Mietpreise unter dem Durchschnitt

In Werdohl wird fast nur für Senioren gebaut 

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Im Neubaugebiet Düsternsiepen entstehen gerade zwei Bungalows, die als barrierefreies Wohnkonzept für Ältere entwickelt wurden.

Werdohl – In Werdohl ist vieles anders als im Durchschnitt NRWs: Neu gebaut wird fast nur für Senioren. Und ein landesweit drängendes Problem gibt es in der Stadt gar nicht.

Was die NRW.Bank in ihrem jüngsten Wohnungsmarktbericht für das ganze Land feststellt, trifft auf Werdohl nur in geringem Maße zu. In Summe ist es in ganz Nordrhein-Westfalen sicher nötig, mehr und günstigen Wohnraum vor allem in den Großstädten zu schaffen. 

An Lenne und Verse hingegen macht die Forderung nach vermehrtem Miet- und Eigentumswohnungsneubau nur sehr wenig Sinn. Leerstände (2011 wurden zuletzt 8,2 Prozent ermittelt) bezeugen eher, dass es bei sinkenden Einwohnerzahlen in Werdohl keinen allgemeinen Bedarf gibt. 

Nischen gefragt

Nischen sind hingegen erkennbar nachgefragt: Die NRW.Bank stellt fest, dass im ganzen Land insbesondere kleine und altersgerechte Wohnungen fehlen. In diesem Segment hat die Woge schon vor Jahren investiert. Ende 2012 wurden 22 Wohnungen ausschließlich für Ältere in einem sozial geförderten Projekt der Woge an der Danziger Straße errichtet. Bereits Anfang 2018 nahm die Woge das neu errichtete Nachbarschaftshilfezentrum Königsburg in Betrieb. In diesem Haus sind 21 kleine Wohnungen für Ältere entstanden. 

Der Bauboom in NRW ist erst danach richtig gestartet: Die guten Investitionsbedingungen hatten dafür gesorgt, dass 2017 im Land 48.300 neue Wohnungen gebaut wurden. Die NRW.Bank berichtet, dass das hohe Vorjahresergebnis damit um 2,4 Prozent noch einmal leicht übertroffen worden sei. 

Treibender Faktor war demnach der Geschosswohnungsbau mit 23 300 Wohnungen, darunter 9800 Eigentumswohnungen. Die im Jahr 2018 erteilten Baugenehmigungen für rund 55 500 Wohnungen ließen einen weiteren Anstieg erwarten. Allerdings reiche der Neubau nach wie vor nicht aus, um den aktuellen Bedarf von jährlich 80 000 zusätzlichen Wohnungen in NRW zu decken. Die Baulandknappheit sowie die hohe Auslastung von Bauwirtschaft und kommunalen Bauverwaltungen schränkten die Bautätigkeit nach wie vor ein. 

Kaum Nachfrage für Neubaugebiet 

Diese Einschätzung trifft auf Werdohl in keiner Weise zu. Das einzige Neubaugebiet am Düsternsiepen schleppt sich aufgrund geringer Nachfrage dahin. Allerdings werden auch hier gezielt dem älteren Bewohner Miet- und Kaufangebote gemacht. Zu der Spezifizierung, dass Wohnungsneubau ganz an lokalen Bedürfnissen orientiert sein muss, kommt natürlich auch die NRW.Bank. 

Alleinlebende sind in NRW mit aktuell 41 Prozent der häufigste Haushaltstyp. Zuletzt 2011 wurde für Werdohl ermittelt, dass 36 Prozent der Wohnungen durch nur eine Person belegt waren, 32 Prozent waren Zwei-Personen-Haushalte – am anderen Ende der Liste waren nur 2,2 Prozent der Wohnungen mit sechs Personen belegt. 

Im NRW-Schnitt haben sich die Mieten von Ein-Zimmer-Wohnungen und Apartments insbesondere in den vergangenen fünf Jahren überdurchschnittlich verteuert. Mit im Landesmittel 9,14 Euro pro Quadratmeter liegen sie fast 1,90 Euro pro Quadratmeter über dem Marktdurchschnitt. Besonders stark sind die Mieten in den großen Universitätsstädten und in den wachsenden Kreisen im vorderen Ostwestfalen und im Münsterland gestiegen. 

Mietpreise stark unter Durchschnitt

Das sind Preise, von denen zum Beispiel die beiden großen Vermieter Woge und Grand City in Werdohl nur träumen können. Die mittlere Nettokaltmiete pro Quadratmeter in Werdohl wurde für 2017 von der NRW.Bank mit 4,65 Euro angegeben. Bei der Woge liegt die Obergrenze für eine bestens sanierte Wohnung bei fünf Euro pro Quadratmeter.

Der langjährige Trend des Rückgangs von Familien mit Kindern in NRW stagniert auf niedrigem Niveau. War ihre Zahl zwischen 2008 und 2014 noch um sechs Prozent rückläufig, nahm die Zahl aufgrund des Zuzugs aus dem Ausland (EU, Flüchtlinge) bis 2017 wieder etwas zu. Dennoch sank ihr Anteil an allen Haushalten in den vergangenen zehn Jahren von 31 auf knapp 29 Prozent im Jahr 2017; bei Familien mit minderjährigen Kindern von 22 auf 21 Prozent. 

Zuwachs mit Stadt-Land-Gefälle

Natürlich ist auch hier das Gefälle zwischen Stadt und Land sehr deutlich: Der Zuwachs beschränkt sich lediglich auf einzelne Großstädte und Kreise, die besonders vom Zuzug jüngerer Haushalte profitiert haben – etwa die Großstädte der Rheinschiene, aber auch andere Universitätsstädte wie Münster, Bielefeld und Paderborn. Dazu gehört Werdohl nicht, deshalb kann die Stadt auf dem Wohnungsmarkt nicht von den geflüchteten größeren Familien profitieren. 

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