Dr. Peter Woeste ist der Botschafter aus dem Sauerland in Ruanda

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Dr. Peter Woeste ist der Deutsche Botschafter in der Hauptstadt Ruandas, Kigali. Seit zwei Jahren arbeitet er dort.

Werdohl - Der Werdohler Dr. Peter Woeste hat es weit gebracht. Seit zwei Jahren ist er der Deutsche Botschafter in Ruanda. Ein spannender Job, der ihm und seiner Frau viel abverlangt.

Auf seinem Stuhl hat es sich Woeste bequem gemacht. Die Beine übereinandergeschlagen, die obersten Knöpfe des weißen Kurzärmelhemds aufgeknöpft. Seine blonden Haare sind leicht zur Seite gekämmt, durch seine Brille guckt er auf den Hof Aschey. 

Im Jahr 1959 wird er in Werdohl geboren. In seiner Jugend besucht er das Burggymnasium in Altena, absolviert 1977 das Abitur. Freiberuflich schreibt er schon für die Zeitung – unter anderem für den Süderländer Volksfreund. „Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht.“ Nach dem Abitur folgt ein Jura-Studium in Marburg und Lausanne. Während seiner Referendariats-Zeit arbeitet der junge Woeste in Bangkok und San Francisco. In der kalifornischen Großstadt habe er zum ersten Mal Kontakt zu Mitarbeitern der Deutschen Botschaft gehabt. Und die waren wohl sympathisch. „Mit denen konnte man mal einen guten Stiefel Bier trinken“, sagt er und muss schmunzeln. Ein erster Kontakt zum Auswärtigen Amt (AA) kommt zustande. 

Erste Station: Ulan-Bator, Mongolei 

Ende der 80er-Jahre fängt Woeste bei der Behörde an. „Das AA ist ein toller Arbeitgeber, weil man solch einen Vertrauensvorschuss bekommt.“ Schon 1991 wird er zu seinem ersten Einsatz geschickt – nach Ulan-Bator, Hauptstadt der Mongolei. Das Land in Asien hieß damals Volksrepublik Mongolei, war lange unter sowjetischer Kontrolle. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wandelte sich das Land 1992 zu einer parlamentarischen Demokratie. „Das war eine spannende Zeit“, betont Woeste. Die Botschaft übernahm man von der DDR, es war „die erste gesamtdeutsche Mannschaft“ in dem Land, erläutert der Werdohler. 

Abwechslungsreich geht es für ihn weiter. Es folgen unter anderem Stationen in Südafrika, bei der Uno-Vertretung in New York und dann als Botschafter in Malawi. Inzwischen ist er seit zwei Jahren in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Insgesamt 30 Personen arbeiten in der deutschen Vertretung in dem afrikanischen Land. Die Aufgaben von Woeste sind umfangreich. Er erteilt Visa, eröffnet Kulturveranstaltungen, unterzeichnet Verträge – um nur einen kleinen Teil zu nennen. Den größten Teil seiner Arbeitszeit nimmt die Analyse der Politik des Gastlandes ein. Die Ergebnisse schickt er anschließend an die Zentrale des AA. 

Zur Fußball-WM als Experte im Fernsehen

Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland war er sogar im Fernsehen in Ruanda zu sehen – als Experte bei den deutschen Spielen. Da habe er sich „ganz wacker geschlagen“. Und lachend fügt er hinzu: „Meine Kinder haben das Ganze im Livestream verfolgt. Was ich da für einen Quatsch erzählen würde, wollten sie wissen“, lacht er und zeigt auf seinem Smartphone Bilder. Apropos: Mit seiner Frau hat er drei Kinder. Während das Ehepaar in der Botschafter-Residenz in Ruanda lebt, befinden sich die Kinder in London. Dort arbeiten und studieren sie. 

Nur drei bis fünf Jahre an einem Ort 

Wirklich familienfreundlich scheint der Beruf des Botschafters allerdings nicht zu sein. Seine Frau, die als Ärztin gearbeitet hatte, musste ihren Job aufgeben. Außerdem ziehen die beiden alle paar Jahre um. Denn Diplomaten bleiben nur drei bis maximal fünf Jahre an einer Station. „Unser Land zu repräsentieren, ist für meine Frau und mich eine gemeinsame Aufgabe“, so Woeste. Mehr als 1000 Gäste pro Jahr empfangen sie in ihrer Residenz. Woeste ärgert es, dass man in diesem Berufsbild immer noch erwarte, dass die Aufgaben vom Ehepartner unentgeltlich mitgestemmt werden. Die Entscheidung für den Beruf sei gemeinsam getroffen worden. „Wir haben uns das vorher zusammen gut überlegt.“ 

Inzwischen hat sich seine Frau sogar noch ihren Traum erfüllt: Sie studierte an der Kunsthochschule in Berlin, ist jetzt freischaffende Künstlerin. In Woestes Büro in der Botschaft hängt ein großes Gemälde, das sie gemalt hat: ein Büffel in den Farben Schwarz, Rot und Gold. 

Immer wieder ein neuer Freundeskreis

Jedes Mal wenn sie umziehen, verlieren sie auch ihre Bekannten. Neue Leute kennenzulernen sei aber in Diplomatenkreisen nicht so schwierig. Schließlich ist die Situation für alle ähnlich. Denn auch die Mitarbeiter anderer Botschaften wechseln oft ihren Arbeitssitz und sind darauf angewiesen, ständig neue Bekanntschaften zu machen. „Da findet man schnell den Anschluss.“ In Ruanda sei er sehr positiv aufgenommen worden. 

Viel privaten Kontakt mit Einheimischen habe er aber nicht. „Privaten Kontakt zu Einheimischen jenseits der beruflichen Ebene zu gewinnen, ist hingegen ungleich schwieriger. Nach wenigen Jahren brechen wir schon wieder auf. Da will nicht jeder in den flüchtigen Kontakt investieren und andere haben Hemmungen den Botschafter einzuladen.“

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