Geld für Integration von Bulgaren

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Auch diese beiden bulgarischen Familien suchen in Werdohl ihr Lebensglück (von links): Vater Hristo (29) mit Sohn Ilia (8) und Tochter Ivanka (6) sowie Ehepaar Hasan (41) und Krasimira (38) mit Sohn Mladen (6).

Werdohl – Es war ein schleichender Prozess. Von der Öffentlichkeit zunächst kaum bemerkt, hat sich die Zahl der in Werdohl lebenden Bulgaren und Rumänen in den vergangenen vier Jahren deutlich erhöht. Sichtbar wurde das irgendwann, als die fremd Aussehenden im Stadtbild auftauchten. Jetzt bekommt Werdohl Hilfe bei der Aufgabe, diese Menschen in die Gesellschaft zu integrieren.

SPD-Ratsherr Volkmar Güldner-Rademacher war es schon Anfang 2017 aufgefallen: Die Zahl der Bulgaren in der Werdohler Bevölkerungsstatistik war stark gestiegen. Der damalige Fachbereichsleiter für Soziales, Bodo Schmidt, berichtete, dass es schon seit dem Jahr 2015 eine erhebliche Zuwanderung von Menschen aus Bulgarien gegeben habe, die über eine selbstständige Tätigkeit hier Fuß fassen möchten, und äußerte Befürchtungen, für deren Kinder in absehbarer Zeit auch Kindergartenplätze zur Verfügung stellen zu müssen.

Tatsächlich ist die Zahl der Zuwanderer aus Bulgarien, aber auch aus Rumänien in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. Ende 2019 bildeten sie nach den Türken (2086 Einwohner) mit 327 Personen die größte Ausländergruppe in der Stadt an Lenne und Verse. Das waren fast doppelt so viele wie noch vier Jahre zuvor (178) Hinzu kam mit 122 Rumänen (2016: 101) eine weitere Zuwanderergruppe vom Balkan.

Möglich wurde der kontinuierliche Zuzug der Südosteuropäer, weil mit Beginn des Jahres 2014 die letzten Zugangsbeschränkungen für rumänische und bulgarische Staatsbürger auf dem deutschen Arbeitsmarkt fielen. Seither gilt für sie die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU.

Menschen aus Südosteuropa in schwierigen Verhältnissen

Die Menschen aus Südosteuropa kommen oft aus schwierigen Verhältnissen und stehen auch in Deutschland zunächst vor großen Herausforderungen: Sie müssen Deutsch lernen, eine Arbeit finden, die Abläufe in Behörden, Kitas, Schulen und Freizeitangeboten kennenlernen. Nicht alle machen sich die Mühe, das Leben in Deutschland in allen Facetten kennenzulernen, bleiben lieber unter sich und nehmen schlecht bezahlte Jobs an, um ihre Familien zu ernähren. Nicht selten leben sie auch in Wohnungen, für die auf dem regulären Wohnungsmarkt kaum noch Mieter zu finden wären.

Um Kommunen bei der Integration dieser Menschen zu unterstützen, hat das Land NRW im Mai ein Förderprogramm aufgelegt, von dem nun auch Werdohl profitiert. Fünf Millionen Euro hat Düsseldorf bereitgestellt, um die kommunale Integrationsarbeit für Menschen aus Südosteuropa zu stärken. Das Geld fließt in 21 Orte in ganz NRW, in denen die Zuwanderung aus Südosteuropa besonders stark war. „Antragsberechtigt waren diejenigen Kommunen, bei denen der Anteil von Personen aus den sogenannten EU-11-Mitgliedsstaaten, die Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen, mindestens 50 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt“, erläuterte Henning Severin, Pressesprecher des Integrationsministeriums, auf Nachfrage. Neben einigen Ruhgebietsstädten und Hagen gehört auch Werdohl dazu.

99 000 Euro schon in diesem Jahr

Schon in diesem Jahr sollen 99 000 Euro in den städtischen Haushalt fließen, weitere jeweils 117 000 Euro sollen in den beiden folgenden Jahren nach Werdohl überwiesen werden. Mit den Fördermitteln soll die Teilhabe und Integration der Menschen aus Südosteuropa vor Ort gestärkt werden. Die Integrationsarbeit umfasst unter anderem die Beratung bei der Suche nach einem Platz in der Kindertagesbetreuung oder der passenden Schule. Hilfestellung gibt es aber auch bei Fragen zu Rechten und Pflichten von Mietern, bei Kontakt mit Behörden, bei der Verbraucherberatung zum Schutz vor betrügerischen Angeboten und Ausbeutung, bei Fragen zur Krankenversicherung, bei medizinischen Problemen und der Schwangerschaftsvorsorge.

Ebenso spielt die Prävention von Diskriminierung und Kriminalität eine wichtige Rolle. Das Integrationsministerium bietet den geförderten Kommunen außerdem ein Begleitprogramm zum Thema Zuwanderung aus Südosteuropa an. Dazu gehören Treffen zum Erfahrungsaustausch sowie Informationsveranstaltungen etwa zur Bekämpfung von prekären Wohnverhältnissen, zur Antidiskriminierung und zur EU-Freizügigkeit.

Vielleicht ein Treffpunkt in der Stadt

Was könnte Werdohl mit dem bewilligten Geld für die Zuwanderer vom Balkan tun? Das war die Frage, die sich stellte, als Bürgermeisterin Silvia Voßloh dem Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend von der Finanzhilfe des Landes berichtete. Es könne beispielsweise ein Treffpunkt in der Innenstadt eingerichtet werden, sagte Voßloh. Für SPD-Fraktionschef Wilhelm Jansen war unstrittig, dass es eine Notwendigkeit der Förderung dieser Bevölkerungsgruppe gibt. Er wünschte sich allerdings auch einen ersten Bericht von den Erfahrungen bei der Umsetzung der Maßnahmen schon in der Sitzung des Sozialausschusses Anfang Oktober. Und ihn interessierte, was mit den Fördermitteln im Jahr 2021 und 2022 unternommen werden soll, um die Bulgaren und Rumänen besser zu integrieren.

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