Weitere 250 Wohnungen an GCP verkauft

+
Die Altenaer Baugesellschaft hat unter anderem diesen Häuserblock an der Iserschmittstraße 1 bis 11 an eine Berliner Grundstücksgesellschaft verkauft. Einige ehemalige ABG-Häuser sind gepflegter, aber ein Leerstand von 18 Prozent spricht für sich.

Werdohl - Nach dem Verkauf der 570 Annington-Wohnungen vor genau einem Jahr an eine Berliner Gesellschaft namens Cato sind zu diesem Jahreswechsel weitere 250 Werdohler Wohnungen an einen Berliner Immobilienfonds verkauft worden.

Die Altenaer Baugesellschaft ABG hat ihren kompletten Werdohler Bestand an die Berliner Alemory 84. Grundstücks-GmbH abgetreten. Cato und Alemory stehen wiederum in direkten Beziehungen zur Grand City Property (GCP) Ltd. mit Sitz in Zypern. Die GCP verwaltet damit 820 Wohnungen in Werdohl.

Die Altenaer Baugesellschaft hatte die Werdohler Häuser 1993 von der WBV übernommen. Die WBV war die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft der VDM. Das Industrieunternehmen mit Sitz in Werdohl trennte sich damals vom Immobiliengeschäft. Joachim Effertz, heute Vorstand der ABG: „Vor 21 Jahren gab es wohl gute Gründe, den Bestand der WBV in Werdohl zu übernehmen.“ Jetzt seien die Zeiten anders und die Altenaer Baugesellschaft müsse sich auf ihren Kernmarkt allein in Altena konzentrieren. „Für uns ist der Verkauf eine rein strategische Portfolioentscheidung“, sagte Effertz.

Schon seit Ende 2013 hatte die ABG nach einem Käufer für ihren Werdohler Bestand gesucht. Unter anderem waren die 250 Wohnungen auch der Wohnungsgesellschaft Werdohl angeboten worden, doch Woge-Chef Ingo Wöste lehnte ab. Die Woge kümmere sich intensiv um ihre Bestandsmieter und wolle nicht expandieren.

Viele der 250 ehemaligen ABG-Wohnungen sind unvermietet, der Leerstand liegt laut Effertz bei sehr ungünstigen 18 Prozent. „Wir haben die Werdohler Wohnungen immer bewirtschaftet und vermietet sowie notwendige Reparaturen vorgenommen“, so der ABG-Vorstand gestern auf Nachfrage. Großinvestitionen seien allerdings nicht vorgenommen worden, dementsprechend gebe es allerhand Renovierungsbedarf vor allem in den leerstehenden Wohnungen. Ein Großteil der Wohnungen sei aus den 1960er Jahren. „Wir haben da auch neue Kunden gewinnen können, aber wir konnten uns in Werdohl nicht so engagieren wie in Altena“, so Effertz. Viele der leeren Wohnungen seien nicht so, dass man sie sofort wieder vermieten könne. Elektrik, Bäder, Heizungen und Dach – da müsste schon einiges unternommen werden. Effertz: „Das waren nie hochpreisige Häuser.“ Schöne Objekte seien zum Beispiel Waldschlösschen 8 und 10, Langestraße 19 oder Brüderstraße 40. Eher typische Bauten der Zeit sind an der Iserschmittstraße 1 bis 11 oder Selscheider Weg 13 und 15. Auch im Bremfeld hat die ABG Häuser verkauft sowie den Bestand an der Sommerstraße. Der Bestand in Bärenstein und der Borbecke hat noch etwas mit der VDM-Vergangenheit zu tun.

Über den Käufer sagt Effertz nicht, außer das es eine Berliner Gesellschaft sei. Den etwa 350 Bewohnern der 250 Wohnungen hat die ABG zum Jahreswechsel einen Brief geschrieben und sich für die zum Teil jahrzehntelange Treue bedankt. Darin auch kein Wort, an wen die ABG die Wohnungen verkauft hat und welche Auswirkungen das auf die Mieter und die Mieten haben könne.

Ein paar Tage später bekamen die Mieter natürlich Post von ihrem neuen Vermieter. In den Anschreiben präsentiert sich die Alemory 84. Grundstücks-GmbH mit Sitz in Berlin. Die Mieter dürfen ihre Miete ab Januar auf eine Dortmunder Kontonummer überweisen.

Der Käufer, so Effertz, sei an einer langfristigen Bestandserhaltung interessiert, „glaube an den Standort“ und „sehe Potenzial“ in Werdohl. Mieterhöhungen seien grundsätzlich nicht zu erwarten, das ist zum Schutz der Mieter bei einem Besitzerwechsel gesetzlich verboten.

Mit ähnlichen Standardformulieren wie den Glauben an den Standort und dem Interesse an einer langfristigen Bestandserhaltung hatte vor genau einem Jahr die Cato zweite Immobilienbesitz und -verwaltungs GmbH die 570 Werdohler Wohnungen von der Deutschen Annington gekauft. Diese Wohnungen werden von der Grand City Property Ltd. verwaltet. Die Alemory-Gesellschaften sind bis in den 100er-Bereich durchnummeriert und gehören ebenfalls zur Grand City. Den Mietern ist ein Anlaufadresse in Dortmund genannt.

Von Volker Heyn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare