Werdohl: Wolfram Dorn ist verstorben

Wolfram Dorn starb kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Werdohl - Wolfram Dorn ist am Dienstag vier Wochen vor seinem 90. Geburtstag in Halver gestorben. Der FDP-Politiker, der von 1953 bis 1955 Bürgermeister von Werdohl war und 14 Jahre bis 1965 im Werdohler Stadrat saß, erlebte eine beeindruckende politische Karriere im Nachkriegsdeutschland.

Wolfram Dorn wurde 1924 in Altena geboren, zog aber bereits ein Jahr später nach Werdohl, wo er seine Kindheit und seine Jugend verlebte. Nach seiner Entlassung aus der britischen Gefangenschaft, in die er als Soldat der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg geraten war, kehrte er 1946 nach Werdohl zurück. Den Gefangenen wurden demokratische Grundlagen vermittelt und Dorn begann sich für Politik zu interessieren. Er trat 1948 in die FDP ein. Seine Ausbildung machte er als Industriekaufmann. Bis 1969 war er Direktor des Deutschen Architekten- und Ingenieurverbandes, danach schlug er eine parlamentarische Laufbahn ein. 1969 wurde er als parlamentarischer Staatssekretär des Innern in die Regierung von Willy Brandt berufen. Nach der politischen Karriere war er von 1982 bis 1985 Direktor der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, anschließend war er bis zu seinem Tode als freischaffender Schriftsteller tätig.

Seine politische Karriere ist geprägt von Begegnungen mit Spitzenpolitikern verschiedener Länder. Immer wieder erzählt und in vielen seiner mehr als 50 selbst veröffentlichten Bücher ist seine Reise mit Dr. Martin Luther King und Robert Kennedy in den 1960er Jahren durch die USA. Dorn beschreibt die Auseinandersetzungen zwischen der dunkelhäutigen und der weißen Bevölkerung. Wolfram Dorn wurde Augenzeuge eines gewalttätigen Übergriffs des Ku-Klux-Klans auf dunkelhäutige Demonstranten, bei denen 2000 Menschen ums Leben kamen.

In Japan wurde der von Dorn mit entwickelte Gesetzesentwurf zur Modernisierung und Sicherheit vor Kriminalität zum Teil übernommen und er hielt unter anderem Vorlesungen in Kyoto und Hiroshima. Die Universität in Hiroshima wollte ihm für seine Verdienste für das Land die Ehrendoktorwürde verleihen. Als Dorn das ablehnte, schlugen hochrangige Politiker dem Kaiser Japans vor, den Deutschen auf besondere Art und Weise zu ehren. So bekam er die goldene Ehrennadel zur Ehrenmitgliedschaft des japanischen Parlaments überreicht – die einzige überhaupt.

Diese Ehrennadel ist nur eine von vielen Auszeichnungen und Orden, die Dorn 2012 der Stadt Werdohl übergab. Mit dabei ist auch das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, das nur an drei andere Menschen in Nordrhein-Westfalen verliehen wurde.

Dorn zog nach seiner Zeit in Werdohl für viele Jahre nach Bonn. Nach dem Tod seiner geliebten Frau, der er noch einen ergreifenden Gedichtband widmete, lebte er im hohen Alter bei seinen Töchtern in Halver.

Von Volker Heyn

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