Abwasserbeseitigungskonzept kommt mit Verspätung

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Jahrelang lag der zusammengebrochene Rathauskanal in der Erde, jetzt wird er nach und nach saniert. Solche Baustellen lassen sich trotz regelmäßiger Untersuchungen nicht planen und bringen immer wieder das Gesamtkonzept durcheinander.

Werdohl - Alle fünf Jahre sind die Städte und Gemeinden im Regierungsbezirk Arnsberg dazu aufgefordert, einen Überblick über sämtliche Abwasseranlagen in der Stadt vorzulegen. Das daraus entwickelte Abwasserbeseitigungskonzept wird vom Rat verabschiedet, die darin vorgeschriebenen Investitionen sind – eigentlich – für die nächsten fünf Jahre gültig. Kommenden Montag, 9. April, wird dem Hauptausschuss ein solches Konzept vorgelegt – es ist allerdings schon vier Jahre überfällig und gilt nur bis 2020.

Warum das so ist, erklärt Fachbereichsleiter Thomas Schroeder in der Vorlage für die Sitzung des Hauptausschusses. „Das vorliegende Konzept hätte bereits im Jahr 2014 zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Veränderte Rahmenbedingungen, insbesondere die Digitalisierung der vorhandenen Pläne und die Einarbeitung von Ergebnissen aus der Zentral- und Generalentwässerungsplanung haben dazu geführt, dass die aktuelle Fortschreibung erst jetzt zur Genehmigung vorgelegt werden kann.“

Die Stadt habe aber wegen dieser Vorgehensweise in ständiger Rücksprache mit der Bezirksregierung gestanden, auch das jetzt endlich vorliegende Abwasserbeseitigungskonzept sei im Einklang mit Arnsberg entstanden.

Konzept hat bindende Wirkung

Der Konzeptzeitraum liegt zwischen 2015 und 2020 – so erklären sich auch die aus heutiger Sicht bereits veralteten Ausführungen zum Beispiel bezüglich der Querbauwerke im Versetal. Dennoch habe das noch zu verabschiedende Konzept eine absolut bindende Wirkung: Mit dem Beschluss des vorliegenden Abwasserbeseitigungskonzeptes bindet sich der Rat der Stadt Werdohl, die Projekte der ersten Zeitstufe im vorgegebenen Zeitraum zu realisieren. Verschiebungen können nur in Absprache mit der Bezirksregierung in begründeten Fällen erfolgen.

Die Gewässerreinhaltung kostet die Stadt Jahr für Jahr eine Menge Geld, das im Sondervermögen Abwasser bei der Tiefbauabteilung der Stadt Werdohl verwaltet wird. Die Gesamtinvestitionskosten betragen für die erste Zeitstufe des Abwasserbeseitigungskonzeptes zwischen 2015 und 2020 einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer 10,957 Millionen Euro. Das entspricht pro Jahr einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von 1,826 Millionen Euro zur Unterhaltung des bestehenden Kanalnetzes.

Fremdwasser als größte Herausforderung

Fachbereichsleiter Schroeder erklärt auch, warum sich dennoch immer wieder Verschiebungen bei den Investitionen in der Pflege des Abwassernetzes ergeben werden. „Die jährlich durchgeführten Untersuchungen tragen dazu bei, dass die vorgelegte Maßnahmenliste im stetigen Wandel ist“, so Schroeder. Es werde immer wieder Maßnahmen mit „kurzfristiger“ oder „mittelfristiger geforderter Durchführung“ geben, die dann Eingang in die bestehende Liste finden und geplante Maßnahmen in spätere Jahre verschoben werden.

Die größte Aufgabe der Zukunft hat die Stadt mit der Beseitigung von Fremdwasser. Der Ruhrverband hatte im Bereich der Kläranlage in Ütterlingsen schon in 2010 Messungen vorgenommen. Neun Fremdwasserschwerpunkte ließen sich feststellen, von denen acht auf Werdohler Stadtgebiet liegen. Die stärksten Einträge kommen aus Ütterlingsen (19 Prozent), Bahnhof (13 Prozent), Versetal (11 Prozent) und dem Stadtkern (10 Prozent).

Unkalkulierbar hoher Aufwand

Für einige Sanierungsmaßnahmen erfolgte vom Ruhrverband eine Kostenschätzung. Wo keine konkrete Entstehungsstelle ausgemacht werden konnte, gab es auch keine Kostenschätzung. Die Stadt Werdohl geht von einem derzeit unkalkulierbar hohem Aufwand aus, da allein schon der Bahnhof und der Kernstadtbereich Fremdwasser einleiten, deren Entsorgungskosten nicht bezifferbar sind.

Die Stadt Werdohl ist daher auch zukünftig auf die detaillierte Auswertung von Kamerauntersuchungen und Dichtigkeitsprüfungen angewiesen, um im Einzelfall punktuelle Sanierungsmaßnahmen durchführen zu können. An einigen der Fremdwasserschwerpunkte hat die Stadt schon Maßnahmen ergriffen. Im Rahmen des Abwasserbeseitigungskonzept für die Jahre 2010 bis 2014 hat die Stadt bereits 6,806 Millionen Euro investiert.

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