Das moderne Fitnessstudio

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Das Gruppenfoto zum Posten in sozialen Medien gehört nach jedem Training einfach dazu

Werdohl - Früher war es die Turnhalle, dann das Gym und heute ist es die Box. Der erste Blick in den Trainingsraum – oder eben die Box – ist ungewohnt: kein Laufband, auch die klassische Beinpresse macht sich rar. Stattdessen gibt es Medizinbälle, Hantelstangen, Kettlebells und Gewichte. In der Mitte des Raums thront ein großes Metallgerüst mit Turnringen und Seilen.

„Das sogenannte Rig ist das Herzstück und findet sich in jeder Crossfit-Box, egal wo du bist auf der Welt“, sagt Mike Schewe. Gemeinsam mit Partnerin Carina eröffnete der 38-Jährige im März 2016 die Crossfit-Box auf Rosmart. „Das war unser Traum und den leben wir“, betonen beide.

Obwohl schon jetzt die Resonanz alle Planungen in den Schatten gestellt hat, betreiben die Gründer ihren Traum sozusagen in Teilzeit. Für die nötige Sicherheit sorgt eine Anstellung im öffentlichen Dienst, denn „des Geldes wegen machst Du sowas nicht“, betont Mike Schewe.

Vor fünf Jahren hat der Oberbrandmeister mit dem Crossfit angefangen, der Sport begleitet ihn aber schon sein ganzes Leben. Bevor sich Mike mit dem Crossfit-Virus infiziert hat, startete seine sportliche Karriere mit Rudern, dann kam Kampfsport hinzu, später ging es dann über Kraftdreikampf ins Gym.

In der Freizeit fährt er mit Carina gerne mit Mountainbikes durch die Wälder des Sauerlands. Letztlich übte das ganzheitliche Crossfit-Training die größte Faszination aus: „Und da es im Umkreis von 30 Kilometern nichts Vergleichbares gab, haben wir einfach unsere eigene Box aufgemacht.“

Im Moment werden drei Kurse pro Tag angeboten. Tim Plöhn und Nicole Damaszcek komplettieren das Trainerteam. Crossfit unterscheidet sich von einem herkömmlichen Fitnessstudio zum einen durch die Abwesenheit klassischer Geräte, „die einen Muskel nur sehr isoliert beanspruchen“.

Stattdessen werde ganzheitlich und nach Vorbild des olympischen Gewichthebens und klassischen Turnübungen trainiert. Es gehe um das Erlernen einer Technik, konstantes Üben und dann um die Steigerung der Intensität. Und da in der Crossfit-Welt allein der Anglizismus zählt, heißt das Ganze dann: Mechanics, Consistency und Intensity.

Begründet hat die Bewegung der Amerikaner Greg Glassman Ende der 90er-Jahre. Während der Sport Mitte der 2000er in Europa populär wurde, schwappt der Trend seit einigen Jahren auch nach Deutschland über, wo bundesweit momentan 205 Boxen existieren.

Was noch anders ist: „Im Gegensatz zu den klassischen Studios leben wir von den Leuten, die kommen und nicht von denen, die sich anmelden und nach wenigen Wochen nicht mehr erscheinen. Wer einmal bei uns reingeschnuppert hat, der bleibt in der Regel auch“, verrät Mike Schewe.

Überhaupt werde der Zusammenhalt groß geschrieben. Abseits der Box gehe es gemeinsam ins Kino oder auf einen Beachvolleyball-Platz. Wer die Halle betrete, klatsche erst einmal die anderen ab und bleibe nicht für sich. Das hat auch Kordian Szczepaniak angesprochen: „Die Gemeinschaft ist cool und die Trainer gehen auf Dich ein.“

In diesem Sinne findet die sportliche Einheit immer in der Gruppe statt und wenn am Ende alle kaputt seien, stehe das obligatorische Team-Foto auf dem Programm. Immerhin sollen in Zeiten sozialer Medien alle sehen können, was jeder geleistet hat.

Dass manche denken, Crossfit sei nur für Supersportler interessant, sei Quatsch. „Stattdessen werden die Übungen auf das Fitnesslevel jedes Einzelnen angepasst, sodass der Anfänger ohne Probleme mit dem Fortgeschrittenen im gleichen Kursus trainieren kann.“

Über die weitere Zukunft machen sich Mike und Carina in jedem Fall keine Sorgen: „Irgendwann werden wir sicherlich an unsere Grenzen stoßen.“ Doch bis es soweit ist, steht zunächst ein weiterer Zirkel auf dem Programm. Fast wie damals im Schulunterricht, nur viel härter.

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