Mutige und starke Wasserflöhe

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Natalie Westick, Heike Hinsching-Stagni und Silke Wiederspahn-Hopmann (v. l.) setzen sich gemeinsam dafür ein, dass die Schulanfänger regelmäßig das Schwimmbad besuchen. „Einige springen sogar schon vom Dreier“, freut sich Hinsching-Stagni.

Werdohl - Während Deutschland als „Land der Nichtschwimmer“ in die Schlagzeilen gerät, machen sich in Werdohl die Bemühungen bezahlt, schon Kindergartenkinder an die Bewegung im Wasser heranzuführen. Schwimm-Meisterin Heike Hinsching-Stagni spricht von einer „totalen Erfolgsgeschichte“.

Die 26 Schulanfänger der Kindertagesstätte Gernegroß haben gestern ein Wasserfest gefeiert – und wurden in diesem Rahmen mit ihren „Wasserfloh“-Urkunden belohnt: Seit einem Jahr waren die Mädchen und Jungen regelmäßig ein Mal pro Woche im Hallen- beziehungsweise Freibad. Das Ergebnis: Sieben Kinder haben das Seepferdchen bereits in der Tasche. „Einige andere können schon schwimmen, haben nur das Abzeichen noch nicht“, sagt Heike Hinsching-Stagni.

Sie lobt das Team der Kita Gernegroß – besonders Natalie Westick, die sich intensiv um die Wassergewöhnung der Schulanfänger kümmert. „Auch in den Kitas Budenzauber und Sternschnuppe läuft es in diesem Bereich sehr gut“, stellt Hinsching-Stagni fest. Sie sagt: „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich alle Kindergärten in der Stadt dafür einsetzen würden, dass die Kinder regelmäßig ins Schwimmbad kommen.“ Sie weiß aus Erfahrung: Im Kindergartenalter überwinden die Kleinen ihre Ängste besonders leicht. „Insbesondere, wenn die Erzieherinnen mitkommen. Das Vertrauensverhältnis, dass sie zu den Kindern aufbauen ist viel intensiver, als das, was sie zu den Grundschullehrern aufbauen können.“

Kita-Leiterin Silke Wiederspahn-Hopmann muss allerdings manchmal skeptische Eltern überzeugen: „Manche haben Angst, dass ihren Kindern etwas passieren könnte oder das sie krank werden.“ Allerdings sei es bisher stets gelungen, die Eltern von dem Schwimm-Projekt zu überzeugen.

Heike Hinsching-Stagni spricht der Stadt Werdohl eine echte Vorreiter-Rolle zu. „Schon vor vielen Jahren ist meine Stelle geschaffen worden, damit Kinder möglichst früh schwimmen lernen.“ Die Schwimm-Meisterin betreut auch Schwimmgruppen der Gesamt- und Realschule. Sie stellt fest: „Schüler, die im fünften Schuljahr noch nicht schwimmen können, kommen in der Regel aus den Nachbarstädten.“

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Deutschland 537 Menschen ertrunken. Das sind 49 Badetote mehr als 2015. Die Zahl der Kinder, die ertrunken sind, beläuft sich auf 46 – auch das sind doppelt so viele wie 2015. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa sind 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Deshalb setzten sich auch die Aktiven der Werdohler DLRG-Ortsgruppe intensiv dafür ein, dass aus Nichtschwimmern kleinen Wasserratten werden.

Und Schwimm-Meisterin Heike kann mit Blick auf die Forsa-Zahlen sagen: „Das ist bei uns in Werdohl zum Glück ganz anders.“

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