Aus Hartz IV zum Kletterhallen-Chef

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René Brehm erfüllt sich mit der Kletterwelt Sauerland seinen beruflichen Lebenstraum, mehrere Jahre hat er vor Eröffnung im Dezember auf dieses Ziel hingearbeitet.

Rosmart - „Als mir Ärzte sagten, mein Handgelenk müsste auf Dauer teilweise versteift werden, war ich ziemlich mit den Nerven runter“, erinnert sich René Brehm mit Schrecken an diese Diagnose. Damals war er 23 Jahre alt und hatte sich gerade für den Klettersport begeistert.

Heute sitzt Brehm als geschäftsführender Gesellschafter der Kletterwelt Sauerland auf Rosmart entspannt inmitten seines beruflichen Lebenstraums. „Man kann es tatsächlich so sagen: Ich habe mich aus Hartz IV heraus selbstständig gemacht“, lächelt er über die extrem anstrengende und aufregende Zeit als Existenzgründer.

Brehm ist in Hagen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Zwar hatte er mit der Schule mal eine Kletterhalle in Dortmund besucht, aber seine sportlichen Ambitionen steckte er komplett in den Fußball.

Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre als Industriekaufmann in Schalksmühle. Nach einem weiteren Jahr dort kam die Wirtschaftskrise, Brehm musste das Unternehmen verlassen.

„Da hatte ich aber schon berufsbegleitend mein Studium als Betriebswirt in Essen begonnen“, erzählt er seinen Lebensweg. Zum Ausgleich ging er Klettern in einem Fitnessstudio mit Kletterwand in Schalksmühle. Dort lernte er seine heutigen Geschäftspartner York und Stefanie Kramer kennen, die in Halver einen Kletterwald betreiben.

In diese Zeit fällt auch die schwere Handgelenksverletzung, die ohne ein besonderes Unfallereignis bei ihm auftrat. Ein sehr komplizierter Bruch des Kahnbeins mit einer Sehnenverletzung und Arthrose führte ihn insgesamt zu zwölf Ärzten, von denen ihm keiner Hoffnung machen wollte. Klettern sollte er nicht mehr, wurde ihm gesagt, das Handgelenk würde wohl größtenteils steif bleiben.

„Das als junger Mann mit sportlichen Zielen gesagt zu bekommen ist schon ein Einschnitt“, erinnert er sich. Aber dann fand er einen Handchirurgen, der Hoffnung machte und den Eingriff vornahm. Zwölf Wochen Gips, mehr als ein Jahr Rehabilitation – „danach konnte ich wieder klettern und meine Sachen machen.“

Florian Schwarz ist stellvertretender Geschäftsführer der Kletterwelt, hier schraubt er gerade neue Routen.

Gleichzeitig reifte immer stärker der Plan, irgendwo zwischen Hagen und Lüdenscheid eine Kletterhalle zu bauen. „Weil hier in der Region einfach eine fehlte“, gibt er den Grund an. Die Leidenschaft für den Klettersport hatte ihn so sehr gepackt, dass er damit sein berufliches Wissen kombinierte und sich an die Arbeit machte.

Nach dem Studium war für ihn klar, dass er eine Halle einrichten und sich damit selbstständig machen wollte. Durch Förderung der Arbeitsagentur absolvierte er einen SAP-Beraterlehrgang. Nach und nach entwickelte er einen Business-Plan. Aber noch war er auf der Suche nach einem Standort.

Bei der ersten Erkundung war das Gewerbegebiet Rosmart noch viel zu teuer: „130 Euro pro Quadratmeter wollten die damals haben“, erzählt Brehm, „später sind wir etwa bei der Hälfte gelandet.“ Ein bestehendes Objekt in Lüdenscheid wollte er umbauen, in Hagen hatte er auch etwas in Aussicht. Dann wurde ihm klar, dass er komplett neu bauen wollte.

„Ich hatte auch etwas technisches Zeichnen gelernt, da habe ich die ersten Entwürfe für die Halle auf Rosmart eben selbst gemacht.“ Unterstützung für die Kletterhallen-Pläne fand er bei einem Outdoor-Consulter in Ravensburg. Brehm schaute sich Kletterhallen in ganz Deutschland an, um Lösungen für Details zu finden.

Dann wurde es ernst: Mit Unterstützung der SIHK führte er Gespräche mit Banken. „Die haben mir gesagt, dass der Business-Plan zu 20 Prozent eine Bank überzeugt, 80 Prozent mache die Gründer-Persönlichkeit aus.“

Der Rest bis zur Eröffnung der Kletterhalle ist bereits erzählt: Letztlich entschied sich Brehm für die Finanzierung durch die Volksbank, der plötzliche Tod des Architekten produzierte Zeitnot, bis zur Eröffnung am 3. Dezember fielen so viele Nachtschichten und Arbeitseinsätze an, dass Brehm und sein Kompetenz-Team mit Fritz Blach, Michael Haugk sowie York und Stefanie Kramer ganze Nachtschichten beim Hallenbau verbrachten. Zu erwähnen sind auch seine Eltern Erika und Sieghard Brehm, die ihren Sohn tatkräftig und in jeder Hinsicht unterstützen.

„Man geht nicht nach dem Klettern einen Kaffee trinken, sondern Kaffeetrinken ist Teil des Kletterns.“, so wird Kletter-Legende Wolfgang Güllich zitiert. Mit dem Bistro auf Rosmart haben Brehm und sein Team noch größere Pläne.

Nach vier Monaten Betrieb denkt Brehm an Erweiterungen: Das Bistro soll auch für Publikum außerhalb der Kletterszene vermarktet werden, Brehm will eine Außenkletteranlage und größere Trainingsbereiche einrichten, eine Sauna einbauen und für Seminare Gelegenheiten bieten.

„Wir haben noch sehr viele Pläne hier auf Rosmart“, blinzelt Brehm in die Sonne, die gerade wohlwollend auf seine Kletterhalle scheint.

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