Richter lässt 20-Jährigen „nachreifen“

Dreiwöchiger Jugendarrest als Quittung für wiederholte Beleidigung von Polizisten

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Aufgrund von "dringendem Nachreifungs- und Erziehungsbedarf" ordnete der Richter einen dreiwöchigen Jugendarrest an.

Werdohl - Es kommt nicht gut an, wenn ein 20-Jähriger einen Polizisten „blöd“ nennt und anschließend auch noch ankündigt, er werde ihn und seinen Kollegen töten – er habe „dafür alles dabei“.

Ja, er habe sich „scheiße verhalten“ gab der Angeklagte im Amtsgericht zu und mühte sich, einen möglichst großen Brocken für die unerfreuliche Begegnung auf den Straßen Werdohls den Beamten zuzuschieben: „Die Polizisten haben mich auch angeblafft.“ Bei zwei Anklagen kam es auf diese Anklage nicht an, und so blieb nach der Einstellung dieses Strafverfahrens eine zweite Geschichte übrig: Da hatte der Werdohler einen Freund in Herscheid besucht.

Um 3 Uhr, also mitten in der Nacht, hatten die beiden die Musik so laut aufgedreht, dass die Nachbarn die Polizei riefen. Als die Beamten nicht ins Haus kamen, gingen sie in den Garten, von wo aus sie in Sichtkontakt zu dem Angeklagten und seinem Freund kamen. „Ich kratze mich nur – Ihr könnt mir gar nichts, Ihr Würstchen“, wurde diesmal als Wortlaut der Beleidigung überliefert. Dabei soll sich der Angeklagte mit dem ausgestreckten Mittelfinger am Kinn gekratzt haben.

Einer der Beamten erinnerte sich daran, dass die Polizei „bestimmt schon zehn Mal wegen Ruhestörung“ an der Adresse in Herscheid gewesen war. Und er hatte auch nicht vergessen, dass der Angeklagte ihm vor zweieinhalb Jahren ins Gesicht gespuckt hatte. Richter Reckschmidt nahm diese Vorgeschichte auf: „Zum wievielten Mal sehen wir uns hier unter der Überschrift, Beleidigung zum Nachteil der Polizei’?“, fragte er den Angeklagten.

Der Richter sah angesichts einer nicht enden wollenden Geschichte zwar eine jugendtypische Verfehlung, aber auch „dringenden Nachreifungs- und Erziehungsbedarf“. Da kann intensives Nachdenken in einem dreiwöchigen Jugendarrest möglicherweise helfen.

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