Unsere Serie "Pendeln in NRW"

Werdohl-Düsseldorf: Michael Eick fährt täglich 200 Kilometer

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Michael Eick ist auf einen Toyota Hybrid umgestiegen, das Auto fährt wahlweise elektrisch oder mit Benzin. Als Pendler empfindet er die Automatik und die vielen Assistenzsysteme als notwendig. Mit dem Verbrauch von 5,5 Litern ist er zufrieden.

Werdohl - Freiwillig fährt er nicht vier Mal die Woche zwischen Werdohl und Düsseldorf hin und her. Der IT-Experte Michael Eick wohnt mit seiner Frau am Kleiberweg und hat einen gut bezahlten Job bei Uniper.

Der Eon-Konzern hatte ihn im April 2016 an den Rhein versetzt. Der 55-Jährige ist mittlerweile Opa, lebt gern in Werdohl in der Nähe seiner Familie und denkt mittlerweile über eine Vorruhestandsregelung nach. Bis es soweit ist, muss er noch ein paar Jahre die mehr als 200 Kilometer täglich hinter sich bringen. 

Eick ist und bleibt mit seiner Heimat an der Lenne verwachsen, ein Umzug zur Arbeitsstelle kam für ihn deshalb nie in Frage. Und jetzt als 55-Jähriger – ganz langsam Richtung Ende einer beruflichen Laufbahn unterwegs – schon mal gar nicht. Eick wuchs in Eveking auf und machte nach der Schule eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Stadtwerken Lüdenscheid. Er bildete sich weiter, spezialisierte sich und wurde SAP-Entwickler. Als Programmierer von Anwendungen für Großunternehmen war er ein gefragte Mann – nach 18 Jahren bei den Stadtwerken Lüdenscheid nahm er den Ruf eines Headhunters wahr und wechselte zu einem SAP-Beratungsunternehmen nach Dortmund. „Der Headhunter sprach von Gehältern und Aufgaben, von denen ich vorher nur geträumt hatte. Da bin ich schwach geworden“, sagt er heute. 

Acht Jahre Außendienst in halb Europa 

Die tägliche Fahrt nach Lüdenscheid war denn auch ein Klacks gegenüber den Orten, zu denen er fortan für die SAP unterwegs war: Hamburg, Berlin und Nürnberg, aber auch Malmö, Budapest, Helsinki, Stockholm und Warschau. Das extreme Herumreisen war Eick das Gehalt doch nicht wert. Acht Jahre Außendienst in halb Europa führten zu dem berühmten Effekt, dass er eines Morgens nicht mehr wusste, in welcher Stadt er im Hotel aufgewacht war, wo sich der Lichtschalter befand. 

Michael Eick aus Werdohl in seinem Düsseldorfer Büro bei Uniper S.E.. Seit 2016 pendelt der IT-Experte vier Tage die Woche nach Düsseldorf in ein Hochhaus mit Blick auf den Landtag.

„Das hat mich total fertiggemacht“, stellte er fest. Und bewarb sich 2009 bei der Eon Ruhrgas in Essen. Für seinen Arbeitgeber SAP war er ohnehin häufiger bei einem Kunden in Essen, der neue Job passte. Und die tägliche Fahrt von Werdohl nach Essen war für Eick in Ordnung angesichts der Distanzen, die er vorher hatte zurücklegen müssen. „Das sitze ich auf einer Backe ab“, habe er damals gedacht. 

Doch die Freude über den neuen Job währte nicht lange. Der Eon-Konzern strukturierte sich um. Von der Eon Ruhrgas ging es für Eick zur Eon IT und zur Eon Business Services. Im April 2016 teilte sich Eon in zwei Unternehmen auf. Uniper wurde gegründet, die Firmenzentrale in ein Hochhaus am Rhein mit Blick auf den Landtag verlegt – und Michael Eick mit an den Rhein verfrachtet. Eick rechnet für die Eon Großkunden wie Kraftwerke oder Discounter-Ketten mit mehreren zehntausend Verbrauchsstellen ab. „Ich bin in Düsseldorf gestrandet, für mich eigentlich eine Katastrophe“, so sagt er heute. 

Umzug kam nicht in Frage

Aber was sollte er machen? Kündigen kam nicht in Frage, nach Düsseldorf ziehen auch nicht und auf Kommando meldet sich auch kein Headhunter. 

Seitdem pendelt er vier Mal die Woche an den Rhein. Einen Tag in der Woche darf er von Werdohl aus arbeiten, am liebsten nimmt er den Freitag. Eick: „Ich kann auch über Skype mit meinen Software-Entwicklern aus Indien oder Vietnam hier vom Kleiberweg aus arbeiten.“ 

Über eine Bahnfahrt hat Eick natürlich schon nachgedacht. Von Werdohl nach Düsseldorf braucht er per Bahn zwei Stunden, mit Fahrt zum Werdohler Bahnhof und in Düsseldorf zum Büro sind das schon zweieinhalb Stunden, also fünf Stunden am Tag. Mit dem Auto schafft er es hin und zurück im Schnitt in drei Stunden, dass sind zwei Stunden weniger als die Bahnfahrt. 

Bahnfahrt nach Düsseldorf zu lang 

Die dauernde Pendler-Fahrt mit seinem Diesel-Schaltwagen verursachte ihm körperliche Probleme. Um die Belastungen beim Autofahren so gering wie möglich zu halten, hatte sich Eick einen Toyota C-HR Hybrid mit Automatik und jeder Menge Assistenzsysteme gekauft. Vor allem der Kollisionswarner habe ihn schon vor manchem Unfall bewahrt, schwört er auf die elektrischen Helferlein in seinem Wagen vor allem im Stau. Mit einem früheren Wagen hatte er 2003 einen Totalschaden wegen Aquaplaning, auch das gehört zur Bilanz eines Berufspendlers. 

Und auch das ist Pendler-Realität auf deutschen Autobahnen: Zum Glück nur ein paar Mal bekam er Strafen wegen geringfügiger Geschwindigkeitsübertretungen, aber ein Mal war auch der Führerschein für drei Monate weg. Er war zu dicht aufgefahren.

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