Der Neustart ist gescheitert

FSV Werdohl: Streit um tausende Euro Beiträge

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Als vier Freunde präsentierten sich Thomas Kauth, Reinhard Thöne, Rüdiger Backes und Dirk Hartig (von links) als frisch gebackene Vorstände der FSV im Mai vergangenen Jahres. Thöne und Hartig sind schon vor Wochen zurückgetreten, Kauth leitet die Finanzen nur noch bis zur nächsten Wahl. Nur Backes will bleiben.

Werdohl – Weniger als neun Monate nach der Verselbstständigung der FSV Werdohl steht der einst so stolze Fußballverein vor einem Scherbenhaufen.

Zwei der vier damals neu gewählten Vorstände haben sang- und klanglos hingeschmissen, der dritte Vorstand wird sein Amt in den kommenden Monaten wegen Überlastung niederlegen. 

Verhandlungen mit dem Wunsch-Trainer und neuen Spielern können nicht abgeschlossen werden, weil der Vorstand offenkundig nur eingeschränkt handlungsfähig ist. Zudem gibt es Streit mit dem ehemaligen Trägerverein TuS Jahn wegen mehrerer tausend Euro Mitgliedsbeiträge. Die FSV steckt in einer tiefen Krise. 

Dirk Hartig, bei der Jahreshauptversammlung im Mai 2019 als Vorstand für den Bereich Geschäftsführung gewählt, hatte die neue Formation offenbar nach Streitigkeiten Ende Januar 2020 verlassen. Sport-Vorstand Reinhard Thöne hatte seinen Posten Ende 2019 „aus persönlichen Gründen“ niedergelegt.

Scheumann dementiert Rückkehr in den Vorstand

Noch Mitte Februar hatten die beiden verbleibenden Vorstände Thomas Kauth (Finanzen) und Rüdiger Backes (Jugend) erklärt, dass Gert Scheumann kommissarischer Geschäftsführer sei. Das dementierte Scheumann auf Nachfrage unserer Zeitung: „Ich komme gerade erst aus dem Urlaub. Ich helfe der FSV bei den Spieleranmeldungen, das mache ich von Zuhause aus. Ich habe kein Amt.“ Scheumann hatte fast 40 Jahre lang nahezu alle Posten bei der FSV innegehabt und sich im vergangenen Jahr komplett zurückgezogen. In einem Kraftakt hatte Scheumann maßgeblich die neue Satzung erarbeitet und die Loslösung der FSV von den Trägervereinen in die Wege geleitet. Aus alter Verbundenheit helfe er etwas aus, so Scheumann, aber aktuell besuche er weder Versammlungen noch frage er nach Hintergründen oder Zusammenhängen. 

Bei der Versammlung zur Satzungsänderung im April 2019 waren die FSVer noch optimistisch, mit neuer Satzung und der Loslösung von den Trägervereinen einen funktionierenden Vorstand aufbauen zu können. Bislang hat so gut wie garnichts geklappt.

Die beiden Rest-Vorstände Kauth und Backes hatten vor wenigen Wochen wegen der Notstände zu einem formlosen Treffen eingeladen. Rund 30 erwachsene Männer hatten die Situation besprochen und Absichtserklärungen abgegeben. Backes war für die Redaktion nicht zu erreichen, Thomas Kauth sagte auf Nachfrage, dass er aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nicht noch ein Jahr die Arbeit des Finanzvorstands leisten könne. 

Gibt es einen Nachfolgekandidaten?

Kauth ist selbstständiger Finanzberater und beruflich voll unter Druck. Es sei sehr aufwendig, neben dem Job noch ein paar Mal pro Woche von Lüdenscheid nach Werdohl zu fahren und sich um den Verein zu kümmern. Kauth: „Ich habe das damals unterschätzt.“ Sein Arzt habe ihm geraten, kürzer zu treten. Bevor der Stress in der Freizeit seine Gesundheit bedrohe, werde er bei der nächsten Jahreshauptversammlung vermutlich im April nicht wieder kandidieren. Für seine Nachfolge habe er einen Kandidaten gefunden, den er aber noch nicht benennen möchte. Für den Vorstand Sport gebe es wahrscheinlich einen Kandidaten, aber auch dieser Name sollenoch nicht genannt werden. Für den Vorstand Geschäftsführung sei momentan niemand in Sicht. 

Mit dem ehemaligen Trägerverein TuS Jahn gibt es eine Auseinandersetzung wegen der Mitgliedsbeiträge, bestätigte Kauth. Im September habe der TuS für 250 bis 300 Mitglieder der Fußballabteilung Beiträge eingezogen. Kauth: „Seit Anfang 2020 ziehen wir selbst ein, aber wir wollen auch unsere Beiträge von September vom TuS haben.“ Dabei handele es sich um einige tausend Euro. Vor neun Monaten war gemeinsam beschlossen worden, dass TuS Jahn und DJK alle Mitglieder der Fußballabteilungen an die FSV übergeben. Kauth: „Bei der DJK hat der Übergang geklappt, beim TuS offensichtlich nicht.“

Nach umfangreichen Vorbereitungen und in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund gab sich die FSV im April 2019 eine neue Satzung. Seitdem hat die FSV vier gleichberechtigte Vorstände, von denen zwei den Verein juristisch vertreten. Die Vorstände vertreten die Bereiche Sport, Geschäftsführung, Finanzen und Jugend. Neben der Hauptsatzung hat sich der Vorstand eine Geschäftsordnung gegeben, die alles weitere regelt. 37 von 39 Mitgliedern stimmten für die neue Satzung.

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