In Werdohl sterben die Fische in Lenne-Pfützen

Das ist die Wehranlage an der Schlacht. Nach Ansicht der Angler lässt der Turbinenbetreiber die Lenne trocken fallen, um Wasser für die Stromerzeugung abzuleiten. Dabei starben die erst vor kurzem eingesetzten Fische.

WERDOHL ▪ Bei der Lennereinigung der Werdohler Sportfischer am vergangenen Wochenende mussten die Angler wieder einmal feststellen, dass die Lenne unterhalb des Wehres an der Schlacht ausgetrocknet war. Über das Wehr lief kein Wasser und in der Fischtreppe floss nur ein karges Rinnsal. Im Lennebett selbst befanden sich bloß noch kleine Pfützen, in denen zahlreiche Fische verendet waren.

Für die Sportfischer ist dieser Umstand besonders ärgerlich, da sie erst vor 14 Tagen Fischbrut und zahlreiche Jungfische in der Lenne ausgesetzt hatten. „Diese Arbeit ist nicht nur mühsam, sondern auch mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden“, beklagt Peter Rittinghaus, der Ehrenvorsitzende der Interessengemeinschaft der Lennetaler Sportfischervereine, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Angler suchten nach der Ursache für diesen Zustand – und wurden auch fündig, denn die vom abzweigenden Obergraben gespeiste Turbine arbeitete augenscheinlich mit voller Leistung und entzog dadurch den Fischen in der Ausleitstrecke unterhalb des Wehres ihre Lebensgrundlage. Eine erhebliche Menge verendeter Fische waren die Folge.

Die Angler dokumentierten den Fall und informierten die zuständigen Umweltbehörden. Auch die Polizei sei hinzu gerufen worden, zu einem Einsatz konnte deren Sprecher aber keine Angaben machen.

„Der Betreiber der Anlage ist durch die Genehmigungsverfügung der Bezirksregierung verpflichtet, eine festgelegte Wassermenge in die Ausleitstrecke unterhalb des Wehres abzulassen, selbst wenn dann die Turbine nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden kann“, stellt Peter Rittinghaus die Vorgaben dar, die aus Sicht der Sportfischer aber nicht eingehalten wurden.

Die Angler trafen bei der Lennereinigung in der Nähe der Turbine einen Mitarbeiter des Betreibers und baten ihn, die Anlage entsprechend der Genehmigung zu fahren. Das beeindruckte den Mann wenig. Erst nachdem die Angler ihn auf eine bereits erfolgreiche Schadensersatzforderung hinwiesen, wie sie in einem vor einiger Zeit gleichgelagerten Fall an gleicher Stelle erstritten wurde, habe er die Turbine heruntergeregelt. Innerhalb einer halben Stunde habe sich der Wasserstand normalisiert, so Rittinghaus. Ursprünglich gehörte die Anlage dem Altenaer Unternehmer Chafik Itany. Nach dessen gewaltsamen Tod ist die Nachfolge ungeklärt. Betrieben wird die Anlage von jemand anderem, auch hier ist die Besitzlage nicht klar. Der vermutliche Betreiber der Anlage war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nicht bekannt ist laut Rittinghaus den Anglern, ob eine amtliche Genehmigung für den Dauerbetrieb der Anlage vorliege oder seit Jahren nur ein Probebetrieb gefahren werde.

„Auch die gesetzlich erforderliche Markierung der Stauhöhe des Wehrs ist nicht auffindbar,“ so Rittinghaus: „Dadurch ist es auch nicht überprüfbar, ob der Stau der erlaubten Höhe entspricht.“

Die Mitglieder der Angelvereine sind über das Verhalten des Betreibers empört, jeder Trockenfall der Ausleitstrecke koste vielen Fischen das Leben und sei ein enormer ökologischer und wirtschaftlicher Schaden. „Dies werden sich die Pächter des Fischereirechtes nicht mehr gefallen lassen“, kündigt der Ehrenvorsitzende an. ▪ sim

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