Bettina Lugk an der Lenne weit vor Paul Ziemiak / AfD vor FDP und Grünen

Werdohl wählt sozialdemokratisch

Punkt 18 Uhr wurden in allen fünf Briefwahlvorständen im Werdohler Rathaus die Urnen geöffnet und der erste Schwung Umschläge auf den Tisch geschüttet. Hier in der Kantine des Rathauses im Keller konnte nur ein Teil der mehr als 800 Umschläge gleichzeitig verarbeitet werden.
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Punkt 18 Uhr wurden in allen fünf Briefwahlvorständen im Werdohler Rathaus die Urnen geöffnet und der erste Schwung Umschläge auf den Tisch geschüttet. Hier in der Kantine des Rathauses im Keller konnte nur ein Teil der mehr als 800 Umschläge gleichzeitig verarbeitet werden.

Um 20.47 Uhr hatte Werdohl fertig gewählt. Als letztes kam das Ergebnis der gut 800 Briefwahlscheine des Brieflwahlbezirks herein, der in der Rathauskantine im Keller ausgezählt wurde. Damit stand fest, was sich von Anfang an abzeichnete: Bettina Lugk für die SPD schlägt den CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak mit 35,58 Prozent zu 29,16 Prozent. Auch die Werdohler Zweitstimmen gehen in Mehrheit mit 34,37 Prozent an die SPD, die CDU bekommt hier 24,87 Prozent ein noch schlechteres Ergebnis im Vergleich zu den Erststimmen für Paul Ziemiak.

Werdohl - Erstaunlich ist das Abschneiden der AfD mit dem Kandidaten Daniel Bläsing, der sich nie hat in Werdohl öffentlich blicken lassen: Erst- und Zweitstimmen sind mit 11,33 Prozent identisch. Erst dahinter landen die FDP mit 10,54 Prozent und 8,11 Prozent für Direktkandidat Liproß sowie die Grünen mit erstaunlichen 8,37 Prozent und 7 Prozent für Kandidat Stuckmann. Der Werdohler Linken-Kandidat Thomas-Lienkämper landete mit 3,63 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz. Sei persönliches Ergebnis war immerhin noch etwas besser als das für seine Partei: Nur 2,85 Prozent der Werdohler wählten links.

Richtig zufrieden mit dem Werdohler Wahlergebnis für Bettina Lugk und die SPD zeigte sich natürlich die Werdohler SPD. In der Fabrica saß neben dem Ortsvereinsvorsitzendem Björn Walocha auch die Fraktionsvorsitzende Marion Gierse. Walocha sprach für alle: „Das Ergebnis freut mich sehr, ich bin glücklich. Wir haben mit unserem neuen jungen Team einen guten Wahlkampf hingelegt. Das Kämpfen hat sich gelohnt.“ Parteifreundin Marion Gierse sah es genauso: „Ich bin richtig stolz auf uns. Wir haben gute Arbeit im Wahlkampf geleistet. Wir genießen unseren kleinen Erfolg.“ Das Ergebnis für Bettina Lugk in Werdohl sei sehr gut, und wenn es auch nicht für das Direktmandat gereicht hat, so hoffen doch beide, dass Lugk über die Liste in den Bundestag einzieht. Gierse ist von Lugk beeindruckt: „Ich durfte Bettina im Wahlkampf begleiten, sie ist informiert und weiß, worum es geht. Wir hoffen, dass sie über die Liste in den Bundestag kommt und unsere Region in Berlin vertreten wird.“

Über die Optionen zur Regierungsbildung in Berlin will Walocha nicht spekulieren. „Vielleicht kriegen die doch noch einen Kanzler Laschet, obwohl die SPD mit einem Prozentpunkt vor der Union liegt.“ Rein rechnerisch könnte es wegen der Vielzahl der Mandate oder im Zuge der Koalitionsverhandlungen doch keinen Kanzler Scholz geben. Walocha will sich nicht zu früh freuen. Die größten Unterschiede in einer Koalition gibt es seiner Meinung nach zwischen der FDP und den Grünen. Walocha fürchtet „italienische Verhältnisse“: „Hoffen wir, dass eine Koalition auch die nächsten vier Jahre hält.“

Der Werdohler CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Ohrmann saß mit vielen Parteifreunden im Spiegel. Wichtig sei, dass Paul Ziemiak das Direktmandat geholt habe. Die Bundestagswahl sei aber, anders als die Kommunalwahl, keine Personenwahl. Das gute Abschneiden der SPD und ihrer Kandidatin Bettina Lugk in Werdohl wundere ihn nicht und habe auch nichts mit der Person Lugk zu tun, die Zustimmung zur SPD liege im Bundestrend. Das zeigten auch die 11,33 Prozent für die AfD und Daniel Bläsing. „Die Leute wählen Parteien, nicht Personen.“ Es werde aber immer schwieriger, die Menschen von den Altparteien zu überzeugen.

Auf Bundesebene ist für Ohrmann nur klar, dass niemand eine große Koalition von CDU und SPD wolle. Ein Prozent mehr Zustimmung für die SPD und Olaf Scholz sei aber „zuwenig für den Anspruch auf die Kanzlerschaft.“ Ohrmann sieht es wie Armin Laschet: Es müsse eine stabile Regierung mit Grünen und Liberalen gebildet werden. Das könne die CDU.

Für die FDP in Werdohl sprach Fraktionsvorsitzender Friedhelm Hermes: „Ich würde mich freuen, wenn es im Bund mit der Ampel aus SPD, Grünen und der FDP klappt.“ Auf jeden Fall sei das Wahlergebnis ein Signal für die SPD, für die Regierungsbildung geeignete Partner zu finden. Für ihn persönlich stehe fest, dass sich etwas verändern müsse im Bund: „Es muss was anderes geschehen.“ Die FDP könne in einer Bundesregierung zwischen extremen Positionen vermitteln.

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