Werdohl: Siegfried Griebsch blickt auf Amtszeit

Dieses schicke „Äppel EiPhone“ schenkte Verwaltungsmitarbeiter Reinhardt Haarmann dem Bürgermeister vor fünf Jahren zum Amtsantritt. - Foto: Raidt

WerdohlJ Als in der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl 2009 ein Ausschussmitglied eine Frage stellte, fühlte sich Siegfried Griebsch erst gar nicht angesprochen. „Dann merkte ich: Ach, ich bin ja jetzt Bürgermeister und muss antworten“, erinnert sich das Werdohler Stadtoberhaupt. Bürgermeister zu sein, das sei „noch eine Stufe anspruchsvoller“, als man es von außen mitbekomme. „Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben“, sagt der 58-Jährige. „Ich bin mit meiner Amtszeit im Großen und Ganzen zufrieden.“

Die Eröffnung des sanierten Bahnhofs im vergangenen Sommer sei einer der schönsten Momente gewesen, sagt Griebsch. Auch als er im Herbst 2010 den ersten Bewilligungsbescheid für den Stadtumbau bekam, habe er sich sehr gefreut. Aber vor allem freut sich Siegfried Griebsch, wenn ihn Kinder auf der Straße erkennen und mit Namen grüßen. „Die Kinder registrieren, wenn man oft zu ihnen in die Schule oder in den Kindergarten kommt und Spaß daran hat“, sagt der 58-Jährige. „Das ist wirklich toll.“

Gut eine Woche vor seinem letzten Arbeitstag erfüllt den Verwaltungschef „eine gehörige Portion Wehmut“. Am meisten vermissen werde er die Menschen – seine Kollegen und die vielen anderen, mit denen er durch sein Amt in Kontakt kommt. Natürlich seien die Werdohler noch da, „aber ich treffe sie ja nicht mehr jeden Morgen“. Viele Projekte, die er während seiner Amtszeit angestoßen hat, hätte er gerne selbst weiter begleitet – allen voran den Umbau des Brüninghaus-Platzes.

Aber er freue sich auch darauf, keine Verpflichtungen mehr zu haben, sagt Griebsch. „Ich will erstmal durchpusten und den Tank wieder aufladen.“ Nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen habe er im vergangenen Jahr entschieden, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. „Der Job belastet mich so, dass ich ihn nicht für sechseinhalb Jahre weitermachen kann“, sagt das Stadtoberhaupt. „Deshalb habe ich die Notbremse gezogen.“ Nur auf halber Flamme wolle er nicht arbeiten, „entweder ganz oder gar nicht.“

Auch für seine Familie will der 58-Jährige mehr Zeit haben. „Meine Frau ist auch schon in Rente“, sagt der Noch-Bürgermeister. Siegfried Griebsch ist Vater einer 36-jährigen Tochter und eines 35-jährigen Sohns. Vor knapp einem Jahr, im Juli, kam außerdem sein erstes Enkelkind Valentino zur Welt. Für den Herbst hat er erst einmal einen Besuch bei seiner Tochter geplant. Die Tierärztin lebt zur Zeit in Australien. „Ende des Jahres werde ich dann weitersehen“, sagt Griebsch. Vielleicht werde er sich ehrenamtlich engagieren. „Auf jeden Fall werde ich nicht nichts tun.“

Seine neue Freiheit möchte der Pensionär auch nutzen, um wieder Sport zu machen. Vor ein paar Jahren habe er den Marathon für sich entdeckt, erzählt Griebsch. 2007 lief er in Köln, 2008 in Berlin. „Danach kam der Wahlkampf-Marathon“, sagt der 58-Jährige. Auch während seiner Amtszeit sei er nicht mehr zum Laufen gekommen. „Jetzt ist mein Ziel, wieder fit zu werden“, hat er sich vorgenommen.

Der „Wahlkampf-Marathon“ im Jahr 2009 sei „richtig anstrengend“ gewesen, erinnert sich Griebsch. Schließlich sei sein Konkurrent Heiner Burkhardt nach langjähriger Tätigkeit in der Werdohler Kommunalpolitik „ein Schwergewicht“ gewesen. „Ich habe wochenlang an Haustüren geklingelt und mein Wahlmaterial persönlich überbracht“, erzählt das scheidende Stadtoberhaupt. Zwar habe er dafür auch Urlaub genommen, viel habe er aber nach Feierabend erledigen müssen. „Manchmal bin ich auch in der Mittagspause nach Werdohl gefahren, weil ich mir noch zwei Straßen vorgenommen hatte“, sagt Griebsch.

Bis zu seiner Wahl arbeitete der gebürtige Iserlohner bei der Stadtverwaltung Plettenberg, seine Ausbildung und die ersten Berufsjahre verbrachte er bei der Stadtverwaltung Iserlohn. „Jetzt, wo mein letzter Arbeitstag vor der Tür steht, denke ich oft an den ersten“, sagt Griebsch. Am 1. August 1971 habe er im Alter von 15 Jahren seine Ausbildung begonnen – ausgerechnet im Standesamt. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet“, erinnert sich der 58-Jährige und lacht. Am ersten Tag hätten seine Vorgesetzten und Kollegen vor allem viel mit ihm geredet und ihm erklärt, wo die Heirats-, Geburten- und Sterbebücher stehen. „Und wo die Kaffeemaschine ist, das gehörte auch dazu“, sagt Griebsch.

Nach Werdohl zog der Verwaltungsmitarbeiter schon im Jahr 1975. Da heiratete Siegfried Griebsch seine Frau Monika, die aus Werdohl stammt. Kennengelernt hatten sich die beiden auf der Alexanderhöhe in Iserlohn, in der damaligen Diskothek Alhambra; heute ist dort das Parktheater. In die SPD trat Griebsch im Jahr 1988 ein, von 1999 bis 2009 vertrat er die Partei im Werdohler Rat. „Ich hatte einfach Interesse, vor Ort mitzumischen“, beschreibt der 58-Jährige seine Motivation.

Ob er noch einen Tipp für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin hat? „Die Ziele der Haushaltssanierung unter allen Umständen weiterverfolgen“, sagt Griebsch. Aber auch strukturell müsse die Stadt sich weiterentwickeln, dafür seien Fördermittel unabdingbar. Der Stadtumbau und der Stärkungspakt haben ihn durch seine ganze Amtszeit begleitet. „Es wird auch in Zukunft viel Kraft kosten, zu erklären, dass beides zusammengehört“, ist Griebsch sicher.

Von Constanze Raidt

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