Fördermittel von der EU

Stadt im MK soll erneut zum Vorzeigeprojekt für Integrationsarbeit werden

Eine bulgarische Familie in ihrem Wohnzimmer in Werdohl im März 2020. Die Stadt Werdohl bekommt 310 000 Euro für die Bemühungen um Integration von Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Die Arbeit hat bereits im September begonnen.
+
Eine bulgarische Familie in ihrem Wohnzimmer in Werdohl im März 2020. Die Stadt Werdohl bekommt 310 000 Euro für die Bemühungen um Integration von Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Die Arbeit hat bereits im September begonnen.

Werdohl mit seinem überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil soll zum zweiten Mal Vorzeigeprojekt für Integrationsarbeit werden.

Das erste große Werdohler Integrationsprojekt „Wip el ele“ richtete sich an türkische Einwanderer und Einwanderinnen, mit dem neuesten Projekt „Europa für alle“ geht die Stadt Werdohl auf bulgarische und rumänische Familien zu.

Der Stadt Werdohl sind durch die Landesregierung 310 000 Euro Fördermittel für einen Zeitraum bis Dezember 2022 zugewiesen worden. Die Mittel waren im April zugesagt und im Mai vertraglich gebunden worden. Michael Tauscher war früher Stadtjugendpfleger, in jüngster Vergangenheit ist er bei der Stadt auch für die Arbeit mit Flüchtlingen eingesetzt worden, zudem macht er sich Gedanken über den demografischen Wandel. Mit dem EU2-Projekt zur Integration von Menschen aus Südosteuropa hat er eine neue Aufgabe übernommen.

Räume im städtischen Gewerbehof

Tauscher begann schon im Frühsommer mit dieser Arbeit. Dem Projekt wurden Räume im 1. Obergeschoss im städtischen Gewerbehof an der Neustadtstraße zur Verfügung gestellt. Diese mussten zunächst renoviert werden, gleichzeitig suchte Tauscher nach Personal für die Tätigkeit als Sprach- und Kulturmittler.

Mit der gebürtigen Bulgarin Margarita Encheva aus Balve ist über das kommunale Integrationszentrum des Kreises eine Person gefunden worden, die seit dem 1. September als bulgarische Sprach- und Kulturmittlerin in Vollzeit angestellt worden ist.

Sprach- und Kulturmittlerin eingestellt

Eine rumänische Sprach- und Kulturmittlerin ist mit 25 Wochenstunden zum 1. November angestellt worden.

Anfang Oktober entschieden sich die Beteiligten, das neue Projekt „Europa für alle“, kurz EfA, zu nennen. Eine Abordnung der Landesregierung, vertreten durch die landesweite Koordinierungsstelle, Leute von der Bezirksregierung und vom Märkischen Kreis trafen sich am 1. Oktober im Gewerbehof und besuchten die EfA-Räume.

Insgesamt werden 21 Kommunen gefördert

Tauscher, der zurzeit erkrankt ist, nimmt an Telefon- und Videokonferenzen mit allen beteiligten Kommunen in Nordrhein-Westfalen und mit der Landes- und der Bezirksregierung teil. Insgesamt werden 21 Kommunen in NRW durch das Land gefördert, davon sind zehn Städte und Gemeinden in 2020 neu dazu gekommen. Werdohl ist die kleinste geförderte Kommune in NRW.

2021 soll das Werdohler EU2-Projekt bei der Landesregierung als Modellprojekt präsentiert werden. Der Zuzug von EU2-Bürgern nach Werdohl hält unvermindert an. Stand Ende Dezember leben 354 Menschen mit bulgarischem Pass in Werdohl, davon sind 172 männlich. 155 Personen haben die rumänische Staatsangehörigkeit, davon sind 85 männlich. Diese Zahlen teilte Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel mit.

In Kontakt mit bulgarischen und rumänischen Familien

Die beiden EfA-Mitarbeiterinnen stehen laut Tauscher mit etwa 30 bulgarischen und zehn rumänischen Familien im regen Kontakt. Wegen der Pandemie seien momentan nur Einzel- und Familienkontakte möglich. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Gruppen konnte noch nicht aufgenommen werden.

Die Sprach- und Kulturmittlerinnen bieten Hilfe zur Selbsthilfe in allen Lebenslagen; kümmern sich um aufenthaltsrechtliche Fragen; helfen bei Anträgen für Jobcenter, Familienkasse, Arbeitsagentur und Krankenkasse; sichten und übersetzen Unterlagen; begleiten zu Behörden und Ärzten; beschäftigen sich mit Schulverweigerung; übersetzen für Wohlfahrtsverbände und Behörden; bleiben in Kontakt mit Vermietern; begleiten Schuldenproblematiken und suchen nach Betreuungsplätzen in Kindertageseinrichtungen. Von den 310 000 Euro werden 179 000 Euro für Personalausgaben aufgewandt. Die Renovierung und Möblierung der Räume im Gewerbehof hat 60 000 Euro gekostet. 10 000 Euro Mietkosten, 17 000 Euro Bewirtschaftungskosten der Räume und 44 000 Euro Honorarkosten sind geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare