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Stadtmarketing-Gesellschaft: Werdohl zieht nach 18 Jahren Schlussstrich

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Von: Volker Heyn

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Erklärten die Liquidation der Marketing-GmbH: Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Middendorf (von links), Bürgermeister Andreas Späinghaus, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Mike Kernig und Geschäftsführer Ingo Wöste.
Erklärten die Liquidation der Marketing-GmbH: Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Middendorf (von links), Bürgermeister Andreas Späinghaus, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Mike Kernig und Geschäftsführer Ingo Wöste. © Volker Heyn

Die Werdohl Stadtmarketing GmbH wird aufgelöst, weil die Finanzierung dieser Gesellschaftsform unverhältnismäßig geworden ist. Stattdessen hat Bürgermeister Späinghaus einvernehmlich mit dem Rat eine neue Stelle bei der Stadtverwaltung für Kultur, Stadtmarketing und Tourismus eingerichtet. Die Stelle ist seit einigen Tagen ausgeschrieben.

Werdohl ‒ Dirk Middendorf und Mike Kernig als Vertreter des Aufsichtsrates sowie der Noch-Geschäftsführer Ingo Wöste stellten gemeinsam mit Bürgermeister Späinghaus die Gründe für die Liquidation der Gesellschaft vor. Eine solche Mini-GmbH produziere durch erforderliche Jahresabschlüsse unnötige Kosten, außerdem dürfe die Stadt nur eine bestimmte Obergrenze an Zuschüssen für die Zwecke einer GmbH zuschießen. Darauf hatte die Gemeindeprüfungsanstalt hingewiesen. Ein gewichtiger Grund war zudem, dass die GmbH nach zuletzt Claas Marienhagen keinen neuen Mitarbeiter finden konnte. Wöste bekam als Geschäftsführer der GmbH eine kleine Aufwandsentschädigung, das meiste Geld floss in die Stelle des hauptamtlichen Mitarbeiters.

Nachdem Marienhagen nach zwei Jahren in Werdohl in seine Heimat zurückgegangen war, hatte die Gesellschaft keinen Nachfolger gefunden. Eine Frau war eingestellt, verließ den Job aber nach nur einem Tag. Bei der Bewerbersuche habe man erfahren, so Middendorf, dass die Anstellung bei so einer Mini-Gesellschaft unattraktiv sei, eine Stelle direkt bei der Stadtverwaltung erscheine manchem vorteilhafter.

Als Corona die Arbeit nicht nur im Stadtmarketing lahmlegte, kam Bürgermeister Späinghaus neu ins Amt. Er brachte eigene Vorstellungen von Stadtmarketing und Kulturarbeit ins Rathaus. Die von Middendorf und Wöste vorgeschlagene Idee, im Bahnhof mit einem Stadtmarketing-Manager, einem Stadtplaner und der Leader-Beauftragten ein „Innovationszentrum“ zu eröffnen, ließ sich mit Späinghaus so nicht durchsetzen.

In Gesprächen zwischen den politischen und den wirtschaftlichen Entscheidern in der GmbH mit dem Rat und dem Bürgermeister wurde die Liquidation der GmbH beschlossen. Der Auflösungsbeschluss erging einstimmig bei der Aufsichtsratssitzung am 1. Dezember.

Späinghaus hatte parallel dazu eine Sachbearbeiter-Stelle im Rathaus als „Management für die Bereiche Marketing, Kultur und Tourismus“ geschaffen. Städtische Kulturarbeit wurde in Anteilen von Reinhild Wüllner-Leisen geleistet, sie ist aber mittlerweile freigestellte Personalratsvorsitzende. Aus den Zuschüssen der Stadt für die Marketing-GmbH und aus vorhandenen Mitteln für Stellenanteile werde die neue Stelle finanziert, so Späinghaus. Die Ausschreibung ist bereits veröffentlicht.

Die Werdohl Marketing GmbH wurde am 4. Juli 2003 aus dem Projekt City-Offensive gegründet. Hauptgesellschafter zu je einem Drittel waren der Rat und der Verein „Natürlich Werdohl“. Ein weiteres Drittel wurde von verschiedenen Gesellschaftern der Privatwirtschaft gehalten. Erster Geschäftsführer war Gunter Gersema, auf ihn folgte für kurze Zeit Roman Otte. Von 2008 bis zuletzt leitete Ingo Wöste die Geschäfte der Gesellschaft. Die GmbH hatte einen jährlichen Etat von etwas mehr als 100.000 Euro. 78.000 Euro kamen von der Stadt, 13.000 Euro vom nach wie vor weiter bestehenden Verein „Natürlich Werdohl“ und 10.000 Euro aus der Privatwirtschaft.

„Gegründet worden war die Marketing-GmbH mit dem Ziel, sich in fünf oder sechs Jahren selbst zu finanzieren. Das hat aber nie geklappt.“ 

Dirk Middendorf, Aufsichtsratsvorsitzender

Middendorf erinnert an die Anfänge: „Gegründet worden war die Marketing-GmbH mit dem Ziel, sich in fünf oder sechs Jahren selbst zu finanzieren. Das hat aber nie geklappt.“ Als Wöste die Leitung übernahm, wurden zu je einer halben Stelle Susanne Macaluso und Andreas Haubrichs eingestellt. Haubrichs ist heute Wirtschaftsförderer bei der Stadt, Macaluso hatte nach vielen Jahren engagierter Arbeit gekündigt.

Die Gesellschaft habe vor allem mit Wöste und Macaluso und den Nachfolgern Midderhof und Marienhagen viele gute Veranstaltungen für die Stadt organisiert, hieß es. Wöste wurde vom Aufsichtsrat Middendorf ausdrücklich gelobt: „Vornehmlich Herr Wöste hat eine sehr gute Arbeit geleistet.“

Der räumte ein, mit der Idee eines Innovationszentrums im Bahnhof zu weit vorgeprescht zu sein, zumal Späinghaus zu der Zeit wegen seiner Covid-Erkrankung handlungsunfähig war. Wöste: „Ich erkenne die Richtlinienkompetenz des Bürgermeisters an.“ Der so Angesprochene erklärte, dass man sich in Werdohl zwar von der Marketing-Gesellschaft, aber eben nicht vom Marketing trenne.

Bevor neue Formate und Aktionen entwickelt werden könnten, müsse zuerst einmal die ausgeschriebene Stelle besetzt werden. Späinghaus: „Ich beabsichtige, diese Person im Bahnhof unterzubringen.“ Gemeinsam mit der Leader-Managerin soll diese Person in die Räume der ehemaligen „Kuba“ einziehen. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass sich Teile der Idee des „Innovationszentrums“ hier und in Form des von ihm so genannten „Denkariums“ im Gewerbehof wiederfänden.

Durch die Auflösung der Gesellschaft und die neue Stelle im Rathaus sei die Möglichkeit eines Neuanfangs gegeben.

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