Werdohler „Action Sports“ ist Online-Riese

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Thorsten Schmidt ist einer der Mitarbeiter, die „custom made“ Laufräder, also speziell nach Kundenwünschen zusammengestellte Ware montieren. Das Einspeichen und Zentrieren der Laufräder geschieht in Handarbeit. 15 000 Einheiten verlassen im Jahr den Betrieb und gehen in alle Welt.

Werdohl - Klagen oder sich beschweren will er sicher nicht, wohl aber auf die Probleme aufmerksam machen: Otto Krause, Geschäftsführer der Action Sports GmbH mit Sitz an der Gewerbestraße, hat große Schwierigkeiten mit der Datenleitung am Kettling. Das gesamte Geschäft läuft mit immer größer werdenden Datenmengen komplett online, doch die von der Telekom für gutes Geld bereit gestellte Datenleitung ist dürftig.

„In der Zeitung las ich von der digitalen Agenda der Bundesregierung, die bis 2018 überall ins platte Land schnelles Internet bringen will“, so Krause. Die Internet-Anbindung des Unternehmens an der Gewerbestraße 22 ist tatsächlich ein Witz: Schlappe 2 MBit/s liegen dort am datentechnischen Ende der Welt an, jeder normale Haushalt auf dem Land hat mit DSL schon 16 MBit/s am privaten Laptop. Und die 2000er-Leitung ist schon eine Zusatzleistung der Telekom, für die das Unternehmen 300 Euro monatlich extra bezahlt. Üblich sind dort am Ende des Gewerbegebietes nur 1 MBit/s. In großen Städten sind zwischen 50 und 100 MBit/s ganz normal.

Kevin Listringhaus, der EDV-Chef bei „Action Sports“, schreibt Webshop-Software lieber zuhause und kommt mit einem Datenträger ins Büro. „Wir haben hier 20 Internet-Arbeitsplätze, wenn da einer ein Videogespräch mit einem Kunden führt, können die anderen 19 erstmal Pause machen.“ Was jetzt etwas übertrieben klingen soll, ist tatsächlich ein betriebswirtschaftliches Hemmnis. Krause: „Wir haben 5000 Seitenaufrufe am Tag. Durch Wartezeiten unserer Mitarbeiter wegen der geringen Internet-Geschwindigkeit verlieren wir am Tag rechnerisch zwischen zehn und zwölf Arbeitsstunden.“ Ein Kilometer Glasfaserleitung koste etwa 50 000 Euro, das könne ein Unternehmen allein bezahlen. „Die Unternehmer hier müssten sich zusammenschließen“, meint Krause.

Eigentlich wähnte sich „Action Sports“ schon am Ende aller Internet-Probleme, weil ein Umzug in die Neuenrader Heimat von Krause und Konrad geplant ist. Im Küntroper Industriegebiet hat „Action Sports“ ein etwa 5000 Quadratmeter großes Gelände gekauft, der 1,5-Millionen-Euro-Neubau ist konzeptioniert. Mit einem Nachbarn ist allerdings der eigentlich vereinbarte Grundstückstausch nicht zustande gekommen, um eine einheitliche Fläche zu bekommen. Derzeit ist nur Platz für den Neubau einer Halle, die keine weitere Expansion zulässt. Krause wird in ein paar Monaten 60, sein Sohn Björn ist als Geschäftsführer eingestiegen und will das Geschäft in weiter in die Zukunft führen.

Angefangen haben Krause und Konrad schon 1991 mit dem Sportgeschäft „Action Sports“ in der Zweiten Straße in Neuenrade. 2001 errichteten sie einen Neubau an der Gildestraße, der aber letztlich zu klein konzeptioniert war. „Wir sind von unserem Wachstum überrannt worden“, sagt Krause. Die 600 Quadratmeter sind mittlerweile an eine Spielhalle verpachtet.

2006 zog „Action Sports“ um in die angemieteten 3500 Quadratmeter am Ende der Gewerbestraße. Waren im Wert von rund 500 000 Euro werden dort ständig vorgehalten. Der Schwerpunkt liegt im Versand von Teilen und Bekleidung für den MTB-Sport. Anspruchsvolle Kunden aus ganz Europa konfigurieren sich bei „Action Sports“ online Naben, Felgen, Speichen und Nippel zusammen, um für ihre sportlichen Vorhaben das perfekte Laufrad zu bekommen. „Im Bereich des hochwertigen MTB-Laufradbaus sind wir europaweit Marktführer“, sagt Krause. Im Schnitt gäben die Kunden 450 bis 500 Euro für so einen Satz aus, der mittlerweile als Verschleißmaterial für eine Saison gilt.

Von Volker Heyn

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