noch spannend.“ Und auch eine Ausschusssitzung in den 70er Jahren hätte noch hohen Unterhaltungswert gehabt: „Die dauerten alle etwas länger, denn manche wurden damals noch in Gaststätten durchgeführt.“ Sonneborn stimmte zu: „Da war in der Politik noch Fleisch am Knochen.“

Dagegen gab's am Ende der mehr als zweistündigen Veranstaltung doch noch etwas Protest – von einem augenzwinkernden Bürgermeister Siegfried Griebsch.

Michael Koll

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