Pöngses Werdohl-Video geht um die Welt

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Jürgen „Pöngse“ Krutzsch hat Werdohl fotografiert und um die Welt geschickt.

Werdohl - Tausendsassa Jürgen „Pöngse“ Krutzsch ist nie zufrieden und immer ruhelos. Vor rund zwei Wochen stellte der Kultwirt und Musiker nun ein Video ins Internet, welches weltweit für Furore gesorgt hat. „Ich bekomme E-Mails aus Südafrika, Großbritannien, Spanien und sogar von Sri Lanka“, erklärt der Allrounder.

Sechs Minuten und 46 Sekunden dauert der Clip zum Instrumentalstück „Distant Bells“, welches Pöngse vor zwei Jahren als neunten Track auf dem Album „The Magic Box“ seines Ein-Mann-Projectes Cinema veröffentlichte. Dazu gibt es Impressionen von den schönsten Seiten Werdohls zu sehen.

„1972 habe ich im Rahmen meines Kunststudiums ein Praktikum in einem großen Fotostudio gemacht“, erinnert sich Krutzsch, der im vergangenen Monat 63 Jahre alt wurde. „Das war meistens gar nicht so wahnsinnig interessant, aber schon ein Auslöser für eine Leidenschaft.“ Seitdem fotografiert er, wo er geht und steht, wann immer er etwas Schönes sieht – am liebsten alte Industrieruinen. Heute hat er dafür nicht mehr immer seine Kamera dabei, sondern greift gerne mal zum Handy, „auch wenn das von der Auflösung her eigentlich qualitativ nicht für meine Ansprüche reicht“, sagt der Perfektionist.

Nach und nach erhielt Pöngse so einen wahren Fundus an Schnappschüssen aus seiner Heimatstadt. „Da lag die Idee nahe, daraus einen Musik-Clip zu machen.“ Allerdings musste der Kultwirt feststellen, dass er doch zumeist „nur grüne Wiesen“ im Bild festgehalten hatte. Ein paar Fotos, die nun im fertigen Video zu sehen sind, hat er also noch eigens für diesen Film gemacht: „etwa vom Bahnhof oder von der Ütterlingser Brücke“. Auch Sonnenuntergänge, Brunnen und Gewitterwolken aus Werdohl sind nun im Internet zu bewundern. Seine Lebensgefährtin Brigitte Grafe hat auch noch ein paar Schnappschüsse zum Gelingen des Projektes beigetragen. „Und vor allen Dingen hat sie den Clip geschnitten und ins Netz hochgeladen“, verrät Pöngse, der mit dieser Technik dann doch eher auf Kriegsfuß steht.

Umso mehr freut ihn jetzt die überwältigende Resonanz. Bis Anfang der Woche hatten bereits 1225 Menschen das Video angeschaut. Ein Sauerländer schrieb an Pöngse: „Wenn ich nicht schon hier wohnte, würde ich da gerne Urlaub machen.“ Und sogar Lob aus Sri Lanka gab es. „Ich hätte nicht gedacht, dass es bei Euch so grün ist“, schrieb ein Mensch von dort. Dieser hatte einen Werdohler kennengelernt, welcher im ehemaligen Ceylon – im indischen Ozean gelegen – Urlaub machte und ihm das Video zeigte.

Sieben Videos hat Krutzsch bereits auf youtube veröffentlicht, zwei weitere sind gerade in der Mache. Doch nicht nur das: Hatte das zweite Cinema-Album „The Magic Box“ noch 27 Jahre Entstehungszeit gebraucht, so ist das dritte bereits weit gediehen: „Es wird aber dieses Mal viel rockiger, mehr Gitarren, als vor zwei Jahren und es wird auch Gesang geben.“ Auch ein paar Musiker, die in der Veranstaltungsreihe Go Music regelmäßig in seiner Musikkneipe Alt Werdohl Station machen, hätten ihre Mitwirkung an dem Album zugesagt. Wie immer bei Pöngse: „Das Album hätte schon längst fertig sein können, aber ‘aus Versehen’ habe ich erstmal ein anderes Projekt gegründet.“

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, dem Werdohler Gitarristen Benny Peiser sowie dem ebenfalls heimischen Musiker Dieter Kumpakichkies, mit dem Pöngse auch in der Band Tibet rockt, gründete er kurzerhand die rein elektronische Gruppe Iceland. „Das Album ist fertig und wird im Oktober auf einem deutschen Label erscheinen“ – also noch vor dem kommenden Cinema-Werk. Pöngse kann sein Glück manchmal gar nicht fassen: „Während junge Musiker sich den Arsch abbrennen, um einen Plattenvertrag zu ergattern, habe ich momentan fünf – einen mit Iceland, einen mit Cinema und drei mit Tibet; in Deutschland, Spanien und Portugal.“

Immer wieder verfolgt der 63-Jährige neue musikalische Projekte, immer wieder bekommt er viel Lob von allen möglichen Seiten dafür. Aber: „Ich verdiene damit keine Millionen“, gibt er zu bedenken. Antrieb ist bei ihm einfach die Liebe zur Musik. Fast alles ist spontan und ungeplant: „Ich bin selbst immer wieder erstaunt, was ich da alles mache“, sagt er, lacht und schüttelt den Kopf.

Das Video von Jürgen „Pöngse“ Krutzsch

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