Werdohl will Wärme

Michael Lenze wartet auf Kundschaft: Erst wenn die Temperaturen auf über zehn Grad klettern und die Sonne öfter scheint, kommen auch die Motorradfreunde. -  Fotos: Weiland

WERDOHL -  Eigentlich ist er schon da, der Frühling – zumindest auf dem Kalender. Zu spüren ist von ihm jedoch noch wenig. Wo normalerweise Primeln und Stiefmütterchen blühen, sind höchstens ein paar Knospen zu sehen. An Sommerreifen und kurze Hose ist kaum zu denken und der erste Eisbecher des Jahres schmeckt zwischen Schneeresten auch nicht wirklich. Auch die Geschäfte und Betriebe in Werdohl bekommen den verspäteten Frühlingsanfang zu spüren:

Von Laila Weiland

„Wir hängen praktisch vier Wochen hinterher“, sagt Gärtnermeister Peer Römer. „Stiefmütterchen und Primeln werden normalerweise vor Ostern gekauft, aber für die Kunden ist es in diesem Jahr gar nicht möglich, die Blumen in den gefrorenen Boden zu pflanzen.“ In den Gewächshäusern seiner Gärtnerei erstrecken sich daher weite Felder aus Frühlingsblumen. „Durch die niedrigen Temperaturen bleiben die Pflanzen aber lange frisch“, kann Römer der Situation auch etwas Positives abgewinnen. „Und durch den dunklen Winter sind die Mitte September gesäten Stiefmütterchen noch ungewöhnlich knospig.“ So konserviert warten mehr als 30 000 frische Pflänzchen auf die Gartencenter und Hobbygärtner der Region.

Die Vielzahl der Blumen in den Gewächshäusern bereiten dem Gärtnermeister und seinen Angestellten aber auch einige Probleme: Die Sommerpflanzen, wie zum Beispiel die Geranien, brauchen zum Wachsen einigen Abstand und damit genügend Platz. Platz, der immer noch von den Frühlingsblumen in Anspruch genommen wird. „Wenn die Temperaturen dann endlich hoch genug sind, kommt doppelte Arbeit auf uns zu: Die Frühlingblumen müssen schnell verkauft und die Sommerblumen auf ihren endgültigen Platz gebracht werden“, sagt Peer Römer und fügt hinzu: „Wochenende gibt es dann erstmal nicht.“ Immerhin laufe er aber nicht Gefahr, die Frühlingsblumen am Ende vernichten zu müssen. Wenn der Frühling nicht bis Mai, Juni auf sich warten lasse, mache er sich keine Sorgen, berichtet er lachend.

Über zu viel Arbeit kann sich Michael Lenze derzeit nicht beschweren: „Wenn das Wetter gut ist, kauft der Mann sein Spielzeug – genau so sieht es hier auch aus...“, sagt er und blickt auf die dicht gefüllte Verkaufsfläche seines Motorradladens. Dort warten nagelneue Zweiräder darauf, die Kurven der Umgebung unsicher zu machen. Aber dafür ist es noch viel zu kalt und das Salz auf den Straßen schadet den Maschinen. „Unser Drachenfest zum Saisonstart am 16. März ist ja auch so ziemlich in den Schnee gefallen“, erinnert er sich. Seine Vorführmodelle hat Lenze zwar bereits angemeldet, drei von ihnen haben aber noch kein Nummernschild. „Wozu auch, es fährt ja keiner. Diese Woche hatte ich den ersten Kunden, der eine Testfahrt gemacht hat“, sagt er. In seiner Werkstatt warten 15 reparierte Maschinen darauf, abgeholt zu werden. Normalerweise fährt der Arnsberger die 30 Kilometer nach Werdohl selbst gern mit dem Motorrad – aber bei Kälte macht die kurvenreiche Strecke auch ihm wenig Spaß.

Wer zumindest sein Auto in Frühjahrsstimmung bringen möchte, brauche mit dem Reifenwechsel nicht mehr lange warte, meint Christos Sarpotas von Vergölst Reifen. „Nächste oder übernächste Woche kann man ruhig schon los legen“, ist er optimistisch. „In der Regel zieht man Mitte April die Sommerreifen drauf, auch wenn es im Mai natürlich manchmal noch schneien kann.“

Dass es den Werdohlern im Allgemeinen zu kalt ist, merkt Stefanie Bärwald, Inhaberin des Lennetaler Reisebüros: „Sonst haben die Leute in den Osterferien oft Städtetrips innerhalb Deutschlands gebucht. Dieses Jahr zieht es sie dort hin, wo der Frühling schon angekommen ist“, sagt sie. Viele hätten kurzfristig Reisen nach Mallorca, Barcelona oder auf die Balearen gewollt. „Sie brauchen einfach Sonne“, vermutet sie.

Solche Kurztrips empfiehlt auch Apotheker Oliver Schwarz. „Im Notfall hilft auch der Gang ins Solarium, um die Laune etwas aufzuhellen und vor allem um Vitamin D zu tanken“, sagt er. Zur Zeit seien Erkältungkrankheiten der häufigste Grund für einen Besuch in seiner Apotheke am Bahnhof. Das sei aber eigentlich normal im Frühjahr, weiß er aus Erfahrung. Insgesamt verschiebe sich alles aber um einige Wochen nach hinten. „Viele leiden wegen der Kälte auch unter trockener Haut“, weiß Schwarz. „Das ist normal, weil die Leute im Winter weniger raus gehen. Und auch jetzt, wo die Sonne eigentlich schon etwas Kraft hat, zieht es viele nicht an die frische Luft weil der Ostwind einfach zu kalt ist.“ Etwas Schonfrist haben im Gegenzug die Allergiker. Während normalerweise um diese Zeit die Pollen fliegen, hätten Heuschnupfengeplagte noch etwas Ruhe. „Dafür geht es dann richtig los, wenn es wärmer wird“, vermutet der Apotheker. „Da blüht dann plötzlich alles auf einmal.“

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