Bewegendes Konzert

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Mit leisen Tönen erfüllte Ályth McCormack am Samstagabend die Kreuzkirche auf der Königsburg. Die gebürtige Schottin sang von Heimat und Fremde, Liebe und Verlust.

Werdohl - Eine Sängerin der leisen und beinahe zärtlichen Töne sowie eine Harfenistin der absoluten Extraklasse – das erlebte das Publikum am Samstagabend in der Kreuzkirche auf der Königsburg beim Konzert mit Ályth McCormack und Niamh O’Brien. Ein Kontrastprogramm im Vergleich zu manch anderem irischen Abend, seit es sich die hiesigen Irlandfreunde – vor allem Gotti Brinkmann – auf die Fahnen geschrieben haben, Werdohl besondere Kunst von der Grünen Insel zu präsentieren. Und eben auf jene Insel ließen sich die Zuhörer nur allzu gerne entführen.

„Irgendwie sind wir doch alle Reisende“ – dieses McCormack-Zitat hatte Pfarrer Dirk Grzegorek bei seiner kurzen, aber herzlichen Begrüßung aufgegriffen, um das Publikum dann voll und ganz in die Traumwelt der Musik zu entlassen.

Sozusagen als Vorspeise servierte Ályth McCormack eine gälische Ballade, zart in der Stimme und – wie bei den meisten anderen Stücken – mit geschlossenen Augen, so als lasse sie die Geschichte, die sie gerade erzählt, in Bildern innerlich an sich noch einmal vorüberziehen.

Die auf der Insel Lewis in Schottland geborene und der Liebe wegen nach Irland gezogene Sängerin und Schauspielerin hatte viel zu erzählen. Es ging um Heimat, Familie, Fremde, Liebe, Verlust oder Emigration.

Der Großvater, der 15 Jahre in Australien gelebt hatte, spielte eine Rolle und auch eine ältere Schwester zog es auf ewig auf den fünften Kontinent. Ein Bruder folgte ihr, kam aber wieder heim. Rund um diese Geschichte drehten sich Songs wie „Sail me Away to Australia“.

Der Großmutter war ein eigenes Lied gewidmet, und wie dieses, so trafen auch die weiteren Stücke dank der wunderbaren Stimme, des einfühlsamen Textes und der außergewöhnlich zarten Harfen-Begleitung durch Niamh O’Brien ins Herz – da, wo die Seele in diesem Konzert ein Zuhause hatte; und vielleicht auch noch darüber hinaus.

In großen Konzertsälen ist Ályth McCormack aufgetreten. Dass sie aber wegen „einer gewissen Intimität“ gerade die Auftritte im kleineren Rahmen genießt, machte sie am Samstag schnell klar.

Eine irische Flagge auf dem Altar der Kreuzkirche, passende Blumen – das reichte für das Bekenntnis „Feel me at Home“, wobei sie, vom Blatt abglesen, auf Deutsch die Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass die Zuhörer die Texte und ihre dazugehörigen Erläuterungen verstehen. Und sie verstanden alle. Und wenn nicht die Sprache, dann doch den Geist, die Offenbarung und das Gefühl.

Niamh O’Brien – sie und ihre Harfe waren eins bei diesem Konzert, und in dieser Konstellation durfte das Publikum eine traumhafte Klangwelt erleben.

Acht Stücke vor der Pause und acht danach mündeten in die nahezu allgemein geteilte Bewertung des Publikums, hier etwas Besonderes zu erleben. Das gilt auch für Niamh O’Brien, die mit zwei fantastischen Solobeiträgen glänzen und mit ihrem keineswegs leicht zu handelnden Instrument eine traumhafte Klangwelt entwickeln konnte – abgesehen davon, dass auch sie über eine Stimme verfügte, die – sagen wir es einmal so – den Wind über die Weiten des Landes verspüren ließ. Ohne die Harfenistin wäre das Konzert nur halb so schön gewesen.

Klar war natürlich, dass auch Kompositionen aus dem neuesten Album „Homelands“ zu hören waren. Auch hier spielt die Sehnsucht nach Heimat einerseits und Sehnsucht nach der Ferne eine Rolle. „Music of the Mouth“, „Chicago Rain“ oder „Raglan Road“ waren drei Beispiele.

Und bevor das musikalisch glänzende Duo mit „Isle of Hope“ zumindest für sich das Finale ankündigte, hatte Ályth McCormack noch einen Rat für Gotti Brinkmann: „Gotti, fang den Fisch...“ Ob sie damit auf Brinkmanns oft wiederholte Geschichte von „Sir Henry ist tot“ anspielte, in der es um einen kapitalen Hecht geht, den niemand an den Haken bekommt und der schließlich an Alterssschwäche stirbt, sei hier zumindest als These angesprochen.

Eine Zugabe gab’s dennoch: Die Jazzsängerin Renata Hervoly zelebrierte „Danny Boy“. All dies vor ausverkauftem Haus brachte Pfarrer Dirk Grzegorek zum Abschluss zu einem Satz, der nichts anderes war als pure Bewunderung: „Wie leise Töne doch eine ganze Kirche verzaubern können...“

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