Badegäste zeigen Verständnis für Ver- und Gebote

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Alexander Schulte albert mit seinem Sohn Nikolaus herum. Der Zweijährige ist offensichtlich alles andere als wasserscheu.

Werdohl - Um das Fotografierverbot in Schwimmbädern durchsetzen, greifen erste Einrichtungen bereits zu Aufklebern, beispielsweise die Salztherme Lüneburg. Denn: Ein Handy- und Smartphone-Verbot lässt sich einfach nicht durchsetzen.

Eine schwäbische Firma hat sogar schon Sicherheitssiegel entworfen, mit dem die Fotolinse des Mobiltelefons abgeklebt werden kann. Diese lassen sich einfach und rückstandslos wieder entfernen, zerbrechen dann aber. Sie lassen sich also nicht einfach wieder aufkleben. So haben die Schwimmmeister eine Kontrollmöglichkeit.

Hintergrund: Manche fotografieren im Freibad nicht nur, um Familienfotos oder Schnappschüsse ihrer Freunde zu machen. Bilder leichtbekleideter Mädchen in Bikinis sind in den Untiefen des Internets sehr begehrt. Und auch Mobbing ist ein Thema: Welcher Jugendliche will schon ein Foto von sich in den sozialen Netzwerken finden mit dem Spruch: „Schaut mal: Kevin hat eine gelbe Badebuxe. Sieht aus, als hätte er sich in die Hose gemacht!“

Aufkleber für die Handy-Fotolinse gibt es an der Kasse des Ütterlingser Freibades nicht. Schwimmmeisterin Tanja Midderhoff schaut aber schon nach dem Rechten und fragt auch mal nach, wenn sie sieht, dass jemand Bilder macht. „Keiner will ja Fotos von sich selbst auf Facebook entdecken. Von daher reagieren alle mit Verständnis.“

Das gelte grundsätzlich, wenn die Schwimmeisterin ihr Klientel auf Verbote und Gebote anspricht. Neueste Unsitte mancher Freibad-Besucher: „Seit zwei Jahren bringen manche ihre Wasserpfeife mit ins Bad.“ Von den Gesundheitsgefahren des Qualms einmal abgesehen, könnten diese auch umfallen und zerbrechen. Und die Scherben könnten hernach zu Unfällen führen. Deshalb sieht Midderhoff bei mitgebrachten Getränken auch Glasflaschen nicht so gerne. „Auf dem Rasen ist das noch okay, am Beckenrand geht das aber gar nicht.“ PET-Flaschen seien hingegen immer in Ordnung.

Zu viel trinkt der Ütterlingser Badegast im Allgemeinen nicht. Da genehmigt sich zwar mal eine Gruppe gemeinsam ein Bierchen, aber noch musste Midderhoff keinen daran hindern, alkoholisiert ins Becken zu steigen. Mehr Probleme hat sie mit den Mode-Vorstellungen manch eines Sauerländers, der auf der Suche nach Abkühlung im Wasser ist.

„Seit Jahren tragen viele Unterwäsche unter der Badehose.“ Dass das aus hygienischen Gründen nicht erlaubt ist, erklärt sich von selbst, sollte man meinen. „Ich mache sie dann darauf aufmerksam, am Ende der Saison haben sie es dann begriffen“, sagt Midderhoff und lacht – wohl wissend, dass sie zu Beginn der kommenden Saison alles wieder neu erklären muss. „Auch zu lange Hosen sind nicht erlaubt.“ Boxer-Shorts in 7/8-Länge saugen sich voll, wie übrigens auch T-Shirts. Ungeübte Schwimmer werden damit unter Wasser gezogen. „Es gibt aber auch UV-Schutz-Shirts, die fürs Wasser geeignet sind.“

Es ist kaum zu übersehen, das Verbot, gleichwohl hält sich nicht jeder daran.

Zur Not bietet Midderhoff den Badewilligen Leihkleidung an. Auch können sich Erfrischung Suchende Matten und Reifen zum Spielen im Becken ausleihen. „Damit oder mit mitgebrachten Gummitieren sollten aber nicht zu viele Faxen gemacht werden“, hat die Schwimmmeisterin schon ein Auge auf die Ordnung. „Alles ist natürlich immer abhängig vom Betrieb.“ Wenn das Wasser voll ist, müssen Schwimminsel und Gummi-Ente aus dem Becken weichen. Die Ütterlingser Badegäste hätten auch diesbezüglich stets Verständnis, versichert Midderhoff.

Kaum noch zu sehen ist die Bademütze. Lange Haare sollten von Männern und Frauen zusammengebunden werden. Das nicht zu tun, ist aber nicht verboten. Ganz anders sieht das mit dem Springen vom Beckenrand aus. Was schon vor Jahrzehnten nicht erlaubt war, „haben manche Badegäste auch heute noch nicht begriffen“, sagt Midderhoff und lacht. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene springen mit Anlauf ins Becken. „Manche machen das wohl gar nicht mit Absicht, sondern aus der Emotion heraus“, glaubt Midderhoff. Gefährlich bleibt es trotzdem. Und so ermahnt die Schwimmmeisterin diejenigen, die zu ungestüm sind: „Bei Hochbetrieb sage ich das mehrmals pro Minute“.

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