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Neue IC-Strecke: Bahn mit Betrieb „noch nicht zufrieden“

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Von: Volker Heyn

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Der Intercity rollt seit etwa Weihnachten 2021 durch das Lennetal und hält im Zwei-Stunden-Takt auch an den Bahnhöfen des Nahverkehrs. Mit Auslastung, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist die Bahn noch unzufrieden.
Der Intercity rollt seit etwa Weihnachten 2021 durch das Lennetal und hält im Zwei-Stunden-Takt auch an den Bahnhöfen des Nahverkehrs. Mit Auslastung, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist die Bahn noch unzufrieden. © Christogeros, Christos

Drei Monate ist die neue IC-Strecke durch das Lennetal in Betrieb. Doch die Zwischenbilanz der Bahn fällt alles andere als positiv aus. Die größten Schwierigkeiten seien aber nicht hausgemacht, sondern Folgen von Pandemie und Hochwasser-

Lennetal – Vor ziemlich genau drei Monaten hat die Deutsche Bahn den seit Jahren angekündigten IC34 auf die Schiene gesetzt. Eine erste Bilanz fällt sehr ernüchternd aus. Ungewohnt offen räumt ein Bahnsprecher auf Nachfrage dieser Redaktion ein, dass es Probleme mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gebe. Man werde noch viel daran arbeiten müssen, um den eigenen Vorstellungen vom Intercity-Betrieb zwischen Frankfurt über die Lenneschiene bis nach Münster beziehungsweise Dortmund zu entsprechen.

Die größten Schwierigkeiten seien allerdings nicht hausgemacht und nicht selbst zu verantworten, darauf weist der Bahnsprecher hin. Die Corona-Pandemie und die schweren Beschädigungen an der Strecke durch Hochwasser, Starkregen und Flut im Juli seien schwierig zu bewältigen.

Auch wenn die Strecke Ende vergangenen Jahres aufwändig mit Gleisbettungsmaschinen erneuert wurde und sämtlicher verschlammter Schotter ausgetauscht wurde, gebe es immer noch laufende Reparaturen an der Strecke. Das behindere besonders Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der neuen Fernverkehrslinie.

Der Bahnsprecher teilt weiter mit: „Mit der Betriebsqualität seit dem Start der Linie sind wir noch nicht zufrieden. Neben weiteren Reparaturen der Hochwasserschäden, wie zum Beispiel die Inbetriebnahme beschädigter Bahnübergänge, mussten auch Herausforderungen beim Fahrzeugeinsatz bewältigt werden.“

Der Intercity fährt seit drei Monaten oft gespenstisch leer durchs Lennetal.
Der Intercity fährt seit drei Monaten oft gespenstisch leer durchs Lennetal. © Krumm, Thomas

In diesen Tagen untersuche eine extra eingesetzte Arbeitsgruppe die betrieblichen Gegebenheiten bei den Fahrzeugen und an der Strecke. Die Bahn gehe davon aus, dass sich die Pünktlichkeit und die Zuverlässigkeit der Zugfahrten in den nächsten Wochen deutlich verbessern werde.

Fahrgäste berichten, dass der doppelstöckige Intercity oft menschenleer sei und offensichtlich nicht gut oder kaum angenommen werde. Auch die Taktungen Richtung Münster und Frankfurt mit teils längeren Wartezeiten in den Bahnhöfen erscheinen nicht jedem als besonders attraktiv.

Wenig Zeitersparnis

Wie bereits berichtet, ist die Zeitersparnis gegenüber der schnellsten bisherigen Verbindung gar nicht so groß, wie das Beispiel der Verbindung zwischen Werdohl und Frankfurt zeigt: Mit Regionalverkehrszügen von DB Regio und Hessischer Landesbahn braucht man für die Strecke bei einem Umstieg in Siegen zwei Stunden und 49 Minuten. Mit dem Intercity ist man ohne Umsteigen nach zwei Stunden und 38 Minuten am Ziel. Ähnlich ist mit 17 Minuten die Zeitersparnis für die Strecke Werdohl – Dortmund. Was aber vielleicht wichtiger ist: Durch die Direktverbindungen entfällt das Risiko, dass man bei einem Umstieg einen Anschlusszug nicht erreicht. Wer von einem der Flughäfen in Frankfurt oder Dortmund in den Urlaub starten will, wird das zu schätzen wissen.

Zur Akzeptanz der neuen Fernverkehrslinie bei der Kundschaft äußert sich der Bahnsprecher ebenfalls ohne Umschweife. Erfahrungsgemäß werde die Nachfrage bei neu eingeführten Reiseangeboten erst nach und nach steigen, sagte er.

Zudem müsse die Bahn auch hier den Entwicklungen der Pandemie Rechnung tragen. Die Bahn sei aber zuversichtlich: „Mit dem Frühjahr/Sommer rechnen wir mit einer deutlichen Belebung der Nachfrage.“

Der Sprecher zieht einen Vergleich zur Buchungslage anderer Fernverkehrsstrecken: Die Buchungen der neuen Intercity-Linie zum Osterverkehr lägen in etwa auf dem bundesweiten Niveau und seien nach wie vor stark von den Auswirkungen der Pandemie beeinflusst.

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