Fäll-Aktion an der Altenaer Straße in Werdohl

Kahlschlag am Kletterfelsen: 100 Eschen müssen fallen

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Bis zur Frühstückspause der Forstarbeiter lag an jedem Ende der Altenaer Straße schon etwa ein halbes Dutzend Bäume auf dem Boden. Bis Freitagabend solle alle 100 gefällt sein.

Werdohl - Seit Montagmorgen laufen an der Altenaer Straße beinahe ununterbrochen die Motorsägen: Das Werdohler Forstunternehmen Meyer hat damit begonnen, die gut 90 Eschen zu fällen, die den Spazierweg entlang der Kletterfelsen an der Lenne säumen. Zusammen mit einigen Eschen an der Felsseite sind es sogar 100 Bäume, die gefällt werden.

Zur Beseitigung der Bäume gab es nach Darstellung der Stadt Werdohl keine Alternative. Bereits im Herbst vergangenen Jahres war festgestellt worden, dass einige von ihnen vom Falschen Weißen Stängelbecherchen befallen waren, einer Pilzart, die den Bäumen unaufhaltsam zusetzt und zum Absterben der Äste führt. Die Krankheit wird deshalb auch Eschentriebsterben genannt. Trotz wissenschaftlicher Untersuchungen gibt es derzeit kein Mittel, den europaweit verbreiteten Pilz einzudämmen.

Im Mai hatten dann Baumsachverständige festgestellt, dass nicht nur ein Teil, sondern praktisch alle Eschen der Allee befallen waren. Die Folge war dann die Radikalmaßnahme, mit der am Montagmorgen begonnen wurde.

Zwei Trupps arbeiten gleichzeitig

Von den beiden Endpunkten der Altenaer Straße arbeiteten sich zwei Trupps des Forstunternehmens voran. Schon am späten Vormittag stellte Uwe Bettelhäuser, Leiter des Baubetriebshofes fest: „Es gibt ein ganz gutes Fortkommen. Ich gehe davon aus, dass die Bäume am Freitagabend alle gefällt sein werden.“

Am Samstag werde dann noch ein Großschredder eingesetzt, der sämtliches Eschenholz, auch die zum Teil einen halben Meter dicken Stämme, zu Hackschnitzeln verarbeiten werde. „Am Samstagabend ist die Straße dann komplett wieder frei“, erwartet Bettelhäuser.

So lange aber sollten Spaziergänger die Altenaer Straße im Bereich zwischen Kletterfelsen und Tunnelportal aber unbedingt meiden. „Wenn hier Schaulustige auftauchen, müssen wir die Arbeit immer sofort einstellen“, erklärte Forstunternehmer Michael Meyer, dass im Arbeitsbereich höchste Gefahr herrsche.

Angst um Vogelnester

Wenige Tage vor der Fällung hatte sich noch die Werdohler Sprecherin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Andrea Weber, zu Wort gemeldet. Sie hatte Befürchtungen, dass durch die Fällarbeiten Gelege von Vögeln zerstört werden könnten und sich gewünscht, dass die Stadt die Arbeiten noch um einige Wochen oder sogar Monate verschiebt.

Das war aus Sicht von Uwe Bettelhäuser aber nicht möglich. „Wir haben damit schon sehr lange gewartet, weil wir gehofft haben, dass sich die Bäume wieder erholen“, sagt er. Ein gefallener Baum sterbe von innen, von außen sei kaum erkennbar, wie krank er sei. Da die Stadt die Verkehrssicherungspflicht habe, sei auch auf Empfehlung eines Sachverständigen jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Bäume zu beseitigen.

Bei den Fällarbeiten kommt auch ein großer Traktor zum Einsatz, der die abgesägten Bäume mit seinem Greifarm packen und auf die Straße ziehen kann.

Nistkästen rechtzeitig entfernt

Die Befürchtungen von Nabu-Sprecherin Weber waren aber offensichtlich unbegründet, wie sie selbst festgestellt hat: „Wir haben die Nistkästen abgenommen – da waren keine Gelege mehr drin“, sagte sie am Montagmittag.

Zwei Kästen seien allerdings von Hornissen bevölkert gewesen. „Die stehen ja unter Artenschutz“, stellte Weber fest und fand zusammen mit Baubetriebshof-Leiter Bettelhäuser und dem Forstunternehmer Meyer eine Lösung. Ein Baum mit Hornissennest wird zunächst in etwa vier Metern Höhe oberhalb des Nistkastens abgeschnitten, das andere Nest soll nach Einbruch der Dunkelheit umgesetzt werden.

Neuanpflanzung schon Planung

Die Altenaer Straße wird durch den Kahlschlag ihr Aussehen gründlich verändern. Das soll allerdings nicht so bleiben. „Es gibt schon Überlegungen, dort wieder neue Bäume anzupflanzen. Darüber muss der Ausschuss für Umwelt- und Stadtentwicklung allerdings noch entscheiden“, erklärte Bettelhäuser.

Eschen würden aber auf keinen Fall wieder angepflanzt, zu groß sei die Gefahr, dass sie erneut von dem Pilz befallen würden. „Die Überlegung geht wohl in Richtung Bergahorn“, ließ sich Bettelhäuser ein wenig in die Karten blicken.

Der Laubbaum ist in Europa weit verbreitet, sowohl als Parkbaum als auch in Forstwirtschaft, und fühlt sich in kühl-feuchtem Bergklima besonders wohl. Ein solcher Baum kann mindestens 30 Meter hoch und 500 Jahre alt werden. Er wächst schnell: Nach zehn Jahren ist ein Bergahorn schon vier Meter hoch, nach 20 Jahren erreicht er 16 Meter.

Vielleicht einziger Nachteil für den Baum des Jahres 2009 an der Altenaer Straße: Der Bergahorn, dessen Blätter sich im Herbst gelb färben, kann Überflutungen nicht gut vertragen.

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