Rein funktionales Hallenbad ohne Schnickschnack

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Das Hallenbad am Riesei ist in die Jahre gekommen und müsste eigentlich für viel Geld saniert werden. Stattdessen planen die Stadtwerke aber nun einen Neubau in Ütterlingsen.

Werdohl - Die Pläne der Stadtwerke, über den Bäderbetrieb in Ütterlingsen ein neues Hallenbad zu bauen, würden von Schulen und Schwimmvereinen begrüßt, versicherten Bürgermeisterin Silvia Voßloh und Stadtwerke-Aufsichtsratschef Christoph Plaßmann. Auch in der Öffentlichkeit findet das Vorhaben viel Zustimmung, wobei manche sogar schon von einem Wellness- oder Spaßbad träumen. Das sieht die Planung aber nicht vor.

Geplant sei ein rein funktionales Hallenbad, betonte neben Voßloh und Plaßmann am Mittwoch auch Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Schlutow. „Wir sehen das Bad nicht als Konkurrenz beispielsweise zum Aquamagis in Plettenberg“, erklärten sie. 

Das neue Hallenbad solle wie auch das 1970 eingeweihte Hallenbad am Riesei über vier 25-Meter-Bahnen und einen Hubboden verfügen. Wasserrutsche, Sauna oder andere Sonderausstattungen sind nicht vorgesehen. Nicht einmal ein Sprungturm ist in der Planung enthalten, denn ein solches Extra würde den veranschlagten Kostenrahmen sprengen, weil dafür das Gebäude höher und das Schwimmbecken tiefer ausfallen müssten. 

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Wie genau das neue Hallenbad aussehen soll, ist allerdings noch ziemlich offen. Zunächst muss das ganze Vorhaben noch durch die politischen Gremien, erst dann kann es an die Detailplanung gehen. Der Baubeginn ist ohnehin erst für den Herbst 2018, die Fertigstellung für das Jahresende 2019 vorgesehen.

Liegewiese wird kleiner

Gebaut werden soll das neue Hallenbad nach den bisherigen Planungen im Bereich der Sterngolf-Anlage und des Parkplatzes am Freibad in Ütterlingsen. Aber auch ein Teil der Liegewiese soll in Anspruch genommen werden. Sie soll dadurch um etwa ein Drittel kleiner werden.

Vom Neubau verspricht sich Stadtwerke-Aufsichtsrat Plaßmann „eigentlich nur Vorteile“. Die einzige Alternative, eine rund 3 Millionen Euro teure Sanierung des alten Hallenbades am Riesei, das seine normale Nutzungsdauer von 30 Jahren längst überschritten habe, kostet nach seiner Einschätzung fast genau so viel. Wahrscheinlich wäre das aber eine Investition in ein Fass ohne Boden. Deshalb sei es sinnvoller, für nur etwas mehr Geld – die Rede ist von Neubaukosten in Höhe von 3,5 bis 4 Millionen Euro – ein neues Hallenbad zu bauen.

Steuer-Schlupfloch hilft

In die Karten spielt den Stadtwerken, die den Neubau finanzieren sollen, dabei eine neue Richtlinie des Bundesfinanzministeriums. Demnach können die Stadtwerke Gewinne, bespielsweise aus der Gasversorgung, mit Verlusten aus dem Bäderbetrieb verrechnen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein so genannter steuerlicher Querverbund, dessen Grundlage eine wirtschaftlich-technische Verflechtung darstellt. Dies wäre beispielsweise durch den Bau eines Blockheizkraftwerks gegeben, das sogar noch in diesem Jahr gebaut werden soll, weil es die sanierungsbedürftige Heizung des Freibades ersetzen soll. Der steuerliche Querverbund hätte sogar Vorteile für die Stadtwerke, die ihre Gewinne dann nicht mehr versteuern müssten, weil sie sie ja mit den Verlusten des Bäderbetriebs verrechnen können.

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