Auch Integration geht durch den Magen

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Barbara Funke und Heiner Burkhardt freuen sich schon auf viele Rezepte aus griechischen, schlesischen, türkischen, italienischen oder anderen Küchen.

Werdohl - „Liebe geht durch den Magen“, sagt der deutsche Volksmund und meint damit, dass die Zuneigung umso größer ist, je besser ein Partner kocht. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) bezieht das Sprichwort auf die Beziehungen zwischen Einheimischen und im Laufe der Jahrzehnte Zugewanderten in Werdohl und möchte ein „Kochbuch der Zugereisten“ herausgeben.

Nicht nur die deutschen Heimatvertriebenen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sondern auch Menschen aus verschiedenen Nationen haben in den vergangenen 50 Jahren in Werdohl einen neuen Lebensmittelpunkt, vielfach sogar eine neue Heimat gefunden. „Diese Zugezogenen bewahren viele Bindungen und manche Erinnerungen an ihre alte Heimat, an ihre Kultur“, sagt Barbara Funke vom HGV-Vorstand und bezieht den Kulturbegriff hier auf die Esskultur, auf die traditionellen Familienrezepte oder regionalen Gerichte, die die Zugezogenen mit nach Werdohl gebracht haben.

Wenn Menschen fliehen oder auswandern, müssen sie schließlich vieles zurücklassen, Erinnerungen an Lieblingsspeisen und Rezepte aber bringt jeder mit. Diese Vielfalt an internationalen Küchentraditionen, die nach Ansicht von Funke und Burkhardt auch die einheimische Kultur bereichern kann, möchte der HGV jetzt bündeln und in einem internationalen Werdohler Koch- und Backbuch zusammenfassen.

Menschen aus mehr als 50 Nationen

Auf diese Weise, so hoffen Funke und Burkhardt, könnten auch das Verständnis für- und das Interesse aneinander wachsen. Barbara Funke und Heiner Burkhardt vom HGV-Vorstand wissen, dass Werdohl eine multikulturelle Stadt ist, nicht nur wegen der vielen Gastarbeiter, die seit den 1960er-Jahren aus Italien, Portugal und Griechenland, später auch aus der Türkei an die Lenne und die Verse gezogen sind. „In Werdohl leben mittlerweile Menschen aus mehr als 50 verschiedenen Nationen“, weiß Burkhardt.

Aber auch die Menschen, die ab dem Herbst 1944 und in der Nachkriegszeit aus Schlesien, Ost- und Westpreußen, aus dem Sudetenland, aus Pommern und anderen Gebieten des Deutschen Reiches in Werdohl eine neue Heimat gefunden haben, hat der HGV im Blick. „Damals sind mehr als 4000 Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten zu uns gekommen“, weiß Burkhardt, dass die Bevölkerungszahl Werdohls vor nunmehr 70 Jahren sprunghaft gestiegen ist.

Jeder fünfte Werdohler ist Ausländer

Fast ebenso viele Ausländer wohnen derzeit in Werdohl. Die Bevölkerungsstatistik der Stadt weist für den 31. Dezember 2016 genau 3993 aus, das ist etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Werdohls. Den mit Abstand größten Anteil haben die Türken (11,9 Prozent), gefolgt von Griechen und Italienern (je 1,3 Prozent) und Polen (1,1 Prozent). Aber auch Menschen aus fernen und exotischen Ländern leben in Werdohl, sie kommen beispielsweise aus Aserbaidschan, Brasilien, Eritrea, Indien oder Pakistan.

Sie alle sind aufgerufen, sich an der Kochbuch-Aktion des HGV zu beteiligen. Die Initiatoren rufen sie auf, ihr Familienrezept zu verraten, das sie selbst oder die Eltern oder Großeltern gerne zu bestimmten Gelegenheiten oder auf familientypische Weise zubereitet haben. „Dabei ist alles gleichermaßen willkommen: Rezepte für Vorspeisen, Suppen, Hauptgerichte und Eintöpfe, für Desserts und Kuchen oder Gebäck“, betont Barbara Funke. Das Redaktionsteam des HGV behalte sich allerdings eine Auswahl vor. Heiner Burkhardt: „Wir wollen ja nicht fünf ähnliche Rezepte für Gulasch im Buch haben.“

Rezepte bis 15. September einreichen

Wer ein Rezept zur Verfügung stellen möchte, soll sich aber nach Möglichkeit an ein vorgegebenes Muster halten, damit die anschließende Produktion des Buches etwas erleichtert wird. So sollen alle Rezepte als Word-Datei geschickt werden. Die Rezepte sollen gegliedert in Zutaten und Zubereitung aufgeschrieben werden, und auch ein Foto des fertigen Gerichts soll eingereicht werden. Und nicht zuletzt bittet der HGV auch noch um die Herkunft der Rezepte mit Angabe von Land und Stadt sowie natürlich um den Namen des Einsenders. Eine Anekdote oder Hintergrundinformationen zum Rezept ist auch willkommen. Die Rezeptsammlung soll dann zu Weihnachten als Buch veröffentlicht werden.

Die Rezepte sollen bis zum 15. September möglichst per E-Mail beim Heimat- und Geschichtsverein an Barbara Funke (bwfunke@gmx.de) oder Heiner Burkhardt (heiner.burkhardt@t-online.de) eingereicht werden. Auch eine Abgabe auf Speichermedien ist möglich.

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