Was bringt die Region nach vorn? Bürger gefragt

+
Engagiert beratschlagten die Bürgerstammtisch’ler über die Vorzüge Werdohls – und auch über die Nachteile.

Werdohl - Wie können die Bürger der Städte und Gemeinden an der unteren Lenne ihre Region nach vorne bringen? Wie kann das Leben für die Einwohner attraktiver werden, wie können Touristen gelockt werden?

Diese Fragen sollen Bürger zwischen Lennestadt und Letmathe in einem offenen Gesprächsprozess beantworten, der kürzlich mit einer Auftaktveranstaltung in Altena-Dahle begann. In Werdohl machten die Aktiven des Bürgerstammtischs das jetzt zu ihrem Thema.

Ziel der Bemühungen ist die Teilnahme an einem Programm der Europäischen Union. Auf Einladung des Bürgerstammtischs stellte Werdohls Stadtplaner Stefan Groß im Versevörder Hof das Förderprogramm vor. Mit dem Aktionsbündnis zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft will die Europäische Union Entwicklungen im ländlichen Raum anstoßen und ein Zeichen gegen die bestehende Landflucht setzen. 3,5 Millionen Euro für verschiedene Projekte sind pro Förderregion im Topf.

Von den erwarteten etwa 45 Bewerber-Regionen aus ganz Deutschland würden 20 bis 25 zum Zuge kommen, erklärte Groß – eine vielversprechende Quote. In Gang kommt das Bewerbungsverfahren nur durch gute Ideen der Bürger und mehr: „Wir brauchen Leute, die sich engagieren“, sagte Groß und verwies auf die guten Erfahrungen aus dem Planungsprozess zum Projekt Lenneschiene.

Die Bürgerstammtisch’ler rechneten aus: Wenn es die 3,5 Millionen aus Brüssel nur dann gibt, wenn gut die Hälfte dieser Summe zusätzlich in der geförderten Region aufgebracht wird, so müssen immerhin rund 1,8 Millionen Euro vor Ort zusammenkommen. Klamme Stadtkassen könnten das nicht leisten. „Wenn Sie kurz vor dem Sparkommissar sind, sind 100 000 Euro doch schon zuviel“, hieß es aus der Runde. Eigenleistungen der Beteiligten werden angerechnet, lautete ein wichtiger Hinweis von Groß.

Spannend wurde die Debatte besonders dort, wo die Bürger über das sprachen, was Werdohl einerseits fehle, aber auch, was die Stadt auszeichne. „Es fehlt etwas für die Jugend“, lautete ein zentraler Hinweis. Und was zeichnet Werdohl in besonderer Weise aus? Heiterkeit löste Groß’ Bemerkung aus, dass Gäste der Feriensiedlung am Aqua-Magis in Plettenberg durch Werdohl fahren, wenn sie nach Altena zum Aufzug und zur Burg wollen. Denn aus Sicht der Werdohler liegt die Betonung dieses Satzes offenbar auf dem „durch“.

Doch was könnte Touristen locken, länger in Werdohl zu verweilen? Der Kletterfelsen stellt solch ein attraktives und erfolgreiches Angebot dar. Eine verbesserte Infrastruktur für Radtouristen an der Lenne könnte weitere Besucher anlocken. Glücklicherweise vorbei seien die Zeiten, in denen die Menschen des Ruhrgebiets ins Sauerland fahren mussten, um einmal unbeschwert atmen zu können. Doch es gibt sie – jene Tagestouristen, die die Lenne auf dem Fahrrad oder dem Motorrad begleiten, ein Stück auf dem Sauerland-Höhenflug wandern, auf Geocaching-Tour gehen, am Gleitschirm hängend über die Wälder fliegen oder das Apfelfest auf dem Hof Crone besuchen.

Nicht alle haben eine Stulle im Gepäck. Deshalb war auch die Gastronomie Thema des Gesprächs: „Wir brauchen kein Super-Hotel, sondern das Schnitzel und die Gelegenheit zum Einkehren.“ Und so wäre es schön, wenn Menschen, die hier übernachten wollten, ein bequemes Bett fänden: Die Qualität der bestehenden Beherbungsbetriebe sei ein Problem, hieß es.

Von Thomas Krumm

Weitere Infos sowie die nächsten Gesprächstermine gibt es auf www.lenneschiene.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare