Kompromisslos Jesus nachfolgen

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Für Irenäus Wojtko war es ein Lebenshöhepunkt, als er im vergangenen Jahr an Aschermittwoch von Papst Franziskus im Petersdom als einer von weltweit rund 1000 „Missionaren der Barmherzigkeit“ geweiht wurde.

Werdohl - Sich zum ehelosen katholischen Priester weihen zu lassen und darüber hinaus als Franziskaner Gelübde zu Gehorsam, Bescheidenheit und Armut abzulegen – das ist in Zeiten von zunehmender gesellschaftlicher Individualisierung immer noch ein sehr radikaler persönlicher Schritt. Auf den Tag genau heute vor 20 Jahren wurde der Werdohler Pfarrer Irenäus Wojtko im polnischen Gniezno zum Priester geweiht. Die Kirchengemeinde St. Michael würdigt diesen Tag am Donnerstag mit einem Dankgottesdienst ab 8.30 Uhr.

Irenäus Wojtko wurde am 24. Dezember 1969 in Koronowo bei Bromberg in Polen geboren. Schon einige Zeit vor seinem Abitur sei ihm der Gedanke gekommen, als Missionar vielleicht nach Afrika gehen zu wollen. Bei Besinnungstagen in den Sommerferien sei er erstmals konkret mit dem Priesteramt in Berührung geraten. Nach dem Abitur habe er sich stärker für Ordensgemeinschaften interessiert und sich auf die Suche gemacht. Die Salesianer hätten ihn zunächst sehr interessiert, doch die Konzentration auf Jugendarbeit schien nicht seine Sache gewesen zu sein. „Ich dachte, irgendwann bin ich alt, wie soll ich dann mit Jugendlichen umgehen?“, fragt er sich noch heute.

Beruflich habe er zunächst ganz andere Pläne gehabt: Er machte eine technische Ausbildung zum Automechaniker, ein Studium als Maschinenkonstrukteur war geplant. „Aber dann wollte ich Jesus Christus nachfolgen, so, wie es Franziskus getan hat“, spricht er heute ganz selbstverständlich einen Satz aus, der in modernen Zeiten nur noch extrem selten aus dem Mund eines jungen Europäers zu hören ist.

Der junge Pole aus der 10 000-Einwohner-Kleinstadt war sich absolut sicher: 1990, mit 21 Jahren direkt nach dem Abitur, entschied er sich für die Franziskaner und wurde in den Orden aufgenommen. Als einfacher Ordensmann wollte er nicht leben, er entschied sich für das Priestertum. Von 1991 bis 1997 studierte Pater Irenäus Theologie und Philosophie in Lodz. Während seines Studiums lebte er als Praktikant kurze Zeit in Würzburg und Kaiserslautern.

Gleich nach der Priesterweihe heute vor zwanzig Jahren ging es ganz nach Deutschland. „Ich hatte noch einen Monat Ferien, dann kam ich als Kaplan nach Gelsenkirchen.“ Sechs Jahre blieb er dort, bis ihn sein Ordensleiter, der Provinzial, im Jahr 2003 nach Werdohl schickte.

„Gehorsam ist bei uns Franziskanern wichtig“, sagt er. In der Entscheidung des Provinzials sei der Wille Gottes zu sehen. Pater Irenäus spricht das ganz selbstverständlich so aus. Unvorstellbar für abhängig Beschäftigte, in der Entscheidung des Chefs göttlichen Willen nicht nur zu erkennen, sondern auch widerspruchslos zu akzeptieren.

Pater Irenäus arbeitete in Werdohl jedenfalls erst als Kaplan, ein Jahr später wurde er zum Pfarrer der Gemeinde St. Michael berufen. In Werdohl lebten schon Franziskaner zusammen, die förmliche Anerkennung als Kloster und die Ernennung von Pater Irenäus zum Guardian, zum Ordensleiter, kam aber erst 2010.

Jetzt ist Irenäus Wojtko seit 14 Jahren in Werdohl, eigentlich viel zu lange für den missionarischen Auftrag seines Ordens. Den Pfarreientwicklungsprozess soll er jedenfalls noch weiter begleiten, danach geht er dorthin, wo ihn sein Provinzial hinschickt.

Pater Irenäus hat drei Geschwister: Ein Bruder lebt samt Familie in Deutschland, die beiden Schwestern und die Mutter in der Nähe von Bromberg in Polen. Sein Vater war kurz vor der Priesterweihe gestorben.

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