Dashcams in Taxis sorgen bald für Rechtssicherheit

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Jörg Knips von Citycar Werdohl wird alle Taxis mit Dashcams ausrüsten, um bei Unfällen auf der sicheren Seite zu sein. Er testet gerade verschiedene Modelle.

Werdohl - Jörg Knips, Inhaber des Werdohler Taxiunternehmens Citycar, lässt bald alle fünf Fahrzeuge mit Dashcams ausrüsten. Er begrüßt das jüngste Gerichtsurteil, das den Unschuldsbeweis durch eine Unfallüberwachungskamera höher bewertet als den Datenschutz. Andere Fuhrpark-Betreiber in Werdohl sind zurückhaltender. 

Knips hat sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt. Seit 2006 ist er mit dem Unternehmen Citycar im Werdohler und auch im Neuenrader Markt unterwegs. Das Ladenlokal am Bahnhof hat er vor längerer Zeit aufgegeben, die Zentrale ist dennoch in Werdohl in einem Privathaus. „Wir sind in der Erprobungsphase mit Dashcams“, sagt er. Die Erprobung besteht allerdings nur in der Wahl des Modells, grundsätzlich habe er sich schon für den Einsatz der Kameras entschieden. 

Auslöser sei ein Unfall im Mai in Neuenrade gewesen. Sein Fahrer sei bei Grün in die Kreuzung eingefahren und von einem auswärtigen Pkw gerammt worden. Der gegnerische Fahrer habe gegenüber der Versicherung angegeben, sich nicht an die Farbe der Ampel erinnern zu können. Da es keine Zeugen und keine Dashcams gab, steht für die Versicherung Aussage gegen Aussage. 

"Sind auf dem Totalschaden sitzen geblieben"

„Wir sind auf dem Totalschaden unseres Fahrzeugs sitzen geblieben“, erzählt Jörg Knips. Seitdem habe er kein Vertrauen mehr in die Gerechtigkeit im Straßenverkehr: „Wenn es keine Zeugen gibt, kann vor Gericht jeder alles behaupten.“ 

Knips testet in den Fahrzeugen zwei verschiedenen Modelle. In einem Winkel von etwa 170 Grad wird die Straße vor dem Auto gefilmt, der Film auf eine SD-Karte gespeichert, die dauernd neu überschrieben wird. Jeweils die letzte halbe Stunde lässt sich so festhalten. Die Frage ist, ob eine Infrarot-Kamera für die Nachtsicht nötig ist. Auf einer Tageslicht-Dashcam sind in der Nacht nur die Scheinwerfer des entgegenkommenden Fahrzeugs zu sehen. 

Dient die Tonaufnahme der Beweissicherung? 

Die Frage, ob auch der Ton aufgenommen wird, ist für den Taxiunternehmer relevant. Knips fragt sich, ob das Aufnehmen des Blinkergeräuschs auch einen möglichen Beweis darstellt. Dabei werde natürlich auch jedes Gespräch im Innenraum aufgezeichnet. In diesem Fall müssten die Fahrgäste darauf hingewiesen werden. 

Eine Innenraumüberwachung per Video zum Schutz der Fahrer ist bei Citycar kein Thema. Die meisten Fahrten seien vertraglich vereinbart, so genannte „Bar-Fahrten“ auf Anruf würden immer seltener. 

Aufgeschlossen ist auch der Werdohler Taxiunternehmer Jörg Hofeditz: „Natürlich hätte ich gerne Dashcams in meinen Fahrzeugen.“ Er kann sich vorstellen, seine vier Wagen mit den Unfallüberwachungskameras auszurüsten. „Im Laufe der Jahre gab es schon mal einen Unfall“, sagt Hofeditz. Häufig habe er zudem erlebt, dass es brenzlige Situationen im Straßenverkehr gibt: „Dann schimpfen viele auch noch, und glauben, sie hätten alles richtig gemacht“, ärgert sich der Werdohler, der selbst am Steuer seiner Taxen sitzt, über manche Autofahrer. 

Auch in solchen Fällen – zumindest wenn es zu einem Wortgefecht auf der Straße kommt – hält er eine Dashcam für sinnvoll. „Dann könnte man einfach nachsehen, wer im Recht ist.“ 

„Einfach nachsehen, wer im Recht ist“

 Hofeditz fände es nicht schlecht, wenn Filmmaterial aus dem Auto grundsätzlich immer als Beweismittel vor Gericht zugelassen würde. „Der aktuelle Fall beweist doch, dass man damit sein Recht bekommen kann.“ Deshalb möchte sich der Taxiunternehmer jetzt schlau machen – und eventuell Dash- oder Crashcams in seinen Taxen installieren. 

Vom dritten Werdohler Taxiunternehmen MS war keine Stellungnahme zu erhalten. Der Chef befände sich in Urlaub, hieß es. 

Für die Fahrzeuge der Post- und Paketboten, die im Auftrag der Deutschen Post unterwegs sind, seien Dashcams vorerst keine Option. Pressesprecher Alexander Böhm sagte auf Anfrage, es werde sicher noch eine Weile dauern, bis im Unternehmen entsprechende Entscheidungen getroffen würden. „Das Urteil besagt ja, dass Dashcams im Zweifel als Beweismittel erlaubt sind, zumindest der Dauerbetrieb an sich aber noch verboten ist. Und das ist eine Regelung, über die wir uns natürlich auf keinen Fall hinwegsetzen werden“, unterstreicht Böhm. 

Menshen-Lkw werden per GPS überwacht

Gar kein Thema sind Dashcams beim Fuhrpark von Menshen Entsorgung. Keiner der 17 Lkw, davon mehr als die Hälfte mit Anhänger, seien mit einer Kamera ausgerüstet. Beschädigungen an den Lastwagen durch Dritte seien selten. „Das läuft eher andersherum“, so Stefan Kruse, Disponent bei Menshen. Häufiger sei es der Fall, dass Autofahrer behaupten würden, Opfer eines Unfalls mit einem Lkw geworden zu sein. 

„Das können wir aber meistens aufklären, weil alle unsere Wagen per GPS über eine Standortbestimmung verfügen“, so Kruse. Vielleicht würde der Einbau von Dashcams in ein paar Jahren Standard, vermutet Kruse angesichts der sich aktuell wandelnden Auffassung bei den Gerichten.

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