Werdohler (47) betrügt hilflose Nachbarin

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Symbolfoto

Werdohl - Seine Nachbarin brachte ein 47-jähriger Werdohler um ihre Ersparnisse. Hätte sie gewusst, dass er ein mehrfach vorbestrafter Betrüger war, hätte sie ihm wohl kaum ihre EC-Karte zur Verfügung gestellt, um Einkäufe zu erledigen, die Miete zu bezahlen und Bargeld mitzubringen.

Der Angeklagte nutzte die Gelegenheit, um im Zeitraum von Anfang März bis Ende Mai bei zwölf Abhebungen insgesamt 3100 Euro bei der Bank abzuholen – 2950 Euro für sich, 150 Euro für die ältere Dame, die gerade ihren Lebensgefährten verloren hatte und deshalb vorübergehend nicht aus dem Haus gehen wollte.

Wegen des uneingeschränkten Geständnisses des 47-Jährigen vor dem Amtsgericht in Altena musste sie nicht aussagen. Sie reagierte aber mit einem bekräftigenden Kopfnicken auf die Ankündigung, dass der Angeklagte nunmehr Verantwortung für neun Bestellungen übernehmen wolle, die er zusätzlich auf ihren Namen getätigt hatte. Denn sie hatte dauerhaften Ärger wegen der endlosen Mahnungen. Er hingegen hatte eine Winterjacke, ein Tagesspiegel-Abo, ein Verwandlungssofa, einen Vibrationstrainer und einige andere Dinge im Gesamtwert von 1983,27 Euro.

Zu der Untreue in zwölf Fällen kam deshalb der Vorwurf des neunfachen Betruges, weil der Angeklagte nie beabsichtigt hatte, diese Rechnungen zu bezahlen. „Ich gebe das in vollem Umfang zu und bedauere es“, sagte er und bemühte sich um eine Erklärung für seine Gier: „Ich habe ein extremes Problem: Wenn ich Geld habe, muss ich es ausgeben. Das muss irgendwie weg.“ Mittlerweile habe er sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. „Das mit den Betrugsgeschichten – das ist ja nicht erst seit heute.“

Monatliche Rückzahlungen

Vor einem Zivilrichter hatte er sich mit der Geschädigten bereits auf monatliche Rückzahlungen von jeweils 300 Euro geeinigt.

Die ersten beiden Raten wolle er sich leihen, erklärte der arbeitslose Angeklagte. Ab Januar gebe es aber eine Aussicht auf eine berufliche Tätigkeit mit regelmäßig fließendem Geld.

Staatsanwalt Dr. Schlüter hielt dem Angeklagten das Geständnis und den Verzicht auf rührselige Geschichten von Hunger und notleidenden Kindern zugute und beantrage eine Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Er verwies zur Begründung auf die Vielzahl von Taten und den „eindrucksvollen“ Strafregisterauszug mit 15 Eintragungen. Eine positive Sozialprognose könne er nicht stellen: „Ich sehe keinen Grund, warum sich der Angeklagte nach seiner Verurteilung plötzlich ändern sollte.“

Das Schöffengericht ging mit einer Strafe von zwei Jahren und drei Monaten noch über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus. Gemäß dem neuen Gesetz zur Vermögensabschöpfung von Gewinnen aus Straftaten wurde ergänzend der Einzug von 4933,27 Euro angeordnet.

Geht es vor dem Landgericht weiter?

Richter Dirk Reckschmidt erinnerte daran, dass der Angeklagte das Konto einer Nachbarin geplündert hatte, die sich von ihrer kleinen Rente und Grundsicherung ein paar Euro gespart hatte. In der zu erwartenden Berufungsverhandlung vor dem Landgericht müsse der Angeklagte schon „richtig rudern“, um aus der vollstreckbaren noch eine bewährungsfähige Strafe von bis zu zwei Jahren zu machen. Wiedergutmachung ist das entscheidende Stichwort bei dieser Sportart.

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